Schalker Torwart-Theater: Wagner macht einen Fehler

Tobias Holtkamp
Sport1

Hallo Bundesliga-Freunde, 

ich bin ziemlich verwundert darüber, wie Schalke 04 das Thema Alexander Nübel behandelt - und in die Länge zieht. Der Verein, an vorderster Front Trainer David Wagner, hat in meinen Augen komplett unnötig ein Torwart-Theater eröffnet, das sowohl Schalke, als auch, und das wiegt in dem Fall schwerer, seine beiden jungen Torhüter keinen Millimeter voranbringt. 


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Dadurch, dass Wagner sich nicht klar zu einer Nummer eins bekannte, die nach Einschätzung fast aller direkt oder indirekt Beteiligten hätte Nübel heißen müssen, hat er eben diesen sogar geschwächt.

Wagner hätte Nübel stärken müssen

Das Gegenteil wäre die weitaus bessere Lösung gewesen: Wagner hätte Nübel, auf den seit einigen Wochen mehr hereinprasselt als auf jeden anderen Spieler der Liga, stärken müssen. Vielleicht aus menschlichen, ganz sicher aber aus sportlichen Gründen - denn sowohl Wagner als auch Schalke brauchen in den kommenden Monaten einen selbstsicheren Torhüter, um ihre Ziele zu erreichen. Doch Wagner hat Nübel verunsichert.


Der Fußballprofi Alexander Nübel hat sich zu keinem Zeitpunkt daneben benommen, er hat weder über seinen Arbeitgeber geklagt, noch hat er versucht sich wegzustreiken. Nübel, im Juli vertragslos, hat sich für einen nächsten Karriere-Schritt bei einem größeren Verein entschieden. Ob der Wechsel zum FC Bayern eine kluge Maßnahme ist, darüber darf jeder seine Meinung haben - allein entscheidend ist die von Alexander Nübel. Es ist seine Karriere, sein Plan, den er verfolgt, er muss ihn verantworten.

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Es gibt weitaus Schlimmeres als einen hochdotierten Fünf-Jahres-Vertrag bei einem der absoluten Top-Vereine Europas zu unterschreiben. Nübel wäre nicht mit 23 Jahren Kapitän des FC Schalke, wenn er nicht maximal von sich überzeugt wäre. Er ist zu 100 Prozent sicher, in absehbarer Zeit Stammtorwart des FC Bayern zu sein.

Entzug der Kapitänsbinde wie Schuljungen-Aktion

Dass Wagner ihm die Kapitänsbinde nahm, erinnerte selbst Verantwortliche auf Schalke mehr an die Handlung eines beleidigten Schuljungen.


Plötzlich sprießen die Spekulationen: War Nübel gar nicht der ideale Spielführer, sondern die Binde nur ein Köder, ihn vom Bleiben zu überzeugen? Es wäre relativ ärmlich. Oder beugte sich Wagner mit der Entscheidung den enttäuschten und wütenden Fans? Auch das wäre mindestens ungeschickt.

Laut Wagner war es "das Beste für die Mannschaft, wenn er das Amt abgibt, da es immer wieder zu Unruhen führen würde". Mag glaubhaft formuliert sein - doch die Unruhe haben Wagner und Schalke jetzt. Zwei Torhüter wissen nicht, woran sie sind. Markus Schubert, der eigentliche Ersatzmann, wirkt verunsichert, macht Fehler. Und Nübel, die unangefochtene Nummer eins der Hinrunde, ist geschwächt, zudem zur öffentlichen Beanstandung freigegeben.

Die bessere Entscheidung auf Schalke wäre gewesen, das Nübel-Fass gar nicht zu öffnen. Sondern direkt klare Kante zu zeigen. Warum soll Nübel plötzlich ein schwächerer Torwart sein? Natürlich bleibt er der Mann, auf den Schalke setzt. Und ab Sommer beginnt eine neue Zeitrechnung - mit allen Chancen für Markus Schubert. Den Mann der Zukunft.

Wagner hat anders entschieden. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Torwart-Theater auf Schalke die gesamte Rückrunde geöffnet bleibt.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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