Einer wie Scholl: Musiala ist Bayerns nächstes Versprechen

Holger Luhmann, Florian Plettenberg
Sport1

Ein bisschen Sorge musste man haben am Dienstag um Jamal Musiala. Kurz nachdem Bayerns großes Talent sein erstes Tor im Profifußball erzielt hatte, wurde er von der Traube seiner Mitspieler beinahe erdrückt. Doch den Jubel hatte der 17-Jährige unbeschadet überstanden, ließ zehn Minuten später sogar seinen zweiten Treffer zum 2:0-Endstand des FC Bayern II in der 3. Liga gegen den FSV Zwickau folgen.

Es läuft für Musiala in München. Im vergangenen Sommer hatte ihn Bayerns Chefscout Marco Neppe vom FC Chelsea nach München gelotst. Seitdem geht es für Musiala unaufhörlich aufwärts. In der U17 glänzte er – mit der Nummer 10 des Spielmachers auf dem Rücken - gleich mit Toren, auch in der U19 erspielte er sich unter Martin Demichelis einen Stammplatz.


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Seit dem Re-Start der 3. Liga fasst er nun auch bei Bayern II nachhaltig Fuß. Ein zehnminütiges Debüt vor einer Woche beim 3:2 gegen Preußen Münster, 17 Minuten Einsatzzeit drei Tage später beim 1:1 gegen Eintracht Braunschweig – und nun der Doppelpack als Joker bei 33 Minuten Spielzeit gegen Zwickau. Eine Woche im Schnelldurchlauf, die sich sehen lassen kann.

"Clever, schnell, technisch stark"

"Er ist clever, schnell, technisch stark und kann auf der Zehn, aber auch auf der Neun spielen", hatte sein damaliger Berater Bradley Hudson-Odoi bei Musialas Wechsel im Vorjahr die Stärken des Youngsters im Gespräch mit SPORT1 beschrieben und nicht zu viel versprochen. Während der Wechsel von Callum Hudson-Odoi, dem Bruder von Musialas früheren Berater, von Chelsea nach München platzte, haben sich die Bayern ein jüngeres, aber gleichwohl großes Talent gesichert.

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"Der Moukoko des FC Bayern", titelte die tz im Februar, nachdem Musiala unter Cheftrainer Hansi Flick sogar im Training bei den Stars der ersten Mannschaft (DFB-Pokal: FC Bayern - Eintracht Frankfurt ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) reinschnuppern durfte. Der Vergleich zu Dortmunds Youssoufa Moukoko drängt sich auf, hinkt gleichzeitig aber auch ein wenig.

Im Gegensatz zu BVB-Supertalent Moukoko ist Musiala eher schmächtig und auch ein wenig schüchtern. Um in absehbarer Zeit den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, muss er insbesondere körperlich noch zulegen. Dafür glänzt Musiala mit feiner Technik und Raffinesse, wirkt von seiner Spielanlage wie der junge Mehmet Scholl.

Mit sieben Jahren nach England

Zudem hat er in jungen Jahren schon eine Menge Lebenserfahrung vorzuweisen. Aufgewachsen im hessischen Fulda, zog es ihn im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach England. Dort trumpfte er in Chelseas Jugend auf, wurde als 13-Jähriger in Englands U15-Nationalmannschaft berufen. Die U17 der Three Lions führte er sogar schon als Kapitän auf den Platz.


"Ich bin richtig glücklich über die Jahre in England", sagte er zuletzt der Fuldaer Zeitung und begründete zugleich seinen Wechsel zu den Bayern: "Es gab ein paar Interessenten in Europa. Aber wenn so ein großer Klub in Deutschland Interesse hat, kann man nicht nein sagen. Und ich habe Bayern von klein auf immer geliebt."

Wie schnell es gehen kann mit dem ganz großen Sprung in die Bundesliga, hatte in der Vorsaison Joshua Zirkzee als 18-Jähriger vorgemacht. So weit ist es zwar noch nicht, doch auf absehbare Zeit gilt Musiala als großes Versprechen des FC Bayern.

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