"Schizophrene Position": SPD-Politiker schießt gegen DFL

Sportinformationsdienst
Sport1

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat scharfe Kritik am Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) geübt.

"Spieler werden doch nicht begreifen, dass sie auf dem Platz alles dürfen, derweil sie in der Kabine nichts dürfen", sagte Lauterbach dem SID am Mittwoch: "Zu Hause müssen sie die Wäsche selbst waschen, auf dem Platz können sie dann in den Vollkontakt gehen und möglicherweise sich oder andere infizieren. Das kriegt keiner getrennt, das ist eine schizophrene Position."


Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Das von der DFL erarbeitete Konzept bezeichnete Lauterbach als "löchrig" und "nicht wasserdicht". Wenn es Zwischenfälle gebe, "wird die Bundesliga blamiert sein", sagte Lauterbach. Schon jetzt sei der Schaden erheblich, weil der Eindruck entstehen konnte, dass es in der Bundesliga nur noch ums Geld und weniger um den Sport gehe.

Jetzt aktuelle Fanartikel der Bundesliga bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE 

Die Spieler sieht der 57-Jährige einem unnötigen Risiko ausgesetzt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Profis mit Viruslast spielten oder trainierten. Die Folge könnten bleibende Schäden am Herzen oder den Nieren sein. "Die Gesundheit der Spieler hat so gut wie keine Rolle gespielt, sie ist nur ein Nebenaspekt", sagte Lauterbach.


Lauterbach: "Lehmann hat Unrecht"

Die jüngsten Aussagen des früheren Nationaltorhüters Jens Lehmann zum Coronavirus wies Lauterbach zurück. "Jens Lehmann hat Unrecht. Wir kennen Sportler, die durch diese Erkrankung bleibende Lungenschäden behalten haben", sagte er. 

Lehmann, neuerdings Aufsichtsratsmitglied bei Bundesligist Hertha BSC, hatte am Dienstag beim TV-Sender beINSports erklärt: "Solange die Symptome nicht so schlimm sind, denke ich, müssen die Spieler damit zurechtkommen. (...) Ich denke also, für junge, gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem ist das keine so große Sorge."

Auch Freitag kritisiert DFL-Konzept

Kritik am Konzept der DFL übte auch die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag. Sie bemängelt vor allem das Fehlen externer Kontrollen.

"Die Vereine müssen einen Hygiene-Beauftragten aus dem medizinischen Bereich benennen, der für die Kontrollen zuständig ist. Im Prinzip bleibt die Kontrollinstanz systemimmanent", sagte Freitag im WDR-Podcast "Einfach Fußball": "Das heißt nur von innen überwacht jemand, ob es tatsächlich richtig ausgeführt ist."


Für das DFL-Konzept hatte es zuletzt aber auch Lob gegeben, unter anderem aus der Sportwelt. Handball-Boss Frank Bohmann bezeichnete es im SID-Gespräch etwa als "das derzeit maximal Machbare" für den Sport, es sei vorbildlich für den europäischen Markt und selbst für US-amerikanische Profiligen.

Lesen Sie auch