Schloss Nymphenburg in München: Forscher entdecken Käfer, der als ausgestorben galt

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
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Forscher haben in drei bayerischen Schlössern zahlreiche bedrohte Insekten und Pflanzen entdeckt. Im Schlosspark Nymphenburg in München stießen sie auf einen Käfer, der als längst ausgestorben galt.

Fundort seltener Insekten: der Park des Nymphenburger Schlosses in München. (Bild: Getty Images)
Fundort seltener Insekten: der Park des Nymphenburger Schlosses in München. (Bild: Getty Images)

Eigentlich waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass der Pilzkäfer in Deutschland seit fast 200 Jahren ausgestorben ist. Ein spektakulärer Fund im Park des Nymphenburger Schlosses in München straft jedoch alle Theorien lügen. Der Triplax lacordairei, so der lateinische Name des Käfers, lebt und ihm geht es in den alten Bäumen des Schlossparks gut.

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Entdeckt wurden der Pilzkäfer und so manch andere seltene und bedrohte Insektenart im Rahmen eines Projekts, das die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen vor drei Jahren mit dem Umwelt- und dem Finanzministerium des Bundeslandes ins Leben rief. Ziel war es, in drei Schlossparks nach besonderen Insekten und Pflanzen zu suchen. Untersucht wurden dafür neben dem Nymphenburger auch der Park des Schlosses Rosenau bei Coburg und die Eremitage Bayreuth.

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Gesucht und gefunden

"Wir wollten herausfinden was bei uns alles so lebt", sagt Peter Boye vom bayerischen Umweltministerium in einem Interview mit der Abendzeitung München. Dass ihnen der längst als ausgestorben geltende Pilzkäfer ins Netz ging, war für alle Beteiligten eine große Überraschung. Denn: "Der Käfer braucht zum Leben sehr alte Bäume", so Boye. "In den meisten Wäldern gibt es die nicht mehr, weil sie dort ja schon viel früher gefällt werden."

In den alten Bäumen des Schlossparks Nymphenburg leben viele seltene und vom Aussterben bedrohte Insekten. (Bild: Getty Images)
In den alten Bäumen des Schlossparks Nymphenburg leben viele seltene und vom Aussterben bedrohte Insekten. (Bild: Getty Images)

Im Park des Nymphenburger Schlosses gibt es diese Bäume noch, und sie bieten dem Pilzkäfer offenbar einen sicheren Lebensraum. Wo genau die Forscher das seltene Insekt gefunden haben, soll jedoch ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Der Grund: Man wolle den Käfer auch in Zukunft schützen, sagt Jost Albert, Leiter der Schlösserverwaltung.

Weitere spektakuläre Funde

Der Pilzkäfer ist der spektakulärste, nicht jedoch der einzige erfreuliche Fund der Forscher. 17 Personen waren bei dem Projekt mit der Kartierung der Schlossparks beauftragt. Insgesamt wurden 15 Fallen aufgebaut, in die auch so manches seltene und bedrohte Insekt geriet. Laut Landschaftsarchitekt Matthias Schwan wurden 165 Arten gefangen und gesammelt, die sich auf der "Roten Liste" befinden und also vom Aussterben bedroht sind.

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Dazu zählt auch die "bedornte Wespenbiene", die ebenfalls in München und dort erstmals seit 1880 gefunden wurde. Im Schlosspark Rosenau und der Eremitage Bayreuth freuten sich die Wissenschaftler auf die Funde besonderer Pilze und Blumen. Dass so viele seltene Arten entdeckt wurden, ist für die Schlösserverwaltung ein Beleg dafür, dass man vieles richtig gemacht hat. "Wir können sicher auch noch manches besser machen", sagt Albert, "aber ich glaube, wir sind schon ganz gut dabei." In Zukunft wollen sie in weiteren bayrischen Schlössern auf die Jagd nach seltenen Lebewesen gehen.

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