Sebastian Vettel: Wie ihm Hamilton über den Ferrari-Schock hinweggeholfen hat

Christian Nimmervoll
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Sebastian Vettel hat in einem Zeitungsinterview erstmals zugegeben, dass er nach der Ferrari-Entscheidung, nicht weiter mit ihm zusammenzuarbeiten, ernsthaft über Rücktritt nachgedacht hat; und ausgerechnet sein langjähriger Nemesis Lewis Hamilton einer derjenigen war, die ihm in jener so prägenden Phase seiner Karriere Mut zugesprochen haben.

"Da ich bei Ferrari keine Zukunft mehr hatte, tauchte natürlich sofort die Frage auf: Was machst du 2021? Und da die großen Cockpits alle belegt waren, habe ich schon lange nachdenken müssen", gesteht Vettel in einem Interview mit dem Schweizer 'Blick'. "Da schließt man natürlich auch einen Rücktritt nicht aus."

Bevor der von Vettel persönlich sehr geschätzte Mercedes-Teamchef Toto Wolff mitgeholfen hat, den Wechsel zu Aston Martin möglich zu machen, freundete sich Vettel mit dem Gedanken an, es gut sein zu lassen: "Die Formel 1 war seit über zehn Jahren der Mittelpunkt meines Lebens. Aber es gibt im Leben auch viele andere und vor allem wichtigere Dinge als unseren Sport."

"Trotzdem bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass noch etwas in mir schlummert", erklärt der 33-Jährige, inzwischen verheiratet und Vater von drei Kindern. "Und so kamen dann eben die Kontakte zum neuen Team von Aston Martin. Jetzt freue ich mich einfach auf das neue Team, das neue Auto und das neue Umfeld."

Interessant: In dem Interview verrät Vettel auch, dass es ausgerechnet Hamilton war, mit dem er sich nach der unschönen Trennung von Ferrari ausgetauscht hat: "Gerade nach den schlechten Nachrichten im Frühjahr hat mich Lewis angerufen. Wir führten dann noch einige Gespräche oder schrieben uns. Er hat mich immer aufgemuntert und zum Weitermachen motiviert."

Vettel war dann auch der erste Gratulant, als Hamilton in Istanbul seinen siebten WM-Titel gewann - ein Beleg für ein von großem gegenseitigen Respekt geprägtes Verhältnis. "Ich hatte einige Gründe, ihm zu seinen großartigen Erfolgen zu gratulieren. Lewis hätte sicher oft einen Grund gehabt, mit mir Mitleid zu haben", lacht der scheidende Ferrari-Fahrer.

Im Nachhinein fragen sich viele: Ob das, was Vettel Hamilton über Ferrari erzählt hat, mit ein Grund dafür war, dass der Rekord-Superstar seinen Traum, eines Tages für die Scuderia zu fahren, begraben hat? Erst im November hat Hamilton diese Tür trotz der Gespräche im Sommer 2019 endgültig zugeschlagen. Er sei nicht sicher, "ob unsere Werte zusammengepasst hätten".

Eingefleischte Vettel-Fans haben 2020 immer wieder vermutet, dass ihr Lieblingsfahrer Ferrari-intern benachteiligt wurde und nicht das gleiche Material zur Verfügung hatte wie Charles Leclerc. Und Vettel trug in einigen wenigen Momenten, in denen er seine schlechte Laune nicht verbergen konnte, wenig dazu bei, solche Verschwörungstheorien zu entkräften.

Also liegt die Frage nahe, ob er 2020 immer im gleichen Auto gesessen sei wie Leclerc. Antwort: "Theoretisch fahren wir natürlich zwei verschiedene Autos, aber irgendwo auch das gleiche. Sagen wir es mal so: Ich gehe davon aus, dass wir das gleiche Material hatten. Ich denke schon, weil ich den Jungs in der Garage vertraue. Und ich möchte da niemanden etwas Böses anhängen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.