Schalke-Manager Riether: "Wir trauen uns jetzt eine Serie zu"

Patrick Berger
·Lesedauer: 4 Min.

Die Steine, die den Spielern und Verantwortlichen des FC Schalke 04 nach dem 4:0-Sieg gegen Hoffenheim von den Herzen fielen, waren bis unters Stadiondach zu hören.

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Nach dem erlösenden Erfolg spricht S04-Lizenzspielerchef Sascha Riether (37) bei SPORT1 über die neue Euphorie im Abstiegskampf, die Aura von Trainer-Routinier Christian Gross und die Kapitänsfrage.

SPORT1: Wie groß ist die Erleichterung auf Schalke nach dem 4:0-Sieg gegen Hoffenheim?

Sascha Riether: Die Erleichterung ist sehr groß. Für uns alle war das Jahr ohne Bundesliga-Sieg eine unfassbar schwierige Zeit. Wir mussten die Jungs Woche für Woche neu motivieren. Wir haben sogar versucht, die Jungs vor den Spielen mit Videobotschaften von Ex-Schalkern aufzupushen. Hoffenheim war eine große Erlösung für den ganzen Verein, die Fans, die Mannschaft, die Mitarbeiter. Wir alle haben uns nach diesem Moment gesehnt. Das war der Sieg, den wir gebraucht haben und der hoffentlich den Stein ins Rollen gebracht hat. Dieser Sieg war unfassbar wichtig, um die Köpfe frei zu bekommen – nichtsdestotrotz haben wir noch 19 extrem wichtige Spiele vor uns.

Riether: Wir trauen uns zu, eine Serie zu starten

SPORT1: Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?

Riether: Die Stimmung war nach dem Spiel natürlich gelöst. Allen ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Viele hatten uns ja bereits abgeschrieben.

SPORT1: Was kann der Sieg jetzt auslösen in der Mannschaft? Nehmen Sie die Euphoriewelle bewusst mit oder mahnen Sie?

Riether: Wir wissen, dass es nur ein ganz, ganz kleiner Schritt war. Es geht jetzt darum, auf dem Teppich zu bleiben. Wir können den Erfolg nach einem sieglosen Jahr gut einordnen. Am Sonntag in Frankfurt setzen wir alles daran, um nachzulegen.

SPORT1: Frankfurt, Köln, Bayern, Bremen, Leipzig – das sind die nächsten Gegner. Wie schätzen Sie das Programm ein? (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Riether: Wir müssen schleunigst Siege einfahren – egal wie. Wir trauen uns zu, eine Serie zu starten. Wir sehen aber, dass auch die Konkurrenz nicht schläft. Bielefeld gewinnt beispielsweise gegen Hertha. Wir müssen daher auf uns schauen und vor allem unsere Hausaufgaben machen.

Riether: Fährmann ist ein großer Rückhalt

SPORT1: Gegen Hoffenheim war Ralf Fährmann der Rückhalt. Wie fanden Sie seine Leistung?

Riether: Das war der alte Ralf, mit dem ich noch selbst auf dem Platz gestanden habe. Ein super Spiel von ihm. Er hatte mit mehreren Paraden einen entscheidenden Anteil am Sieg. Ralf hat viel Selbstvertrauen ausgestrahlt und das auf die Mannschaft übertragen. Er ist aktuell ein großer Rückhalt.

SPORT1: Christian Gross hat sich für einen Wechsel im Tor entschieden und setzt seither auf Fährmann. Wie geht Frederik Rönnow damit um?

Riether: Zunächst einmal sind wir froh, dass wir gute Torhüter haben. Vor wenigen Wochen hatten wir die Situation schonmal, nur eben andersrum. Da fiel die Wahl von Manuel Baum auf Frederik. Ralf musste zurückstecken und sich im Training anbieten. Im Fußball kann es aber schnell gehen. Jetzt ist Ralf an der Reihe. Der Trainer hat das so entschieden und wird auch weiterhin auf Ralf setzen. Freddi ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft – das gilt natürlich auch für Michael Langer.

SPORT1: Schalke hatte sieben Torwart-Wechsel in nur sechs Monaten. Wie wichtig ist es, dass jetzt mal Ruhe und Konstanz auf dieser Position einkehrt?

Riether: Das erhoffen wir uns natürlich.

Riether: Kolasinac lebt Schalke

SPORT1: Wie bewerten Sie die Arbeit von Gross bislang?

Riether: Er hat eine wahnsinnige Ausstrahlung. Wenn er in die Kabine kommt, füllt er automatisch den Raum und es herrscht erstmal Ruhe. Seine Art kommt bei den Spielern wahnsinnig gut an - auch, weil er verschiedene Sprachen spricht.

SPORT1: Hat er einen entscheidenden Anteil daran, dass Amine Harit am Wochenende so stark aufspielte?

Riether: Amine ist sicherlich ein Gewinner des Trainer-Wechsels. Christian Gross weiß, wie er ihn anpacken muss. Amine kriegt die volle Unterstützung. Wir hoffen, dass er seine starke Leistung vom Wochenende in den kommenden Spielen bestätigen kann. Er ist ein herausragender Spieler, der den Unterschied machen kann.

SPORT1: Mesut Özil sprach am Samstagabend vom "Kolasinac-Effekt". Wie haben Sie die Rückkehr von Sead Kolasinac erlebt?

Riether: Sead tut uns in allen Bereichen gut. Seo lebt Schalke. Er reißt jeden einzelnen mit seiner unfassbaren Energie mit. Er spricht viel mit den Jungs und fordert von sich und ihnen viel ein. Er ist im Kampf um den Klassenerhalt ein ganz wichtiger Baustein für uns.

Riether: Wir schauen uns weiterhin auf dem Transfermarkt um

SPORT1: Gegen Hoffenheim war – in Abwesenheit von Omar Mascarell – Kapitän. Bleibt er Spielführer? Christian Gross ließ das nach dem Spiel offen.

Riether: Sead hat die Rolle als Kapitän natürlich richtig gut ausgefüllt. Die Entscheidung fällt der Trainer. Übrigens: Seo ist in meinen Augen auch jemand, der ohne Binde am Arm ein Führungsspieler sein kann.

SPORT1: Matthew Hoppe hat aus dem Nichts einen Dreierpack erzielt. Was bedeutet das mit Blick auf die Personalplanung im Winter?

Riether: Matthew hat das super gemacht. Hut ab! Nichtsdestotrotz schauen wir uns weiterhin auf dem Transfermarkt um. Es muss aber auch passen und Sinn ergeben.