Ein Sheriff für die Champions League

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Ein Sheriff für die Champions League
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Alles war so normal, wie es eben ist, wenn sich eine Mannschaft zum ersten Mal für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Der Jubel war ziemlich groß, Spieler und Betreuer bildeten ein riesiges Knäuel, und der Mittelfeldspieler Sebastien Thill aus Luxemburg sagte mit Blick auf die Auslosung am Donnerstagabend (18 Uhr im Liveticker bei SPORT1): “Wir wollen gegen die Besten der Welt spielen. Uns ist egal, gegen wen wir spielen.” So weit, so normal. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

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Der FC Sheriff Tiraspol spielt nun also gegen die Besten der Welt. Durch ein 0:0 am Mittwochabend beim kroatischen Rekordmeister Dinamo Zagreb (Hinspiel 3:0) qualifizierte sich der Rekordchampion der Republik Moldau erstmals für die Königsklasse - und trifft dort mit Real Madrid und Inter Mailand auf zwei allerfeinste Adressen im europäischen Fußball. (Alles zur CL-Auslosung)

Die Republik Moldau (umgangssprachlich Moldawien) ist damit die 34. Nation, die mit einem Klub in der Gruppenphase vertreten ist - freilich durch einen Klub, der gar nicht in Moldau beheimatet ist.

Transnistrien mit sowjetischer Vergangenheit

Tatsächlich ist beim FC Sheriff Tiraspol so gut wie nichts normal. Das geht schon damit los, dass Tiraspol in Transnistrien liegt, einem Landstrich im Osten von Moldau an der Grenze zur Ukraine. Die Region hat sich 1990 für unabhängig erklärt, sie ist de facto ein eigener Staat mit eigener Verwaltung und Währung - obwohl kein Land sie als solchen anerkennt. Knapp 500.000 Menschen leben dort, doch weil Transnistrien arm ist, ziehen immer mehr weg. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Tatsächlich ist Transnistrien auch eher eine Firma. Eine Firma namens Sheriff, die, der Name lässt es vermuten, im Juni 1993 von ehemaligen Polizisten aus der Sowjetunion als Sicherheitsfirma gegründet wurde. Daraus ist ein Großkonzern entstanden, der in Transnistrien 60 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet: Sheriff gehören eine Wohnungsbaugesellschafft, eine Supermarktkette, ein TV-Sender, Banken, Casinos und vieles mehr.

Damit nicht genug: Die Partei “Erneuerung” verfügt über 29 der 33 Sitze im transnistrischen Parlament - sie ist genau genommen der politische Arm von Sheriff. Präsident von Transnistrien ist seit 2016 der frühere Armee-Oberst Wadim Krasnoselski, zuvor Sicherheitschef von: Sheriff. Und schließlich: Einer der zwei Gründer von Sheriff ist Viktor Guschan, wenig überraschend Präsident und Gönner des firmeneigenen Fußball-Klubs.

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Der FC Sheriff ist auch so ziemlich das Einzige, das Transnistrien noch mit Moldau verbindet. Der Klub, 1996 gegründet, seit 1998 erstklassig, ist in der ersten Liga von Moldau mittlerweile 19 Mal Meister geworden.

Klub verfügt über erhebliche finanzielle Mittel

Nur der FC Dacia Chisinau (2011) und der FC Milsami aus der Stadt Orhei (2015) kamen den “Wespen”, wie die Spieler des FC Sheriff wegen der Vereinsfarben Gelb und Schwarz genannt werden, überraschend dazwischen.

Der Klub aus Tiraspol hat wenig überraschend erhebliche finanzielle Mittel: Er verfügt über ein sehr modernes Trainingsgelände und ein schickes, 200 Millionen Dollar teures Stadion. Der Kader ist international. In der Startelf gegen Zagreb stand nur ein Spieler mit einem moldauischen Pass: Silva Henrique de Sousa Luvannor, ein 2013 eingebürgerter Brasilianer.






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