Schattenmann im Fokus: Dortmunds heimlicher Held

Vincent Wuttke
·Lesedauer: 3 Min.
Schattenmann im Fokus: Dortmunds heimlicher Held
Schattenmann im Fokus: Dortmunds heimlicher Held

Als der Dortmunder Jubel am Dienstagabend losbrach, stand der heimliche Held in Höhe der Mittellinie.

Während Torschütze Jadon Sancho und Vorlagengeber Marco Reus nach dem Treffer zum 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach an der Eckfahne jubelten und von sämtlichen Kameras eingefangen wurden, blieb Nico Schulz weitgehend unbeachtet.

Dabei hatte der Linksverteidiger einen großen Anteil an dem Tor. Erst eroberte er den Ball am eigenen Strafraum von Florian Neuhaus und leitete dann den perfekt gespielten Konter mustergültig mit einem Pass auf Erling Haaland ein.

Für so wichtige Aktionen auf dem Rasen war Schulz eigentlich gar nicht vorgesehen und nahm beim Anpfiff auf der Bank Platz - mal wieder. Doch nach der frühen Wadenverletzung von Raphael Guerreiro kam der Abwehrmann in der vierten Minute ins Spiel.

Schulz überzeugt gegen Gladbach

Ähnlich heimlich wie beim Jubel über das 1:0 gegen Gladbach könnte Schulz nun die große Chance zum Durchstarten nutzen. Immerhin wusste er durchaus zu überzeugen und wird den angeschlagenen Guerreiro wohl auch im Topspiel gegen den FC Bayern vertreten. (Bundesliga: FC Bayern - Borussia Dortmund am Sa., ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

"Es war nicht leicht für ihn, als er so ins kalte Wasser geworfen wurde. Je länger das Spiel dauerte, desto sicherer ist er geworden", lobte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei den Ruhr Nachrichten.

"Er hat sich reingebissen, wichtige Zweikämpfe gewonnen und seinen Beitrag geleistet, dass wir in die nächste Runde einziehen konnten", sagte Trainer Edin Terzic.

54 Ballkontakte und 90 Prozent Passquote standen am Ende zu Buche. Auffällig vor allem: Schulz agierte mutig und setzte - wie in der Entstehung zum 1:0 - seine Schnelligkeit ein. (Einzelkritik des BVB in Gladbach)

Das Vertrauen hat sich der Star damit gesichert. "Nico hat zuletzt wenig gespielt, aber ist nicht der jüngste Spieler. Er hat diese Spiele schon häufiger gespielt und wir sind optimistisch, dass er die Rolle gut ausfüllt", verriet Terzic auf der Pressekonferenz vor dem Bayern-Kracher.

BVB zahlte 25,5 Millionen Euro für Schulz

Immer wieder blitze auf, was Schulz einst zum Nationalspieler machte.

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Der Mut aus dem Gladbach-Spiel fehlte dem Linksverteidiger bisher meistens. Das beste Beispiel: Der Auftritt beim 3:2-Zittersieg gegen Paderborn im Pokal-Achtelfinale, als der gebürtige Berliner verunsichert und ängstlich agierte.

Die großen Erwartungen hat Schulz bisher nie erfüllt. Dabei kam er im Sommer 2019 mit Vorschusslorbeeren zum BVB. Satte 25,5 Millionen Euro Ablöse für Hoffenheim legte Dortmund für den zwölffachen Nationalspieler auf den Tisch. Diese Ablöse rechtfertigte er aber bisher nur selten.

Teilweise wirkte der 27-Jährige sogar wie ein Fremdkörper im Team. Die technischen Schwächen überwogen die starke Dynamik.

Guerreiro als Linksverteidiger die erste Wahl

Die Folge: Insgesamt absolvierte Schulz für die Schwarz-Gelben erst 30 Pflichtspiele in allen Wettbewerben. In dieser Bundesliga-Spielzeit kommt der Defensivmann sogar nur auf 157 Spielminuten. Nur in einer Partie erlebte Schulz den An- und Abpfiff auf dem Platz: Am zehnten Spieltag gegen Frankfurt. Seinen Stammplatz fand der Linksfuß stattdessen auf der Bank.

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Während Guerreiro als Linksverteidiger glänzte und als "Spielmacher auf dem linken Flügel" (Terzic) unverzichtbar wurde, geriet Schulz als dessen Schattenmann immer mehr in Vergessenheit.

Schulz nun gegen Bayern-Granaten gefordert

Zuletzt war er bereits ein Verkaufskandidat. Nach dem Gladbach-Spiel ist aber klar: Schulz kämpft um seine Chance beim BVB.

Gegen den FC Bayern könnte er sich weiter in den Fokus spielen. Immerhin warten mit Serge Gnabry, Kingsley Coman oder Leroy Sané Flügel-Granaten als Gegenspieler.

"Dass der Werkzeugkasten der Offensive sehr groß ist, ist klar. Wir werden versuchen, uns zu unterstützen und die Flanken zu blocken und die zweiten Pfosten zu decken. Am besten wäre es, wenn wir sie nicht in das letzte Drittel kommen lassen", meinte Terzic.

Schaltet Schulz diese Konkurrenten aus, dürfte er auch wieder mehr in den Fokus der Kameras rücken - wie Sancho und Reus.