Wer schließt das Loch in Bayerns Herz?

Robin Wigger
·Lesedauer: 4 Min.

Das defensive Mittelfeld gilt gemeinhin als Herzstück einer Mannschaft.

Auch beim FC Bayern hängt vom Zentrum viel davon ab, wie das Spiel funktioniert.

Dementsprechend herzzerreißend ist die aktuelle Situation vor der geplanten Wiedergutmachung gegen die TSG Hoffenheim (Bundesliga Liveticker: FC Bayern - TSG 1899 Hoffenheim um 15.30 Uhr), die das Hinspiel mit 4:1 gewonnen hatte. Denn in Münchens Schaltzentrale klafft wegen mehrerer Ausfälle ein Loch.

Goretzka und Martínez positiv auf Corona getestet

Corentin Tolisso fehlt nach muskulären Problemen weiterhin, auch wenn es beim Franzosen bergauf geht. "Mit Coco Tolisso läuft es gut. Wir planen, dass er am Sonntag einsteigt", sagte Trainer Hansi Flick am Freitag.

Sommer-Neuzugang Tanguy Nianzou, auf den die Bayern große Stücke halten, ist noch eine Weile von einer Rückkehr entfernt (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga).

Und nun hat sich zu allem Überfluss nicht nur Leon Goretzka, normalerweise im Zentrum gesetzt, mit dem Corona-Virus infiziert, sondern mit Javi Martínez eine weitere Alternative.

"Javi und Leon sind beide positiv getestet und sind jetzt in Quarantäne", erklärte Flick auf der Pressekonferenz: "Es ist schade, dass es die beiden getroffen hat und sie werden jetzt ausfallen." Immerhin: Goretzka betonte, es gehe ihm "bisher gut".

Flick schwärmt von Kimmich

Flick muss improvisieren - und Joshua Kimmich noch mehr Verantwortung übernehmen.

"Er ist gestärkt aus seiner Verletzung rausgekommen, hat noch mehr Muskelmasse in den Beinen. Er kann alle Pässe spielen, die bei einem Sechser ins Repertoire gehört", schwärmte Flick.

Kimmich muss nicht nur sportlich vorangehen. "Er pusht die Mannschaft, das gefällt mir immer sehr gut. Er ist sehr engagiert und ehrgeizig, nimmt die Kollegen mit", sagte der Trainer.

Alaba auf die Sechs? Flick hat andere Pläne

Nur: Wer spielt an Kimmichs Seite? "Es gibt mehrere Optionen, wir wollen es aber unserem Trainerkollegen nicht zu leicht machen", sagte Flick.

Einer Option erteilte der frühere Hoffenheim-Coach indirekt eine Absage. "Wir haben die vergangenen beiden Spiele mit Boateng und Alaba zu null gespielt, sie sind gesetzt", erklärte er.

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Schlussfolgerung: Der Weltmeister von 2014 und der Österreicher werden erneut im Abwehrzentrum spielen – und Alaba damit nicht auf die Sechs vorrücken.

In diesem Fall hätte Lucas Hernández im Abwehrzentrum erneut eine Chance bekommen können, doch der Franzose muss sich weiter auf der linken Seite mit Alphonso Davies duellieren.

Roca spielt selten eine Rolle

Den freien Platz im Zentrum könnte nun Marc Roca übernehmen. Der Spanier, im Sommer von Espanyol Barcelona gekommen, absolvierte bislang aber erst acht Einsätze im Bayern-Trikot.

Zuletzt stand Roca bei der Pokal-Pleite gegen Holstein Kiel am 13. Januar auf dem Feld. In seinen 30 Minuten in der Verlängerung machte der 24-Jährige einen ordentlichen Eindruck, ehe er den entscheidenden Elfmeter verschoss.

Wenige Tage vor dem Aus hatte Flick die Tatsache, dass sich die Neuzugänge um Roca schwer tun, auch damit erklärt, dass diese Spieler in eine Mannschaft kommen, "die rein von der Philosophie sehr mutig agiert".

Zudem würden Spielern wie Roca und Bouna Sarr "Trainingseinheiten fehlen", da sie "relativ spät gekommen" sind.

Inzwischen hat Roca aufgeholt, laut Bild testete ihn Flick im Abschlusstraining neben Kimmich. Wahrscheinlicher ist wohl dennoch, dass Flick einen nominell offensiveren Mann auf die Position neben Kimmich zieht, der trotz seines Alters weiter ist als Roca: Jamal Musiala.

Flick setzt auf Musiala

Der 17-Jährige, den Joachim Löw für die deutsche Nationalmannschaft gewinnen will, wurde laut transfermarkt.de in der Bundesliga bereits drei Mal im zentralen Mittelfeld eingesetzt, zudem zwei Mal in dieser Rolle der Champions League. Insgesamt stand er 2020/21 bereits 20 Mal für die Profis auf dem Feld. Rocas 20 Bundesliga-Minuten stehen Musialas 379 gegenüber.

Flick wechselt Musiala inzwischen als einen der ersten Spieler ein, wenn es darum geht, nochmal Impulse zu setzen oder das Spiel zu kontrollieren.

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"Er ist trotz seiner wenigen Körperlichkeit unheimlich schnell und beweglich. Er hat zudem ein außergewöhnliches Verständnis für Dribblings", sagte Ex-Nationalspieler Michael Ballack zuletzt.

Musialas "Ballführung in der Offensive und seine Übersicht sind absolut herausragend". Gegen Hoffenheim allerdings wäre Musiala defensiv gefragt - hier sind seine Qualitäten noch nicht auf dem offensiven Niveau.

Kimmich schwärmt von Musiala

Kimmich weiß, was er an seinem wahrscheinlichen Mittelfeld-Partner hat.

"Jamal ist überragend für sein Alter. Er hat einen klaren Kopf und versucht von uns zu lernen, wenn er auf dem Platz steht", lobte der deutsche Nationalspieler.

Kimmich ist überzeugt, dass Musiala von Einsatz zu Einsatz besser wird: "Ich hoffe, dass wir und vor allem ich ihm helfen können, ein großer Spieler für den FC Bayern zu werden."

Ein Einsatz gegen Hoffenheim wäre der nächste Schritt - schließt Musiala das Loch in Bayerns Herz?