Schwimm-Ärger um Sun: Weltverband in der Bredouille

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Sport1
Ein Bild von Sun Yang in Siegerpose, kein einziges Wort über den erneuten Skandal bei der Medaillen-Zeremonie: In seiner offiziellen WM-Zeitung klammert der Schwimm-Weltverband FINA - wenig überraschend - den Ärger um den Dopingsünder aus China komplett aus.Auch die lautstarken Buhrufe von der Athletentribüne werden verschwiegen, denn die galten ja nicht nur Sun. Sondern indirekt auch der FINA, die die Eklats mit ihrer oft kritisierten Anti-Doping-Politik heraufbeschworen hat.In der Krise wirkt der Weltverband überfordert, die Verwarnungen gegen Sun und die protestierenden Schwimmer lösen das Problem nicht mal im Ansatz. Steffen: "Schlecht für den Sport""Meiner Meinung nach trägt die Haltung der FINA derzeit leider so nicht zu einem glaubwürdigen Kampf gegen Doping und zu einem unumstrittenen sauberen Schwimmsport bei", sagte Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen in einer Erklärung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV): "Opfer sind dabei die ehrlichen Hochbegabten, denen immer weniger begeisterte Schwimmfans glauben, dass sie ihre Leistungen manipulationsfrei erbringen."Die Situation sei "schlecht für den Sport", sagte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen dem SID: "Im Fall von Sun gibt es so viel Unruhe, dass er sich zu einer Persona non grata entwickelt." Die Reaktion der Medaillengewinner Mack Horton und Duncan Scott, die dem Chinesen den Handschlag verweigerten und nicht mit aufs Siegerfoto wollten, kann sie verstehen, "mir würde es sicher genauso gehen".Die FINA habe es "fahrlässig versäumt", meinte Andrea Gotzmann, Vorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, den sauberen Sportlern "Gehör in diesen sensiblen Fragen" zu verschaffen (SERVICE: Der Medaillenspiegel der Schwimm-WM 2019). Inkonsequentes VorgehenEin Glaubwürdigkeitsproblem hat die FINA schon länger. Seit Jahren gilt ihr Umgang mit Dopingvergehen als inkonsequent und vor allem starfreundlich. "Es ist unverständlich", sagte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel, "dass der Verband einer olympischen Kernsportart so lax mit seinen Dopingsündern umgeht."Als zum Beispiel Sun 2014 positiv auf die verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet wurde, bekam er nur eine Drei-Monats-Sperre aufgebrummt. Und die Öffentlichkeit erfuhr davon erst, als die Strafe bereits abgesessen war. Sun konnte anschließend bei den Asienspielen starten und drei Titel gewinnen. Peaty kritisert FINAAls der knapp zwei Meter große Schwimm-Riese nur ein Jahr später bei der WM in Kasan von der FINA als bester Athlet ausgezeichnet wurde, platzte Adam Peaty der Kragen. Das Verhalten des Weltverbandes, der sich gerne selbst für seine "Null-Toleranz-Politik" lobt, sei eine der "bittersten Erfahrungen" seiner Karriere gewesen, sagte Großbritanniens Schwimmstar.Seitdem gilt Olympiasieger Peaty als Chefkritiker der FINA, auch wenn er bei der WM auf Wunsch des britischen Verbandes bislang schwieg. Im Vorfeld hatte er aber andere Athleten wegen Sun, dem im September wegen einer womöglich mit einem Hammer zerstörten Probe eine nachträgliche Sperre droht, dazu aufgerufen, "mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, damit diese Typen für immer aus dem Sport verschwinden".Jetzt aktuelle Sportbekleidung bestellen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE Am Donnerstag meldete sich Peaty erneut zu Wort. "Ich stehe komplett hinter den beiden, denn es war richtig", sagte er mit Blick auf Horton und Scott: "Es sollte dafür überhaupt keine Verwarnungen geben, wir haben eine Redefreiheit. Und wenn du nicht aufs Podest willst, dann gehst du nicht aufs Podest. Wenn du kein Foto machen willst, dann gehst du nicht mit aufs Foto. Jetzt wirst du gezwungen, es zu tun." Suns Start "Schlag ins Gesicht"Horton, Scott und auch der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann, der Suns WM-Start als "Frechheit" und "Schlag ins Gesicht" bezeichnet hatte, bezogen öffentlich klar Position. Auf der Athletentribüne werden demonstrativ Suns Konkurrenten angefeuert, der Chinese selbst ausgebuht.Die FINA betont zwar, sie respektiere die Redefreiheit, ihre Events dürften jedoch "nicht für persönliche Aussagen oder Gesten genutzt" werden. Viele Athleten glauben allerdings, dass es nicht mehr anders geht.

Schwimm-Ärger um Sun: Weltverband in der Bredouille

Ein Bild von Sun Yang in Siegerpose, kein einziges Wort über den erneuten Skandal bei der Medaillen-Zeremonie: In seiner offiziellen WM-Zeitung klammert der Schwimm-Weltverband FINA - wenig überraschend - den Ärger um den Dopingsünder aus China komplett aus.Auch die lautstarken Buhrufe von der Athletentribüne werden verschwiegen, denn die galten ja nicht nur Sun. Sondern indirekt auch der FINA, die die Eklats mit ihrer oft kritisierten Anti-Doping-Politik heraufbeschworen hat.In der Krise wirkt der Weltverband überfordert, die Verwarnungen gegen Sun und die protestierenden Schwimmer lösen das Problem nicht mal im Ansatz. Steffen: "Schlecht für den Sport""Meiner Meinung nach trägt die Haltung der FINA derzeit leider so nicht zu einem glaubwürdigen Kampf gegen Doping und zu einem unumstrittenen sauberen Schwimmsport bei", sagte Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen in einer Erklärung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV): "Opfer sind dabei die ehrlichen Hochbegabten, denen immer weniger begeisterte Schwimmfans glauben, dass sie ihre Leistungen manipulationsfrei erbringen."Die Situation sei "schlecht für den Sport", sagte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen dem SID: "Im Fall von Sun gibt es so viel Unruhe, dass er sich zu einer Persona non grata entwickelt." Die Reaktion der Medaillengewinner Mack Horton und Duncan Scott, die dem Chinesen den Handschlag verweigerten und nicht mit aufs Siegerfoto wollten, kann sie verstehen, "mir würde es sicher genauso gehen".Die FINA habe es "fahrlässig versäumt", meinte Andrea Gotzmann, Vorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, den sauberen Sportlern "Gehör in diesen sensiblen Fragen" zu verschaffen (SERVICE: Der Medaillenspiegel der Schwimm-WM 2019). Inkonsequentes VorgehenEin Glaubwürdigkeitsproblem hat die FINA schon länger. Seit Jahren gilt ihr Umgang mit Dopingvergehen als inkonsequent und vor allem starfreundlich. "Es ist unverständlich", sagte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel, "dass der Verband einer olympischen Kernsportart so lax mit seinen Dopingsündern umgeht."Als zum Beispiel Sun 2014 positiv auf die verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet wurde, bekam er nur eine Drei-Monats-Sperre aufgebrummt. Und die Öffentlichkeit erfuhr davon erst, als die Strafe bereits abgesessen war. Sun konnte anschließend bei den Asienspielen starten und drei Titel gewinnen. Peaty kritisert FINAAls der knapp zwei Meter große Schwimm-Riese nur ein Jahr später bei der WM in Kasan von der FINA als bester Athlet ausgezeichnet wurde, platzte Adam Peaty der Kragen. Das Verhalten des Weltverbandes, der sich gerne selbst für seine "Null-Toleranz-Politik" lobt, sei eine der "bittersten Erfahrungen" seiner Karriere gewesen, sagte Großbritanniens Schwimmstar.Seitdem gilt Olympiasieger Peaty als Chefkritiker der FINA, auch wenn er bei der WM auf Wunsch des britischen Verbandes bislang schwieg. Im Vorfeld hatte er aber andere Athleten wegen Sun, dem im September wegen einer womöglich mit einem Hammer zerstörten Probe eine nachträgliche Sperre droht, dazu aufgerufen, "mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, damit diese Typen für immer aus dem Sport verschwinden".Jetzt aktuelle Sportbekleidung bestellen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE Am Donnerstag meldete sich Peaty erneut zu Wort. "Ich stehe komplett hinter den beiden, denn es war richtig", sagte er mit Blick auf Horton und Scott: "Es sollte dafür überhaupt keine Verwarnungen geben, wir haben eine Redefreiheit. Und wenn du nicht aufs Podest willst, dann gehst du nicht aufs Podest. Wenn du kein Foto machen willst, dann gehst du nicht mit aufs Foto. Jetzt wirst du gezwungen, es zu tun." Suns Start "Schlag ins Gesicht"Horton, Scott und auch der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann, der Suns WM-Start als "Frechheit" und "Schlag ins Gesicht" bezeichnet hatte, bezogen öffentlich klar Position. Auf der Athletentribüne werden demonstrativ Suns Konkurrenten angefeuert, der Chinese selbst ausgebuht.Die FINA betont zwar, sie respektiere die Redefreiheit, ihre Events dürften jedoch "nicht für persönliche Aussagen oder Gesten genutzt" werden. Viele Athleten glauben allerdings, dass es nicht mehr anders geht.

Ein Bild von Sun Yang in Siegerpose, kein einziges Wort über den erneuten Skandal bei der Medaillen-Zeremonie: In seiner offiziellen WM-Zeitung klammert der Schwimm-Weltverband FINA - wenig überraschend - den Ärger um den Dopingsünder aus China komplett aus.

Auch die lautstarken Buhrufe von der Athletentribüne werden verschwiegen, denn die galten ja nicht nur Sun. Sondern indirekt auch der FINA, die die Eklats mit ihrer oft kritisierten Anti-Doping-Politik heraufbeschworen hat.


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Steffen: "Schlecht für den Sport"

"Meiner Meinung nach trägt die Haltung der FINA derzeit leider so nicht zu einem glaubwürdigen Kampf gegen Doping und zu einem unumstrittenen sauberen Schwimmsport bei", sagte Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen in einer Erklärung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV): "Opfer sind dabei die ehrlichen Hochbegabten, denen immer weniger begeisterte Schwimmfans glauben, dass sie ihre Leistungen manipulationsfrei erbringen."

Die Situation sei "schlecht für den Sport", sagte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen dem SID: "Im Fall von Sun gibt es so viel Unruhe, dass er sich zu einer Persona non grata entwickelt." Die Reaktion der Medaillengewinner Mack Horton und Duncan Scott, die dem Chinesen den Handschlag verweigerten und nicht mit aufs Siegerfoto wollten, kann sie verstehen, "mir würde es sicher genauso gehen".

Die FINA habe es "fahrlässig versäumt", meinte Andrea Gotzmann, Vorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, den sauberen Sportlern "Gehör in diesen sensiblen Fragen" zu verschaffen (SERVICE: Der Medaillenspiegel der Schwimm-WM 2019).

Inkonsequentes Vorgehen

Ein Glaubwürdigkeitsproblem hat die FINA schon länger. Seit Jahren gilt ihr Umgang mit Dopingvergehen als inkonsequent und vor allem starfreundlich. "Es ist unverständlich", sagte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel, "dass der Verband einer olympischen Kernsportart so lax mit seinen Dopingsündern umgeht."


Als zum Beispiel Sun 2014 positiv auf die verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet wurde, bekam er nur eine Drei-Monats-Sperre aufgebrummt. Und die Öffentlichkeit erfuhr davon erst, als die Strafe bereits abgesessen war. Sun konnte anschließend bei den Asienspielen starten und drei Titel gewinnen.

Peaty kritisert FINA

Als der knapp zwei Meter große Schwimm-Riese nur ein Jahr später bei der WM in Kasan von der FINA als bester Athlet ausgezeichnet wurde, platzte Adam Peaty der Kragen. Das Verhalten des Weltverbandes, der sich gerne selbst für seine "Null-Toleranz-Politik" lobt, sei eine der "bittersten Erfahrungen" seiner Karriere gewesen, sagte Großbritanniens Schwimmstar.

Seitdem gilt Olympiasieger Peaty als Chefkritiker der FINA, auch wenn er bei der WM auf Wunsch des britischen Verbandes bislang schwieg. Im Vorfeld hatte er aber andere Athleten wegen Sun, dem im September wegen einer womöglich mit einem Hammer zerstörten Probe eine nachträgliche Sperre droht, dazu aufgerufen, "mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, damit diese Typen für immer aus dem Sport verschwinden".

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Am Donnerstag meldete sich Peaty erneut zu Wort. "Ich stehe komplett hinter den beiden, denn es war richtig", sagte er mit Blick auf Horton und Scott: "Es sollte dafür überhaupt keine Verwarnungen geben, wir haben eine Redefreiheit. Und wenn du nicht aufs Podest willst, dann gehst du nicht aufs Podest. Wenn du kein Foto machen willst, dann gehst du nicht mit aufs Foto. Jetzt wirst du gezwungen, es zu tun."

Suns Start "Schlag ins Gesicht"

Horton, Scott und auch der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann, der Suns WM-Start als "Frechheit" und "Schlag ins Gesicht" bezeichnet hatte, bezogen öffentlich klar Position. Auf der Athletentribüne werden demonstrativ Suns Konkurrenten angefeuert, der Chinese selbst ausgebuht.

Die FINA betont zwar, sie respektiere die Redefreiheit, ihre Events dürften jedoch "nicht für persönliche Aussagen oder Gesten genutzt" werden. Viele Athleten glauben allerdings, dass es nicht mehr anders geht.

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