Sebastian Vettel: Top 10 "aus eigener Kraft" ist "positiv" für Ferrari

Stefan Ehlen
motorsport.com

1,327 Sekunden Rückstand sind eine Welt in der Formel 1, zumal im Qualifying. Doch Sebastian Vettel ist zufrieden mit seinem Ergebnis, sehr sogar. Denn der deutsche Ferrari-Fahrer geht am Sonntag vom fünften Startplatz aus in den Ungarn-Grand-Prix 2020 (hier im Liveticker verfolgen!). So gut war Vettel in diesem Jahr noch nicht klassiert.

Weil er bei den beiden bisherigen Rennen in Spielberg von P10 und P11 losgefahren war und nun im Ferrari-Teamduell im Qualifying auf 2:1 gegen Charles Leclerc gestellt hat, bewertet Vettel sein Abschneiden in einer ersten Reaktion als "auf jeden Fall positiv", weil es sein Team geschafft habe, beide Autos in die Top 10 zu bringen.

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"Für heute konnten wir [das Auto] noch einmal ein Stück verbessern", meint Vettel bei 'Sky'. "Heute ist [auch] ein besserer Tag im Vergleich zu den letzten beiden Wochenenden. Aus eigener Kraft mit beiden Autos ins letzte Qualifying zu kommen und dann nicht nur mitzufahren, sondern mitten hineinzufahren. Das war auf jeden Fall gut, glaube ich."

Vettel: Was noch drin gewesen wäre

Vettel, dem etwas mehr als zwei Zehntelsekunden auf Sergio Perez vor ihm fehlen, denkt, er hätte sogar noch schneller sein können. "Leider hatten wir zum Schluss aber keine zwei Reifensätze mehr, nur einen. Sonst hätten wir vielleicht noch etwas mehr Zeit rausquetschen können. Aber so geht das schon in Ordnung, glaube ich."

'Sky'-Experte Ralf Schumacher ist anderer Meinung und sagt, er findet solche Aussagen "schlimm". Begründung: "Alles gut und schön, aber schon bitter, dass es Ferrari ist und dass man eigentlich schon seit vier Jahren um die WM fahren will."

Von Titeln, Siegen oder auch nur Podestplätzen redet Vettel in Ungarn gar nicht, sondern eher davon, dass er sich im Rennen "in einer guten Position" sieht. "Ich glaube, die Autos um uns herum sind genauso schnell wie wir. Deswegen wird es morgen schwierig."

Ferrari mit Reifenvorteil im Rennen?

Er sehe leichte Vorteile für Ferrari beim Reifenmanagement über die Distanz, vor allem im Direktvergleich mit Racing Point, das geschlossen vor Vettel steht. Ob Max Verstappen im Red Bull von P7 kommend eine Bedrohung darstellen werde, wusste er nicht zu sagen. Nur so viel: "Es gibt auf jeden Fall viel zu tun morgen."

Ob er sich dann beim Start besonders vor seinem Ferrari-Teamkollegen Leclerc in Acht nehmen werde? Mit ihm war Vettel vergangene Woche beim Steiermark-Grand-Prix in Spielberg unverschuldet kollidiert. Vettel muss grinsen und stuft die Chancen auf weitere "Blechschäden" bei Ferrari in der Startphase als "sehr gering" ein.

Die humorvolle Begründung: "Wir haben gar kein Blech am Auto. Die Zeiten sind schon längst vorbei."

Vettel-Prognose: Der Start wird entscheidend

Nach dem Start könne sich Ferrari "eher nach vorne" orientieren, meint Vettel weiter - weil die Fahrzeuge vor ihm mit Medium-Reifen losfahren, Vettel und Leclerc dagegen auf Soft ins Rennen gehen. "Es wird alles davon abhängen, wie wir von der Linie wegkommen am Start. Dann wird der erste Stint zeigen, wo wir stehen", sagt Vettel im 'ORF'.

"Die Soft-Reifen werden wahrscheinlich schneller abbauen als die Mediums. Vielleicht nicht ein Vorteil für uns. Die letzten Jahre haben wiederum gezeigt, dass die Soft-Reifen am Sonntag recht gut funktionieren."

Vergangenes Jahr startete Vettel übrigens ebenfalls von P5 in den Ungarn-Grand-Prix, damals aber eine Position hinter Leclerc. Im Rennen drehte sich die Reihenfolge: Vettel wurde Dritter, Leclerc belegte Rang vier.

So bewertet Leclerc sein Abschneiden

Und woran lag's im aktuellen Qualifying, dass Leclerc "nur" Sechster wurde, 0,043 Sekunden hinter Vettel? Er selbst sagt: "Mir sind ein paar Fehler unterlaufen." Im Top-10-Finale sei es insgesamt zwar besser für ihn gelaufen, er habe aber mit dem Auto zu kämpfen gehabt. "Es war eine schwierige Session für mich."

Im Vordergrund stehe für ihn jedoch das gute Teamergebnis. "Es ist keine Pole-Position, aber P5 und P6 sind definitiv positiv, wenn man unsere Ergebnisse aus Österreich bedenkt", sagt Leclerc. "Und im Rennen dürften wir ziemlich stark aussehen."

Er werde "etwas entspannter" ins Rennen gehen als letztes Mal, beteuert Leclerc. "Was beim Steiermark-Grand-Prix am Start passiert ist, habe ich verdrängt. Ich habe aber aus meinem Fehler gelernt", so sagt er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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