Sechs Erkenntnisse aus dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf

SID
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1. Der Karle kann's eben

Wie kann man nur solche Stahlnerven haben? Mitte Dezember führte Karl Geiger bei der Skiflug-WM - und er brachte den Vorsprung als letzter Springer eiskalt ins Tal. Am Dienstag beim Auftakt der Vierschanzentournee das gleiche: Führung vor dem letzten Sprung, die Konkurrenz hat mächtig vorgelegt - und Geiger schafft in seiner Heimat Oberstdorf cool den großen Coup. Dazwischen wurde er "mal eben" erstmals Vater und steckte eine Corona-Infektion weg. "Auf den Karl kann man sich eben immer verlassen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.

2. Der "Eisei" ist der Mann fürs Besondere

Als Mitfavorit nach dem ersten Durchgang nur Platz 27. Andere Skispringer hätten da vielleicht schon Frust geschoben und den Tag abgehakt. Nicht so Markus Eisenbichler: Der packte sein ganzes Adrenalin in seinen zweiten Sprung, flog mit 142,0 m so weit wie kein anderer und bleibt als Fünfter ein Kandidat auf den Tourneesieg. Unnachahmlich "Eisei".

3. Der Schattenberg bleibt der Berg der Deutschen

Karl Geigers Erfolg war der bereits 22. eines Deutschen in Oberstdorf - weit mehr als auf den anderen Tourneeschanzen in Garmisch-Partenkirchen (13), Innsbruck (11) und Bischofshofen (10). Allerdings folgte auf rauschende Auftakterfolge oft genug die große Ernüchterung. Von den letzten neun deutschen Oberstdorf-Siegern vor Geiger gewann nur Sven Hannawald 2001/02 letztlich auch die Tournee.

4. Stoch bleibt König Kamil

Neben dem Geiger-Märchen die Story des Auftaktspringens: Kamil Stoch war erst mit den Polen nach dem Corona-Chaos des Quali-Tages ganz draußen, dann auf einmal wieder drin und sprang quasi als Kaltstarter auf Platz zwei. Der Tourneesieg - es wäre sein dritter - wird nur über Stoch vergeben. Man muss sich kaum aus dem Fenster lehnen, um zu sagen: Im Gesamtpaket ist der 33-Jährige der größte Springer der letzten Dekade.

5. Die Tournee ist nicht nett zu Favoriten

Alljährlich ist es das gleiche Spiel: Die Experten nennen vor Oberstdorf ihre Favoriten auf den Tourneesieg - und sie können nach dem ersten Springen prominente Namen streichen. Klar, Karl Geiger triumphierte, der norwegische Überflieger Halvor Egner Granerud wurde immerhin Vierter. Doch Protagonisten der laufenden Saison erreichten nicht einmal den zweiten Durchgang: Norwegens Gesamtweltcup-Dritter Robert Johansson (39.) und Österreichs Flug-WM-Dritter Michael Hayböck (48.) sind schon weg vom Fenster.

6. Es geht (nicht) ohne Zuschauer

Sportlich brachte der erste Wettkampf alles mit, was das Skispringen ausmacht: knisternde Spannung und grandiose Wendungen bei anspruchsvollsten, aber nicht unfairen Bedingungen, einen aus deutscher Sicht perfekten Sieger. Doch all das wirkte ohne Fans und mit nur rund 100 Augenzeugen an der Schanze grotesk, skurril und unwirklich. Ist eine Geistertournee besser als gar keine Tournee? Wahrscheinlich. Kann man dies wirklich genießen? Wahrscheinlich nicht.