"Grammozis hatte schon einiges an Kredit verspielt"

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"Grammozis hatte schon einiges an Kredit verspielt"
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Philipp Hofmann ist die Lebensversicherung des Karlsruher SC. Der 28-Jährige erzielte bei den ersten beiden Auftaktsiegen bei Hansa Rostock (3:1) und gegen Darmstadt 98 (3:0) insgesamt drei Tore. In der alten Saison traf er 13 Mal. Kein Wunder, dass der Torjäger von Vereinen aus der 1. und 2. Liga umworben wird.

Schon vor der vergangenen Saison wollte Union Berlin Hofmann verpflichten. In diesem Sommer zeigte Werder Bremen Interesse. Doch KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer positionierte sich zuletzt im Doppelpass 2. Liga bei SPORT1 eindeutig. “Das Transferfenster für Philipp Hofmann ist geschlossen. Ich werde mich nicht mehr mit jemandem an den Tisch setzen”, sagte der 54-Jährige.

Vor dem Gastspiel beim 1. FC Nürnberg (2. Bundesliga: 1. FC Nürnberg - Karlsruher SC, Fr., 18.30 Uhr im LIVETICKER) spricht Hofmann im SPORT1-Interview offen über das zurückliegende Wechseltheater, die Aussichten des KSC und die schwierige Zeit seines Herzensvereins Schalke 04.

SPORT1: Herr Hofmann, wie fällt Ihr Fazit nach den ersten vier Liga-Spielen aus?

Philipp Hofmann: Von den Punkten her sind wir sehr zufrieden. Werder, der HSV und Schalke würden gerne mit uns tauschen (lacht). Wir sind gut in die Saison gestartet, hinzu kam noch das Weiterkommen im Pokal. Wir haben nahtlos an die gute alte Spielzeit angeknüpft. Zuletzt sind wir mit zwei Remis etwas ins Stolpern gekommen, ich sehe uns aber auf einem guten Weg. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

2. Liga? Die Anpassung ist nicht einfach

SPORT1: Sie haben es angesprochen. Warum haben die drei Großen solche Probleme in der Liga? Der HSV spielt schon die vierte Saison zweitklassig.

Hofmann: Die Anpassung ist nicht einfach. In der 2. Liga sind noch mal andere Basics gefragt. Die Zweikämpfe sind ekliger und vielleicht können diese Klubs nur schwer akzeptieren, dass sie in der 2. Liga sind. Und die vermeintlich kleineren Gegner sind natürlich heiß gegen diese drei Klubs. Deshalb ist das alles andere als einfach. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

SPORT1: Was sagen Sie zum Absturz von Schalke?

Hofmann: Da blutet mir das Herz. Aber das war in der vergangenen Saison leider abzusehen. Als ich dem HSV abgesagt habe, war das zum damaligen Zeitpunkt für mich auch keine Option. Es gab losen Kontakt. Aber als sie mitbekommen haben, dass ich nicht innerhalb der 2. Liga wechseln werde, hatte sich das erledigt.

SPORT1: Warum bekommt es Schalke nicht hin?

Hofmann: Es war vom Saisonstart weg schwierig, weil Grammozis mit dem Klub abgestiegen ist. Er hatte dadurch schon einiges an Kredit verspielt. Jetzt wird er wieder angezählt. Es wird nicht leichter für ihn. Ganz ehrlich? Ich habe damit gerechnet, dass Schalke sich schwer tun wird.

Hofmann: Darum bin ich beim KSC geblieben

SPORT1: Wäre es ein Traum noch mal für Schalke zu spielen?

Hofmann: In der Bundesliga auf jeden Fall. Ich war früher im Parkstadion und das waren echt schöne Zeiten. Ich war vier, fünf Jahre im Internat auf Schalke und kenne dort noch viele Leute.

SPORT1: Was sind die Gründe für den guten Start des KSC?

Hofmann: Ein wichtiger Grund ist, dass wir zusammen geblieben sind. Die Achse des Teams ist weiter da: mit Gersbeck im Tor, Gondorf, Wanitzek und mit mir vorne. das war extrem wichtig. Wir konnten uns immer mehr einspielen und das Ergebnis sieht man auf dem Platz und an der Tabelle. Entscheidend ist natürlich auch unser Trainer (Christian Eichner, d. Red.). Er hat die KSC-DNA in sich und seitdem er übernommen hat, ging es nur nach vorne.

SPORT1: Sie haben 2011 bei Schalke als Profi begonnen, waren danach bei sechs Vereinen. Seit 2019 sind Sie beim KSC. Ist das in Karlsruhe Ihre beste Zeit als Profi?

Hofmann: Absolut. Ich bin immer noch Schalke-Fan und das schon seit meiner Jugend. Es war auch immer mein großes Ziel wieder für S04 zu spielen. Doch es kam nie zustande. Ich war zwei Jahre in England (bei Brentford, d. Red.), aber das war etwas zu früh. Dennoch hat mich diese Erfahrung weitergebracht. Ich bin dort erwachsener geworden. Jetzt bin ich im besten Fußballalter und nehme die Dinge auf dem Platz anders wahr, weil ich erfahrener bin. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

“Wenn ich Vertrauen spüre, funktioniert das mit mir”

SPORT1: So manch einer sagt, wenn sie Ihren Namen hören, dass Sie ein schwieriger Typ sind, der es nicht lange bei einem Klub aushält. Und Ihre Vita gibt diesen Leuten recht, was die Wechselfreude angeht. Tut man Ihnen da Unrecht?

Hofmann: Ich bin kein schwieriger Typ und würde gerne länger bei einem Verein bleiben. Und beim KSC bin ich ja auch schon im dritten Jahr. Am Anfang meiner Karriere war ich ausgeliehen, dann war oft der Trainer und der Sportdirektor weg und ich hatte dann leider auch Trainer, die nicht an mich geglaubt haben. Da konnte ich machen, was ich wollte. Wenn ich Vertrauen spüre, funktioniert das mit mir.

SPORT1: Zwei Mal gab es Unruhe, weil Sie weg wollten. Zuletzt kam ein Treuebekenntnis zum KSC. Was war da los?

Hofmann: Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich gerne die Chance ergreifen möchte, wenn ein Bundesligist anfragt. Und im vergangenen Sommer wollte mich Union Berlin verpflichten und Oliver Kreuzer sagte, dass er mir bei einem Angebot aus der 1. Liga keine Steine in den Weg legen würde. Doch ich durfte dann nicht weg. Das habe ich nicht verstanden. Da gab es wochenlang Theater. Union hatte wohl nicht genug geboten. Das gleiche dann in diesem Sommer als Werder Bremen angefragt hat. Gut, die spielen auch in der 2. Liga. Mein Ziel ist die Bundesliga. Oliver Kreuzer sagte mir dann im Trainingslager, dass er mit keinem Klub mehr sprechen wird. Ich fühle mich beim KSC schon wohl, das sehen ja alle auf dem Platz. Für mich ist das Wechselthema jetzt durch.

SPORT1: Wer müsste kommen, damit Sie doch noch mal an die Tür von Herrn Kreuzer klopfen?

Hofmann: Schalke 04. Oder Ajax Amsterdam.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu Herrn Kreuzer?

Hofmann: Menschlich ist das top. Ich habe kein Problem mit ihm. Das ist sein Job und den macht er gut. Er muss die besten Entscheidungen für den KSC treffen. Und da hat er mich leider nicht gehen lassen. (lacht) Wir scherzen rum und die Gerüchte, wir würden uns nicht verstehen, sind falsch.

SPORT1: Nach dem geplatzten Wechsel zu Union haben Sie vor dem Saisonauftakt gesagt, dass Sie nicht in der Lage sind aufzulaufen. Warum?

Hofmann: Ich war körperlich und psychisch am Boden und stressbedingt eine Woche krank. Das wurde vom Arzt bestätigt. Ich hatte 40 Grad Fieber und fehlte dann auch gegen Bochum. Das ganze Wechsel-Theater war einfach zu viel. Viele dachten ich hätte gestreikt, aber wenn ich das gemacht hätte, wäre ich die ganze Woche nicht zum Training gekommen. Da wurde vieles auch hoch gepusht.

SPORT1: Wenn Sie mit dem KSC aufsteigen, werden Sie verlängern? Sie haben ein Angebot vorliegen.

Hofmann: Das stimmt, aber damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Mal schauen, was noch kommt vom KSC. Eine Vertragsverlängerung ist aktuell kein Thema. Ich will erstmal abwarten, was passiert.

SPORT1: Sollte das Transferfenster mit dem ersten Spieltag geschlossen werden? Dann würde es kein Theater geben.

Hofmann: Ich fände das eine gute Idee. Dann hätten die Vereine und die Manager Ruhe. Und Oliver Kreuzer müsste sich nicht dauernd mit mir rumärgern. (lacht)

SPORT1: Wie realistisch ist das Thema Aufstieg für den KSC?

Hofmann: Vor zwei Jahren standen wir im Tabellenkeller, in der vergangenen Runde wurden wir Sechster und die Ansprüche steigen natürlich. Auch im Umfeld. Aber ein, zwei Überraschungsteams wie Regensburg oder Dresden gibt es wieder. Wir können eine gute Rolle spielen.












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