Schalkes Dilemma nach der Rangnick-Absage

Johannes Fischer
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Schalkes Dilemma nach der Rangnick-Absage. (Bild: Friedemann Vogel - Pool/Getty Images)
Schalkes Dilemma nach der Rangnick-Absage. (Bild: Friedemann Vogel - Pool/Getty Images)

Die Hoffnung auf Schalke währte ziemlich genau eine Woche.

Eine Hoffnung in trüben Tagen, die den Namen Ralf Rangnick trug - und die Fangemeinde der Königsblauen nach langer Zeit mal wieder in Aufbruchstimmung versetzte.

Die Rückkehr Rangnicks, der in seinen beiden Trainerstation auf Schalke mächtig Eindruck hinterlassen hatte, ließ die Anhänger von besseren Zeiten träumen. Rangnick als Nachfolger von Jochen Schneider auf dem derzeit vakanten Posten des Sportvorstandes: Für einen Großteil der Anhänger hätte dieser Schachzug den nötigen Optimismus im Umfeld erzeugt.

Schalke wäre aber nicht Schalke, hätte die Rückkehr des auserkorenen Heilsbringers reibungslos geklappt - beziehungsweise hätte sie überhaupt geklappt. Rangnick, der sich vor allem durch die Online-Petition der Schalke-Fans geschmeichelt fühlte, sagte am Samstag über seinen Berater Marc Kosicke ab.

"Dass Schalke für Ralf Rangnick eine Herzensangelegenheit ist, ist klar", erklärte RB-Leipzig-Chef Oliver Mintzlaff im CHECK24 Doppelpass. "Er hat seinen Berater Marc Kosicke vorgeschickt, um die Situation zu sondieren. Ich finde völlig richtig, dass er sich da nicht selber mit an den Tisch gesetzt hat und dann feststellt, dass sich Dinge von Leuten, die ihm das offeriert, aber dafür kein Mandat haben, in Luft auflösen."

Auch Krösche sagte Schalke ab

Damit zerschlug der 62-Jährige nicht nur die Hoffnungen der "Pro-Rangnick-Gruppe" und zahlreicher Fans, sondern erschwerte auch die weitere Suche nach einem passenden Sportvorstand.

Denn nach dem vehementen Werben um den Wunschkandidaten ist klar: Jeder Kandidat nach dem geplatzten Rangnick-Deal hat jetzt schon den Makel, nicht die A-Lösung zu sein.

Noch schlimmer: Weil sich die Verantwortlichen nach SPORT1-Informationen auch von Markus Krösche, dem Favoriten von Aufsichtsrats-Chef Jens Buchta, eine Absage abholten, wird dem kommenden Schalke-Chef sogar der Stempel der C-Lösung anhaften.

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Wer also tut sich den Job des Schalker Sportvorstandes überhaupt an, zumal die Strukturen derzeit noch völlig ungeklärt sind?

Nach SPORT1-Informationen beschäftigen sich einige Aufsichtsräte mit Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert - allerdings verlängerte der frühere Leiter der Nachwuchsabteilung erst kürzlich seinen Vertrag bei den Eisernen. Schwer vorstellbar, dass Ruhnert den Weg zurück nach Gelsenkirchen findet.

Steigt Knäbel zum Sportvorstand auf?

Doppelpass-Experte Alfred Draxler brachte mit Peter Knäbel einen Kandidaten ins Spiel, der bereits jetzt in der Verantwortung steht.

"Die Schalker müssen sich jetzt erstmal darauf besinnen, dass sie in Zukunft in der zweiten Liga spielen", sagt Draxler. Weil Namen wie Rangnick oder Krösche aktuell nicht möglich seien, "könnte ich mir vorstellen, dass es Peter Knäbel [...] über die Sommerpause hinweg auch im nächsten Jahr macht."

Mit Kölns Geschäftsführer Horst Heldt, dem früheren Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder und Erik Stoffelshaus, zuletzt als Sportdirektor von Lokomotive Moskau tätig, stehen weitere Kandidaten auf der Liste der Knappen.

Wer es auch wird: Spätestens seit dem 0:3 gegen Gladbach am Samstagabend steht so gut wie fest, dass der neue Sportvorstand den Neuanfang in der zweiten Liga planen muss.

Ganz hoffnungslos für eine schnelle Rückkehr ins Oberhaus erscheint die Lage allerdings nicht - trotz aller widrigen Bedingungen. Mit einem Zweitliga-Etat von 20 Millionen Euro, die Schalkes Finanzchefin Christina Rühl-Hamers kürzlich nannte, wären die Knappen in der aktuellen Saison nur hinter dem Hamburger SV angesiedelt.

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