Scharfe Kritik von Subotic: Bundesliga-Start "zu früh"

Philipp Heinemann
Sport1

Neven Subotic kritisiert den Zeitpunkt für den Neustart der Bundesliga und das Vorgehen der Vereine. Der Union-Verteidiger macht sich große Sorgen.

Scharfe Kritik von Subotic: Bundesliga-Start "zu früh"
Scharfe Kritik von Subotic: Bundesliga-Start "zu früh"

Für viele Menschen ist der Neustart der Bundesliga ein positives Zeichen in schweren Zeiten - doch es gibt auch große Zweifel. 

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Denn das Coronavirus ist noch lange nicht besiegt und auch das viel gelobte Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball-Liga kann das Ansteckungsrisiko nicht restlos aus der Welt schaffen. 

Neven Subotic hat sich daher als klarer Gegner des Re-Starts im Profi-Fußball positioniert.

"Ganz egal, wann wir starten, es wird zu früh sein. Wenn wir in ein paar Wochen starten, wird es zu früh sein", sagte der Verteidiger von Union Berlin im Interview mit BBC World Service - und ergänzte: "Selbst wenn wir in einigen Monaten starten, könnte es zu früh sein." 

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Subotic kritisiert Bundesliga-Fokus auf Finanzen

Der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund äußerte unmissverständliche Kritik am Vorgehen der Liga und ihrer Klubs: "Die finanziellen Aspekte wurden immer wieder hervorgehoben."

Einige Eigentümer und Manager verstünden ihre Klubs mehr als ein Unternehmen, denn als eine "soziale und kulturelle Einrichtung. Doch das sollten sie auch sein, und das wurde übersehen."

Nicht zuletzt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hatte immer wieder betont, dass das Fortbestehen der Bundesliga in ihrer aktuellen Form nur dann realistisch sei, wenn der Spielbetrieb möglichst bald wieder aufgenommen werde. 

Vereine wie der FC Schalke gestanden öffentlich ein, dass sie durch die Zwangspause vor massive finanzielle Probleme gestellt wurden.

Subotic: Spieler machen sich Sorgen

Subotic stellte derweil klar, dass die Spieler die Sorge vor einer Ansteckung ständig im Hinterkopf hätten.

"Ich bin mir sicher, dass es das große Thema ist, dass alle mit sich herumtragen", erklärte der 31-Jährige: "Ich glaube, viele versuchen es zu verdrängen, um ihren Job erledigen zu können."

Das Infektionsrisiko spiele in seinen Gedanken "auf jeden Fall" eine Rolle. Dabei gehe es ihm nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um die seiner Mit- und Gegenspieler - die er ebenfalls als Kollegen betrachte.

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"Mit möglichst wenig Verlusten"

Bei der ersten Trainingseinheit mit der gesamten Mannschaft seien seine Mitspieler entsprechend "schüchtern" miteinander umgegangen.

"Es ist eine heikle Situation für uns alle. Es wird unmöglich sein, mit positiven Anmerkungen aus der Liga heraus zu kommen." 

Zwar sei ihm bewusst, wie schwierig es sei, in dieser Situation Entscheidungen zu treffen, ein drastisches Fazit zog er dennoch: "Es wird um viel Risiko-Management gehen und darum, die Saison mit möglichst wenigen Verlusten zu Ende zu bringen."

Subotic: Auch Verletzungs-Risiko ist ein Problem

Nicht nur das Virus stelle eine große Gefahr dar. Auch der zusammengestauchte Spielplan bringe Probleme mit sich: "Wir sind alle bereit, aber wir müssen in Betracht ziehen, dass wir als Spieler jetzt eine großes Risiko aufgebürdet bekommen haben - mit Blick auf die Belastung."

Viele Teams seien nicht mit einem Kader ausgestattet, der die "englischen Wochen" bewältigen könne: "Aber das steht uns jetzt allen bevor."

Bisher hat die DFL für den Saisonendspurt zwei englische Wochen mit Spielen an den Werktagen zwischen den Wochenenden eingeplant. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt müssen durch ihr Nachholspiel sogar dreimal unter der Woche antreten.


Sorge um jüngere Spieler

Subotic warnte: "Ich mache mir Sorgen, dass sich jüngere Spieler, die ihren Körper noch nicht so gut kennen, verletzen. Wenn sie immer 100 Prozent geben wollen, obwohl sie eigentlich einen Tag Pause brauchen."

Auf die Geisterspiele freut sich der 31-Jährige nicht wirklich. Die Fans machen es "besonders", erklärte Subotic. Das Gemeinschaftsgefühl, bei Sieg oder Niederlage, werde fehlen. Als Spieler werde er nicht viel Genugtuung aus diesen Partien ziehen. 

Sein großes Ziel in diesen schweren Zeiten? Das erste Spiel in einem vollen Stadion: "Das ist meine Hoffnung und ich weiß nicht, wann es passiert - aber das ist die Motivation, die ich habe."

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