Sebastian Vettel stellt klar: Bekomme gleiches Auto wie Leclerc

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

"Die Autos von Seb und Charles sind zweifellos identisch", betonte Ferrari nach dem Grand Prix von Portugal. Damit wollte die Scuderia Spekulationen ein Ende bereiten, die durch Aussagen von Sebastian Vettel selbst angeheizt wurden. Vor dem Rennen in Imola nimmt nun der Deutsche dazu Stellung.

Vettel musste in Portimao feststellen, dass sein Teamkollege derzeit in einer anderen Liga fährt. Weder im Qualifying noch im Rennen konnte er an die Leistungen von Charles Leclerc anknüpfen. Daher stellte er sich nach einem hart erkämpften zehnten Platz die Frage: "Ob ich ein kompletter Idiot bin?"

Eine Woche später bekommt er die nächste Chance. Ferrari hat mit Spekulationen aufgeräumt, dass Vettel womöglich nicht das gleiche Material erhält wie Zukunftshoffnung Leclerc. Der Monegasse komme nur einfach besser mit dem Boliden in diesem Jahr zurecht, so die Erklärung.

Binotto: Keine großen Unterschiede in den Daten erkennbar

"Ich gehe auch davon aus, das fasst die Situation gut zusammen", entgegnet Vettel darauf angesprochen. Er betont: "Ich fahre das Auto so, wie ich in meiner gesamten Karriere gefahren bin. Ich versuche alles, um so schnell wie möglich zu sein."

Derzeit könne er aber nicht gleich viel Potenzial aus dem SF1000 abrufen wie sein Stallrivale. "Ich versuche natürlich mit den Ingenieuren, das zu verstehen und daran zu arbeiten. Wie ich schon sagte, bislang war ich in meiner Karriere immer fähig dazu, das Maximum aus einem Auto rauszuholen."

In der Saison 2020 scheint das nicht zu passieren. "Es gibt aber keine andere Wahl, außer an mir und am Auto zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, wie das Auto sich verhält. Man muss sich immer anpassen. Das ist normalerweise auch nie ein Problem gewesen."

<span class="copyright">Mark Sutton / Motorsport Images</span>
Mark Sutton / Motorsport Images

Mark Sutton / Motorsport Images

In seinem Abschlussjahr mit Ferrari scheint aber irgendwo der Wurm drinzustecken. "In diesem Jahr fehlt etwas. Ich versuche alles, um das herauszufinden." Der Heppenheimer erklärt, dass das Gefühl im Auto nicht stimmt. Er habe Schwierigkeiten eine gute Runde zusammenzubringen und den Grip zu spüren.

Wie wirkt sich das auf die Daten aus? Mattia Binotto erläutert, dass er keine großen Unterschiede in der Telemetrie seiner beiden Fahrer erkennen kann. "Es sind nur sehr kleine Unterschiede. Da sprechen wir nicht von großen Zahlen, es ist eher die Summe von Hundertstel pro Kurve, pro Bremspunkt."

Das summiert sich: Laut Datenbank Forix verliert Vettel im Qualifying auf einer schnellen Runde im Durchschnitt sechs Zehntelsekunden auf Leclerc. "Wie Seb schon sagte, glaube auch ich, dass es ums Gefühl geht, um den Grip und darum, das Potenzial rauszuholen", erklärt der Teamchef.

Fokus "ab Januar oder Februar" voll auf Aston Martin

Es sei die Verpflichtung des Teams, Vettel zu helfen. "Schließlich wissen wir alle, dass er besser abliefern kann." Der viermalige Weltmeister wird in diesem Jahr noch fünf Rennen mit Ferrari bestreiten, dann endet seine Ära in Rot. Was wird er besonders vermissen?

"Ich werde die Leute und den Spirit vermissen, die Idee von Ferrari, die Legende. Ich bin seit Kindertagen ein Fan, natürlich inspiriert durch Michael [Schumacher]. Wenn man Teil davon wird, dann lernt man die Menschen kennen und blickt hinter die Kulissen."

Die gute Nachricht: Vettel wird viele Gesichter im kommenden Jahr wiedersehen, auch wenn er dann nicht mehr die gleiche Teamkleidung tragen wird. 2021 wird er mit Aston Martin ein neues Kapitel aufschlagen. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, was ich als erstes machen werde", schmunzelt er.

Zwar werden die Boliden im kommenden Jahr sehr ähnlich sein, dennoch erwartet Vettel eine "große Herausforderung", um sich bei Racing Point einzugewöhnen. "Ab Januar oder Februar werde ich mich in das Projekt stürzen und versuchen, alles zu verstehen, bevor wir testen und Rennen fahren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.