Schiri-Boss beklagt "Wildwestatmosphäre"

Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich sieht angesichts der Gewalt gegen Unparteiische im Amateurfußball auch das Verhalten der Profis kritisch.

Diese seien "nun mal ein Vorbild für die Basis", sagte der 62-Jährige im Interview mit der Tageszeitung Die Welt: "Und wenn bei den Profis Wildwestatmosphäre herrscht, dann herrscht die oftmals auch an der Basis."

Daher seien die Klubs und die Spieler in den obersten Ligen gefordert, an der Lösung des Problems mitzuarbeiten. "Es ist leicht, über Respekt und Fairness zu reden, aber wir sollten das dann auch alle leben und den Fair-Play-Gedanken nicht mit Füßen treten lassen", sagte Fröhlich: "Wir würden uns wünschen, dass die Klubs oder Vereine ihre Spieler noch mehr in die Pflicht nehmen."

Schiedsrichter im Streik

Im Amateurbereich bestreikten die Schiedsrichter zuletzt ganze Spieltage, um auf die steigende Gewaltbereitschaft auf deutschen Fußballplätzen hinzuweisen. Die Profis, so Fröhlich, vermittelten zumindest, dass eine aggressive Grundeinstellung gegenüber den Referees in Ordnung sei: "Schauen wir doch nur mal, wie Spieler bei Entscheidungen im Spiel oft reagieren. (...) Das hat zwar nichts mit körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter zu tun, aber es ist aggressives Gebärden mit verbaler Gewalt."

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Fröhlich, Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission Elite beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), sieht allerdings Bewegung in der Angelegenheit, da mittlerweile öffentlich über das Problem diskutiert werde. "Wir versuchen zu diesem Thema schon seit Jahren zu sensibilisieren", sagte er: "Jetzt sind wir einen Schritt weiter. Denn das Thema ist in der Gesellschaft angekommen."

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