Warum der Schein bei Barca trügen könnte

Moritz Löhn
·Lesedauer: 3 Min.

August 2020 - der FC Barcelona hat gerade in einem denkwürdigen Spiel mit 2:8 gegen den FC Bayern verloren. Der Champions-League-Sieger von 2015 ist komplett auseinandergefallen und das nicht nur in dieser Partie.

Kurze Zeit später wird bekannt, dass Lionel Messi den Klub verlassen möchte. Ein Szenario, das ein Jahr zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Die Pandemie schien zwar vorerst überstanden, aber beim FC Barcelona herrschte im August trotzdem das totale Chaos.

Jetzt, zwei Monate später liegt das alles in weiter Ferne. Barca ist einigermaßen gut in die Saison gestartet und hat zum Auftakt der Champions League Ferencváros Budapest mit 5:1 aus dem Stadion gefegt. Wie haben die Katalanen so schnell zurück in ruhiges Fahrwasser gefunden?

Barca-Trainer Koeman: Hart, aber fair zurück zum Erfolg

Der neue Coach Ronald Koeman trug dazu einen entscheidenden Teil bei. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und macht bei seinem Umbruch auch vor Kritik an Barcas Superstars nicht halt.

"Es kann sein, dass seine Leistungen aktuell besser sein könnten", sagte der Niederländer auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Auftakt bezogen auf Lionel Messi. "Aber wenn ich den Spieler jeden Tag sehe, ist er glücklich, trainiert gut, konzentriert, will spielen, der Kapitän sein. In diesem Sinne habe ich keine Beschwerden."

Auch gegenüber Weltmeister Antoine Griezmann wurde Koeman zuletzt deutlich und kritisierte dessen Chancenverwertung nach dem Spiel gegen Sevilla.

Anscheinend kam die klare Botschaft zumindest bei Messi an. Der sechsmalige Weltfußballer wirkte gegen Budapest wesentlich frischer und motivierter als in der Vergangenheit. Er erzielte ein Tor und bereitete ein weiteres vor.

Neben dem Argentinier überzeugte einmal mehr Wunderkind Ansu Fati. Der 17-Jährige ist unter Koeman absolut gesetzt und zahlt dieses Vertrauen bisher mit herausragenden Leistungen zurück.

Vertragsverlängerung von ter Stegen birgt Konfliktpotenzial

Doch nach dem überzeugenden Sieg in der Königsklasse verbreitete der Verein eine frohe Botschaft, die bei genauerem Hinsehen Risse im Mannschaftsgefüge hinterlassen könnte. Die vier wichtigen Stammspieler Marc-André ter Stegen, Clément Lenglet, Gerard Piqué und Frenkie de Jong verlängerten ihre Verträge langfristig.

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Konfliktpotenzial bieten diese Verlängerungen, weil sie mit einem teilweisen Gehaltsverzicht einhergehen. Die vier Spieler verdienen jetzt in der finanziellen Notlage des Vereins weniger. Dafür wird ihr Gehalt in den späteren Vertragsjahren aufgestockt.

Das könnte zu Unstimmigkeiten in der Kabine führen, da die Spieler des FC Barcelona ihrem Vorstand erst kürzlich einen Brief geschrieben haben sollen, in dem sie den geplanten Gehaltsverzicht und dessen Durchsetzung kritisierten. Nicht unterzeichnet wurde dieser Brief von ter Stegen, Lenglet und De Jong. Piqué hingegen setzte seine Unterschrift darunter.

Das eigenwillige Handeln der vier Spieler wird also vermutlich nicht allen in der Kabine gefallen. Ob daraus aber tatsächlich ein Streit werden sollte, ist fraglich. Dass die Spieler die im Brief gestellten Forderungen nicht unterstützen, machten sie ja schon durch ihre fehlenden Unterschriften deutlich.

Licht und Schatten in Barcelona

Trotzdem kann von Ruhe in Katalonien keine Rede sein. Präsident Josep Maria Bartomeu sieht sich noch immer schärferer Kritik gegenüber und muss sich einem durch die Fans erwirkten Misstrauensvotum stellen.

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Auf dem Platz sieht es deutlich besser aus. Die Schmach gegen den FC Bayern wirkt weit entfernt. Ronald Koeman hat die sportliche Talfahrt gestoppt und auch Messi fügt sich seinem Schicksal.

Bleibt abzuwarten, ob die Krise tatsächlich überwunden ist oder das Chaos nur eine Pause einlegt. Erste Indizien wird der Clásico gegen Real Madrid am Samstag (La Liga: FC Barcelona - Real Madrid, Samstag ab 16 Uhr im LIVETICKER) liefern.