"Der Schnösel hätte ein öffentliches Abwatschen verdient"

Peter Kohl
·Lesedauer: 7 Min.
"Der Schnösel hätte ein öffentliches Abwatschen verdient"
"Der Schnösel hätte ein öffentliches Abwatschen verdient"

Hallo Motorsport-Fans,

das dritte Rennen der Formel-1-Saison 2021 ist absolviert (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER) und in der Fahrerwertung grüßt Lewis Hamilton schon wieder von ganz oben. Auf dem Tableau scheint es, als wenn der Engländer auf dem Weg zum Rekordtitel Nummer acht nicht aufzuhalten wäre. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Schaut man sich das Rennen aber genauer an, war es ein harter Kampf für den Dominator der vergangenen Jahre, ehe er sich auf dem Podest feiern lassen konnte.

Erfreulicherweise hatte aber nicht nur der Rekordweltmeister Grund zum Feiern. Auch Mick Schumacher hat mit seinem ersten Überholmanöver - drei Runden vor Schluss zog er an Nicholas Latifi (Williams) nach langer Jagd vorbei - gezeigt, dass er in der Königsklasse angekommen ist und auch im unterlegenen Haas Topleistungen zeigen kann.

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Dass man seine Performance fast nicht hoch genug einschätzen kann, zeigt das Ergebnis seines Teamkollegen. Nikita Mazepin kam über eine Minute hinter Schumacher ins Ziel - und zog sich mal wieder den Zorn eines Konkurrenten zu.

Hier sind meine Tops und Flops des Großen Preis von Portugal!

TOPS

Lewis HAMILTON – Der König der Formel 1 hat die 100. Pole seiner Karriere um Haaresbreite verpasst, beim Start ist er nicht an Bottas vorbeigekommen, und beim Re-Start hat er gepennt und seine Position an Verstappen verloren. Und trotzdem ist unter dem Strich der Portugal-Grand-Prix ein Grund zur Freude und Zufriedenheit für den Titelverteidiger. Er durfte es genießen, endlich mal mit ernsthafter Konkurrenz zu fighten. Sein Feingefühl fürs Auto und die Reifen haben ihn im entscheidenden Augenblick nach vorne gespült. Er holt seinen 97. Grand-Prix-Sieg und baut die Führung in der Fahrerwertung weiter aus gegenüber Verstappen. Auf einer Rennstrecke, die ihm richtig gut gefällt. Ein gelungener Sonntag für den Regenten! (Fahrerwertung der Formel 1)

RED BULL – Hätte, wäre, wenn. Ja, wäre Verstappen nicht seine schnellste Runde im Qualifying wegen Missachtens der Track-Limits gestrichen worden, und wäre er von der Pole aus gestartet – wer weiß? Man könnte von einer Enttäuschung sprechen, wenn trotz vermeintlich schnellstem Auto im Feld am Ende "nur" Platz zwei rausspringt. Aber realistisch gesehen ist der Mercedes mit einem Hamilton am Steuer über die Renndistanz noch einen Tick besser. Verstappen ist jedenfalls in der Lage, die Sterne unter Dauerstrom zu halten! Gut für den Unterhaltungswert, so eng war der Kampf um Laufsiege schon lange nicht mehr wie in diesem Jahr. Der Ehrgeiz der Brause-Ritter ist enorm und wird dafür sorgen, dass es bis zum Schluss so bleibt. Gut so! Schade nur, dass Verstappen wegen der Track Limits auch noch die schnellste Runde im Rennen aberkannt wurde.

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Lando NORRIS – Die Erwartungen an den jungen Burschen werden immer größer, aber er hält dem Druck mit einer bemerkenswerten Ruhe und viel Selbstvertrauen stand. Auch nach einem suboptimalen Qualifying. Die Papaya-Orangen sind noch nicht reif genug, um die beiden Top-Teams in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Norris holt aus dem Auto raus, was maximal möglich ist, lauert auf seine Chance, wenn einer der Fahrer in den Top4-Boliden mal strauchelt und schlägt dann eiskalt zu. In Portimao hat sich diese Möglichkeit nicht geboten. Mehr als Platz 5 war nicht drin. Er ist trotzdem ein brillantes Rennen mit tollen Manövern gefahren. Zum dritten Mal in Folge ist er "Best of the rest"!

Mick SCHUMACHER – Beachtlich, was der Youngster aus der Warmluftpumpe HAAS in Portimao rausgeholt hat. Den eigenen Teamkollegen hat er permanent unter Kontrolle und im Sack. Im Rennen versenkt er auch noch Latifi im Williams. Ein echtes Überholmanöver im Kampf um eine Position. Es wird langsam. Zumal er im dritten Rennen seiner jungen Karriere zum dritten Mal die Zielflagge sieht. Und dabei kaum Fehler macht am gesamten Wochenende. Der 17. Platz ist ein Achtungserfolg, der Schumacher, aber auch dem gnadenlos hinterherfahrenden Team guttut.

Daniel RICCIARDO – Das Qualifying ist ein Schlag ins Gesicht des Australiers. Im Rennen zeigt er aber im ersten, extrem langen Stint, in dem er am Ende mit abgelutschten Reifen noch richtig gute Rundenzeiten fährt, dass er nach wie vor ein Top-Racer ist! Seine Eingewöhnung ins neue Team und für das neue Auto dauern an. Aber es ist absehbar, dass er bald das Maximum aus sich und seinen Boliden rausholen kann, um dann mit dem Teamkollegen mitzuhalten. McLaren ist dann richtig stark mit zwei konstanten Punktesammlern.

ALPINE – Das Team hat einen spür- und sichtbaren Schritt nach vorne gemacht auf einer sehr anspruchsvollen Rennstrecke mit unberechenbaren Winden. Der Saisonauftakt verlief enttäuschend in Bahrain und Imola. Portimao steht für die Wende. Das Auto hat in Portugal eine richtig gute Pace, Startplatz sechs für Ocon ist ein starker Beleg dafür. Alonso fetzt im Rennen von Startplatz 13 auf 8 nach vorne und darf damit richtig zufrieden sein. Der Renault-Nachfolger ist in Portimao vom ersten Freien Training an konkurrenzfähig. Alpine ist jetzt in der Lage, ernsthaft mit Alpha Tauri, McLaren und Ferrari zu kämpfen. Ein gutes Zeichen für die anstehenden Rennen. Das Gemetzel im Mittelfeld wird dadurch an Härte zunehmen!

SOLALA

Valtteri BOTTAS – Und täglich grüßt das Murmeltier. Schafft er es glatt mal auf die Pole, vergeigt er es im Rennen wieder. Der Auftakt läuft eigentlich nach Maß für ihn. Aber Kollege Hamilton hat eine deutlich bessere Reifennutzung mit seinem Set-Up als der Finne, der am Ende zwar aufs Podium kommt, aber richtig befriedigend kann das nicht für ihn sein, angesichts der Ausgangslage. Wieder eine Chance vertan, um Eigenwerbung für sich und einen Verbleib bei Mercedes zu machen.

ASTON MARTIN – Nach 15 vergeblichen Anläufen hat es Sebastian Vettel endlich mal wieder im Qualifying in die Top 10 geschafft. Er selbst sagt, er entwickelt langsam ein Bauchgefühl für sein neues Arbeitsgerät. Kann kein gutes sein, wenn man seine Miene betrachtet. Die spricht eher für Frust und Verzweiflung. Denn so richtig voran geht es nicht für ein Team, das viele im Vorfeld der Vorsaisontests schon als Geheimfavoriten gesehen hatten. Stroll bekommt neue Teile für sein Auto, Vettel nicht! Das trägt sicher nicht dazu bei, dass der viermalige Weltmeister zur inneren Ruhe findet. Am Ende dümpeln Vettel und Stroll im Niemandsland des hinteren Mittelfelds rum, fernab von Punkten. Aston Martin bleibt eine Enttäuschung!

FLOPS

Carlos SAINZ JR. – Der Ferrari ist immer noch nicht eine Rakete. Aber wenn der Teamkollege zwei Plätze hinter einem startet und am Ende im Rennen um fünf Plätze besser platziert ist, dann ist einiges schiefgelaufen. Mit dem Satz Mediums ist der Spanier nicht warm geworden, ihm haben Speed und Grip gefehlt. Ein Rennen ohne Punkte ist ein verlorener Sonntag. Sainz hat noch Anlaufschwierigkeiten im neuen Team, ist noch nicht richtig angekommen.

Kimi RÄIKKÖNEN – Alter Finne! Was war das für eine Aktion? Wie er dem eigenen Teamkollegen hinten auf die Karre knattert, ist peinlich. Das sollte einem Fahrer seiner Klasse mit seiner Erfahrung nicht passieren. Geschenkt, dass das Team als Grund dafür angibt, er sei abgelenkt worden, weil er just in dem Moment wichtige Infos über Bordfunk erhalten habe. Um die zu verarbeiten, habe er aufs Lenkrad-Display geschaut. Dumm gelaufen - äh gefahren, besser gesagt.

Nikita MAZEPIN – Der Russe ist auf dem besten Wege, sich sämtliche Sympathien im Fahrerlager zu verscherzen. Atemberaubend, wie er dem im Rennen Führenden im Weg steht! Er ignoriert alles und jeden, beschimpft seinen Renningenieur für jeden mithörbar über Bordfunk. Tritt auf wie Krösus. Dabei sieht er weder im Qualifying noch im Rennen seit Saisonbeginn keine Schnitte gegen seinen Teamkollegen. Wäre der Herr Papa nicht der Big Spender des Teams, wäre er schon längst angezählt. So muss Teamchef Günther Steiner sich immer wieder vor ihn stellen und ihn verteidigen. Ein undankbarer Job! Dabei hätte der Schnösel ein öffentliches Abwatschen durchaus mal verdient.

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Es geht Schlag auf Schlag weiter bereits am kommenden Wochenende. Barcelona steht an – traditionell Mercedes-Land. Sechs der sieben Grand-Prix-Siege in der Hybrid-Ära gingen auf dem Circuit de Catalunya an das Team von Toto Wolff. Nur Max Verstappen konnte 2016 in diese Phalanx einbrechen. Warum nicht auch am kommenden Sonntag? Wir hätten nichts dagegen im Sinne von Abwechslung und Spannung im Kampf um die Titel! In diesem Sinne, ich freue mich aufs nächste Rennen.

Bis dahin PEDAL TO THE METAL

Ihr Peter Kohl