Schwarzer: Das ist Deutschlands Prunkstück

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Hallo Handball-Fans,

heute geht es los mit der Europameisterschaft. (Die Handball-EM ab 9. Januar im LIVETICKER bei SPORT1

Was das deutsche Team betrifft, bin ich trotz des Verletzungspechs optimistisch. Denn im Gegensatz zu früher haben wir inzwischen 30, 40 richtig gute Spieler auf den unterschiedlichen Positionen in Deutschland.

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Natürlich sind Ausfälle wie die von Fabian Wiede und Steffen Weinhold schwerwiegend. Aber es gibt eben trotzdem viele junge gute Spieler, die in die Bresche springen können.


So viel Verletzungspech kann auch positive Effekte haben. Ich kann mich noch gut an die EM 2016 in Polen erinnern, als Kai Häfner und Julius Kühn frischen Wind reinbrachten und wir Europameister wurden. Da kann sich ein leicht negativer Touch (durch Verletzungen) in einen sehr positiven verwandeln.

Deutschland fehlt ein klassischer Spielmacher

Das Einzige, was mir etwas fehlt, ist ein klassischer Spielmacher. Ich weiß, dass international oft Spieler gesucht werden, die alles können. Ich bin aber ein Verfechter davon, wie viele andere Nationen mit einem klassischen Spielmacher zu agieren.

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Wir haben zwar viele gute Spieler, die diese Position bekleiden können - aber die Frage wird sein, reicht das für ein ganzes Turnier und für eine Medaille?

Die Testspiele würde ich nicht überbewerten. Unabhängig vom Ausgang gibt es immer Verbesserungspotenzial, gerade in Sachen Abstimmung zwischen Abwehr und Torhüter sowie der Abstimmung im Angriff.

Aber wenn am Donnerstag gegen die Niederlande (Handball-EM: Deutschland - Niederlande ab 18.15 Uhr im LIVETICKER) angepfiffen wird, wird sowieso eine ganz andere Mannschaft auf dem Spielfeld stehen. Denn in Turnieren ist ein ganz anderer Fokus da als bei Testspielen.


Überragendes Torhüter-Duo mit Bitter und Wolff

Helfen wird uns sicher unser überragendes Torhüter-Duo mit Jogi Bitter und Andreas Wolff. Jogi hat über viele Jahre bewiesen, was er zu leisten imstande ist. Seine Erfahrung ist ein unschätzbarer Wert - nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb.

Wolff und Bitter sind das absolute Prunkstück unseres Teams. Aber ich bin auch begeistert von der Kreisläufer-Position. Wir haben da so viele unterschiedliche Spielertypen wie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Johannes Golla und Jannik Kohlbacher. Sie müssen nur auch entsprechend in Szene gesetzt werden.


In unserer Gruppe ist Spanien wohl die einzige Mannschaft mit internationalem Format. Das meine ich nicht böse, aber die Niederlande und Lettland profitieren vom neuen Modus und müssen erst Erfahrung sammeln. Von der Leistungsfähigkeit sollten die Spanier der schwerste Gegner sein.

"Niederlande dürfen wir nicht unterschätzen"

Trotzdem dürfen wir die Niederlande am Donnerstag nicht unterschätzen. Ein Auftaktspiel ist immer eine besondere Situation. Dementsprechend konzentriert muss die Mannschaft ins Spiel gehen, damit es keine böse Überraschung gibt.

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Unser Team hat ansonsten sicher die Qualität, um das Halbfinale mitzuspielen. Und wenn man dort ist, ist alles möglich. Unsere beiden Torhüter werden in Kombination mit unserer sehr guten Abwehr einen großen Anteil daran haben.


Funktioniert das, traue ich der Mannschaft den Einzug ins Halbfinale oder Finale zu. Denn wenn die deutsche Mannschaft wie bei der EM 2016 in einen Flow kommt, dann bekommen auch die Gegner großen Respekt.

Wenn das DHB-Team dann mit den berühmten deutschen Tugenden Handball spielt, wird es für jeden Gegner der Welt schwer, uns zu schlagen. Aber für mich können sieben, acht Mannschaften Europameister werden - das macht das Ganze auch so spannend.

Euer Christian Schwarzer

Christian "Blacky" Schwarzer, 50, hat 318 Länderspiele für Deutschland absolviert und erzielte dabei 965 Tore. Mit dem TBV Lemgo gewann der Kreisläufer den DHB-Pokal (2002) und die Deutsche Meisterschaft (2003). 2006 fügte er mit Lemgo noch den EHF-Cup seiner Titelsammlung hinzu. Bereits zuvor holte er mit dem FC Barcelona in Spanien das Triple aus Meisterschaft und Pokal sowie der Champions League (2000). Mit der Nationalmannschaft holte er 2004 Silber bei den Olympischen Spielen in Athen und wurde im gleichen Jahr Europameister. Beim Wintermärchen 2007 gewann er mit dem DHB-Team den WM-Titel im eigenen Land.

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