"Schildbürger" gegen Wutbürger: Anti-AfD-Pappschild wird zum Symbolbild der Wahl

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Das Protestschild kam auch beim Auftritt von Andreas Kalbitz zum Einsatz (Bild: Kay Nietfeld/dpa)
Das Protestschild kam auch beim Auftritt von Andreas Kalbitz zum Einsatz (Bild: Kay Nietfeld/dpa)

AfD-Chef Alexander Gauland bemühte sich, nach den guten Wahlergebnissen seine Partei möglichst bürgerlich aussehen zu lassen. Doch ein einfaches Pappschild, das immer wieder hinter ihm auftauchte, macht ihm das denkbar schwer.

Ob in den Interviews direkt nach den ersten Prognosen oder später bei der Talkshow von Anne Will: Überall gab sich der ehemalige CDU-Politiker und jetzige AfD-Vorsitzende Gauland Mühe, seiner Partei nach den erfolgreichen Wahlergebnissen in Brandenburg und Sachsen ein bürgerliches Image zu geben. Das machte ihm aber zunächst die ZDF-Moderatorin Bettina Schausten in der Live-Schalte schwer, die Gauland immer wieder mit Fragen zu den Kontakten der AfD ins rechtsextreme Milieu in Bedrängnis brachte. Später gab ihm dann der Grünen-Politiker Robert Habeck, der bei Anne Will neben Gauland saß stetiges Kontra. Und dann war da vor allem dieses einfache Protestschild aus Pappe!

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Während sich Gauland bemühte, die rechtsradikale Vergangenheit des AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz klein zu reden, sah er nicht, was sich im “Gläsernen Studio” des ZDF hinter ihm abspielte. Während Gauland also bestritt, dass Kalbitz rechtsradikale Verbindungen habe und den Artikel des “Spiegels”, der über dessenTeilnahme an einem Neo-Nazi Aufmarsch 2007 in Athen berichtet hatte, als “bloße Behauptungen” deklarierte, war hinter dem AfD-Chef die ganze Zeit ein Protestschild zu sehen, auf dem groß und deutlich zu lesen war: “Rassisten sind keine Alternative”. Das Pappschild, von zwei jungen Leuten gehalten, blieb eine gute Minute lang während des Gesprächs zu sehen, auch dann noch, als Gauland die Verbindungen von der aus der Partei ausgeschlossenen AfD-Landtagsabgeordneten Doris von Sayn-Wittgenstein ins rechte Milieu bestritt. Gauland selbst war 2018 durch seine Bemerkung in einer Rede vor dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation in die Schlagzeilen geraten, in der er das Dritte Reich als „Vogelschiss“ der Geschichte bezeichnete.

Dank vom Ministerpräsidenten

Das Schild hatte noch einen zweiten Auftritt vor dem eigens in Potsdam eingerichteten gläsernen Studio vor dem Brandenburger Landtag, als die Spitzenkandidaten zur Gesprächsrunde geladen waren. Diesmal ohne Gauland, dafür mit Andreas Kalbitz. Auch SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke saß in der Runde und dem Wahlsieger entging die Schild-Aktion nicht.

Dietmar Woidke bedankt sich bei den Schildträgern (Bild: Kay Nietfeld/dpa)
Dietmar Woidke bedankt sich bei den Schildträgern (Bild: Kay Nietfeld/dpa)

Wie ein Fotograf der dpa berichtete, traf Woidke nach der Sendung vor dem Studio auf die beiden “Schild-Bürgerinnen” und bedankte sich bei ihnen für den sichtbaren Protest. Nicht nur Ministerpräsident Woidke fand die Aktion gelungen. Auch in den Sozialen Medien kam die Form des politischen Kommentars ziemlich gut an.

Andere verliebten sich spontan aus politischer Übereinstimmung.

Eine Userin dichtete um: “Plakat im Hintergrund tut Wahrheit kund.” Es gab natürlich auch diejenigen Kommentatoren, die eine Verschwörung gegen die AfD vermuteten und die “Lumpenpresse” und die “Staatsfunk” in der Verantwortung für das Schild sahen. Die Aktion und die darauffolgenden Reaktionen zeigen aber, auch wenn die AfD spätestens nach diesen Wahlen nach Zahlen in der Reichweite der bürgerlichen Parteien angekommen ist, Gauland und seine Partei kommen nicht drum herum, sich weiterhin mit den Vorwürfen rechtsradikaler Verbindungen ihrer Mitglieder auseinanderzusetzen.

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