Serie A: Wie eine Zigarette Szczesnys Totti-Traum bei Arsenal zerstörte

SPOX

Wojciech Szczesny ist aktuell einer der besten Torhüter der Welt, spielt zudem mit Juventus Turin bei einem der besten Klubs der Welt. Dennoch hätte er seine Karriere gerne anders gestaltet. Wie ihn eine Zigarette einst um seinen Traum brachte, der Francesco Totti des FC Arsenal zu werden. Vor dem Halbfinal-Rückspiel der Coppa Italia zwischen Juve und dem AC Mailand (21 Uhr LIVE auf und im ) blickt SPOX zurück.

"Ich bin wahrscheinlich der beste Torhüter der Welt und der Geschichte", sagte Wojciech Szczesny vor einiger Zeit - mit einem Augenzwinkern.

"Als ich bei der Roma war, war der aktuell beste Torhüter der Welt, Alisson, mein Back-Up. Jetzt ist mein Vertreter einer der größten Spieler der Geschichte", erklärte Szczesny, aktuell bei Juventus Turin die Nummer 1 vor einem gewissen Gianluigi Buffon, seine Theorie der Przeglad Sportowy.

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Eine Aussage, wie sie zum Polen passt: "Er hat einen verrückten Sinn für Humor", sagt Tony Roberts, von 2011 bis 2015 Szczesnys Torwarttrainer beim FC Arsenal, im Gespräch mit SPOX und .

Wojciech Szczesny: Noch lieber wäre er beim FC Arsenal

Ernst meint er es nur, wenn er auf dem Platz steht. Dann aber so richtig. In der an diesem Wochenende neu startenden Serie-A-Saison kommt Szczesny in bisher 19 Spielen auf eine Fangquote von 79,76 Prozent, in den Top-5-Ligen weist unter den Stammtorhütern nur Alisson (80,36 Prozent) beim FC Liverpool bessere Zahlen auf. Zudem ist Szczesny einer von nur vier Stammtorhütern, die von außerhalb des Sechzehners noch ohne Gegentor dastehen.

Ohne Zweifel: Szczesny gehört aktuell zu den besten Torhütern der Welt, spielt zudem bei einem der besten Klubs der Welt.

Sein Herz allerdings gehörte nicht immer Juventus Turin. Viel lieber wäre er bei seinem Jugendklub, dem FC Arsenal geblieben: "Ich vermisse es, im Emirates Stadium zu spielen. [...] Mein Traum war es immer, den Gerrards, Scholes' und Tottis dieser Welt zu folgen. Ich denke, es ist einfach schön, wenn man seine gesamte Karriere für einen Klub spielen kann", so Szczesny vor einigen Wochen im In Lockdown-Podcast der Gunners.

Doch wie kommt es dann, dass er heute mit Cristiano Ronaldo und nicht mit Mesut Özil die Kabine teilt?

Szczesnys Weg zu den Arsenal-Profis

Als 15-Jähriger wagt Szczesny 2006 den Sprung aus der Jugend von Legia Warschau in die U18 des FC Arsenal. Bereits zwei Jahre später geht es für ihn als erst dritter Torhüter in 20 Jahren ohne Umweg über die U23 zu den Profis.

"Schon als junger Mann war er sehr positiv und selbstbewusst. Er hatte vor nichts und niemandem Angst", zeigt sich Roberts, aktuell Torwarttrainer der walisischen Nationalmannschaft, auch vor rund zwei Wochen noch beeindruckt vom jungen Polen.

Bei den von Arsene Wenger trainierten Profis angekommen, muss sich Szczesny zunächst hinter Manuel Almunia und seinem polnischen Landsmann Lukas Fabianski anstellen. Um Spielpraxis zu sammeln, wird er schließlich in die dritte englische Liga nach Brentford verliehen - ein Glücksfall.

"Als er wiederkam, war er ein komplett anderer Torhüter. Er war noch selbstbewusster, es als Nummer Eins ins Tor des FC Arsenal zu schaffen. Ab da konnte man sehen, dass er hat, was es braucht, um ein großer Torhüter zu werden", erinnert sich Roberts.

Szczesny geht als Gewinner aus Arsenals Torhüter-Roulette hervor

Dann kommt die Saison 2010/11. Szczesny ist eigentlich dritter Torhüter und für die zweite Mannschaft vorgesehen, sitzt allerdings bereits am 7. Spieltag erstmals auf der Bank der Profis: Stammtorhüter Almunia muss mit einer Ellbogenverletzung pausieren.

Am 17. Spieltag ist schließlich auch Vertreter Fabianski angeschlagen, Szczesny ist plötzlich der einzige fitte Torhüter. Arsene Wenger bittet seinen Torwarttrainer Roberts um Rat: "Ich erinnere mich noch an die Gespräche darüber, ob er das Zeug hat, für die erste Mannschaft zu spielen. Ich hatte keine Zweifel daran, vor allem wegen seiner mentalen Stärke."

Diese zeigt Szczesny bei seinem Profidebüt gegen Manchester United meisterhaft, behält unter anderem im Elfmeterduell mit Wayne Rooney die Oberhand. Auch wenn die Partie 0:1 verloren geht, Szczesny hat sich bewährt.

In den folgenden vier Partien vertraut Wenger zwar wieder dem erfahreneren Fabianski. Als dieser sich vor dem 23. Spieltag allerdings schwerer verletzt, ist Szczesny die erste Wahl - und bleibt es bis Saisonende.

Sowohl der wiedergenesene Almunia als auch der aufgrund der Verletztensmisere zwischenzeitlich zurückgekehrte Jens Lehmann müssen sich im Verlauf der Restsaison hinter dem damals 20-Jährigen anstellen.

Wie eine Zigarette Szczesnys Ende beim FC Arsenal bedeutete

In den Folgejahren ist Szczesny unumstrittene Nummer 1 der Gunners, macht in den Saisons 2011/12 bis 2013/14 100 von 114 Premier-League-Spiele für den FC Arsenal und krönt die Zeit im Tor seines Herzensklub mit dem Gewinn des FA Cups 2014. "Egal, in welche Situation man ihn gesteckt hat, er hat sich bewiesen", lobt Roberts.

Doch dann kommt der Neujahrtags 2015 - ein Tag zum Vergessen, den Wojciech Szczesny wohl doch nie vergessen wird.

Arsenal ist beim FC Southampton zu Gast, die Gunners erwischen keinen guten Tag. Allen voran nicht Szczesny, er verschuldet beide Gegentore bei der 0:2-Niederlage. Den größten Fehler allerdings macht er nach dem Abpfiff.

"Wegen der Emotionen habe ich nach dem Spiel eine Zigarette geraucht", gab Szczesny kürzlich bei In Lockdown zu.

Er habe zwar gewusst, dass Trainer Wenger nicht wollte, dass in der Umkleide geraucht wird, die Situation setzte ihm allerdings zu sehr zu - und als regelmäßiger Raucher griff er doch zum Glimmstängel.

Es folgt, was folgen muss: Wenger kommt Szczesny auf die Schliche, spricht ihn darauf an: "Er hat mich gefragt, ob es wahr ist und ich habe 'Ja' gesagt. Er hat mich bestraft und das war das Ende", beschreibt Szczesny die Situation.

Szczesnys Ende bei Arsenal: Erst auf die Bank, dann nach Italien

Das Ende nimmt Wenger wörtlich, setzt den damals 24-Jährigen für den Rest der Saison auf die Bank und verpflichtet für die folgende Saison Petr Cech vom FC Chelsea.

Für Szczesny, der betont, sich in der Folge professionell verhalten zu haben, kein Grund aufzugeben: Er entscheidet sich für eine Leihe zur AS Rom. "Ich versuchte ihm zu zeigen, dass ich immer noch der beste Torhüter des Vereins war. Das klingt seltsam, aber manchmal ist das der beste Weg, das zu tun."

Zwischen die Pfosten seines Herzensklubs zurückkehren darf Szczesny dennoch nicht mehr, Regelfanatiker Wenger lässt dies nicht zu. Auf eine weitere Leihe zur Roma folgt 2017 für rund 15 Millionen Euro der Transfer zu Juventus.

Wojciech Szczesny bei Juventus: "Er ist ein Schlüsselspieler"

Seine guten Leistungen in Rom bestätigt Szczesny auch bei der Alten Dame und löst nach einer Saison Arbeitsteilung zur Saison 2018/19 endgültig Juve-Legende Buffon, den es zu PSG zieht, ab.

Den traditionell schweren Stand als Nachfolger eines absoluten Klubidols hat Szczesny bei den Anhängern nicht lange, spielt sich stattdessen in ihr Herz: "Die Juve-Fans lieben ihn. Er redet nicht allzu viel, aber er hat sofort verstanden was es heißt, für Juve zu spielen", berichtet Romeo Agresti, Juve-Korrespondent bei Goal Italia.

Und auch in der Kabine ist Szczesny eine feste Größe: "Er ist ein Schlüsselspieler und wird von den anderen sehr respektiert. Mit Buffon hat er beispielsweise eine sehr spezielle Beziehung, aber auch die jungen Spieler sehen ihn als jemanden, der ihnen eine Menge Ratschläge geben kann", so Agresti weiter.

Ende gut, alles gut also?

Fast, glaubt man Szczesnys eigenen Worten bei In Lockdown: "Man tut sein Bestes, man ist professionell, aber es fehlt etwas und wird immer etwas fehlen. Der Schmerz, dieses Gefühl von damals nicht mehr ausleben zu können, ist aber auch etwas, das mich dazu bringen kann, es durchzustehen und wirklich die beste Karriere zu machen, die ich für mich machen kann."

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