"Die Sicht ist essenziell": Alonsos Erkenntnisse nach erster Dakar-Woche

Gerald Dirnbeck
motorsport.com

Nach sechs von zwölf Etappen der Rallye Dakar in Saudi-Arabien ist Fernando Alonso auf dem 16. Platz der Gesamtwertung zu finden. Der Rückstand des Rookies beträgt drei Stunden und 47 Minuten. Die meiste Zeit verlor der Toyota-Fahrer am zweiten Tag, als er sich links vorne das Rad abriss und gemeinsam mit seinem Beifahrer Marc Coma die Radaufhängung reparieren musste.

Abgesehen von diesem zweiten Tag lauteten Alonsos Tagesergebnisse Platz elf, Platz vier, Platz 13, Platz sieben und Platz sechs. Dreimal war der zweimalige Formel-1-Weltmeister und Le-Mans-Sieger in den Tagesergebnissen in den Top 10 zu finden. Das zeigt, dass Alonso auch im Offroad-Sport zu den Topfahrern zählt.

Würde er ohne dem Missgeschick am zweiten Tag um die Führung kämpfen können? "Nein, das glaube ich nicht", antwortet Alonso auf diese Frage. "Kontinuierlich hätte ich Positionen verloren. An einem Tag habe ich eineinhalb Stunden verloren, an einem anderen Tag 20 Minuten, an einem weiteren 15. Ohne dem Problem am zweiten Tag würde ich 45 oder 50 Minuten zurückliegen."

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Alonso denkt von Tag zu Tag

"Ich habe ohnehin nie an das Gesamtklassement gedacht. Man will natürlich gute Etappen fahren und einen guten Tag haben, eine gute Pace fahren. Wenn jemandem vor mir etwas passiert, kann ich diese Positionen einfach gewinnen. Wichtig ist, dass man den Rhythmus der ersten sechs, sieben Leute fährt. Das ist für mich schon eine große Freude, weil ich nicht aus dieser Disziplin komme."

"Für mich ist alles neu. Aus Fahrersicht steht man vor verschiedenen Herausforderungen. Das Auto verhält sich von Beginn einer Etappe bis zum Ende komplett anders. Man fängt mit 400 Litern Benzin an und hat am Ende nur noch 30, 40 Liter. Das ist ein großer Unterschied beim Gewicht. Man fährt auf Sand, Asphalt und Schotter."

"Das Griplevel ändert sich ständig und man muss sich jeden Kilometer anpassen. In den ersten sechs Etappen gab es von allem etwas. Jede dieser Herausforderungen ist für mich aus Fahrersicht neu", sagt Alonso. "Ich versuche so viel wie möglich zu lernen. Die Sicht ist essenziell. Wenn man gute Sicht hat, kann man den Rhythmus der Führenden fahren."

Wie viel Risiko kann man eingehen?

Steckt man im Staub eines Vordermannes fest, dann kann rasch etwas schiefgehen. Das erlebte Alonso am zweiten Tag, als er eine Bodenunebenheit nicht sah und das Rad beschädigte. Deswegen sind Tagesergebnisse in den Top 10 wichtig, denn dann fährt Alonso knapp hinter den Topfahrern, die schneller sind und er somit freie Bahn hat und sich an den Spuren orientieren kann.

Abgesehen von einem Tag kam Alonso bisher relativ gut durch die Etappen

Abgesehen von einem Tag kam Alonso bisher relativ gut durch die Etappen <span class="copyright">Toyota</span>
Abgesehen von einem Tag kam Alonso bisher relativ gut durch die Etappen Toyota

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"Die ersten beiden Tage wollten wir ohne Zwischenfälle überstehen und sind mit 70 oder 80 Prozent gefahren, um Fehler zu vermeiden. Aber es ist etwas passiert, obwohl wir langsam gefahren sind. In den vergangenen Tagen hatten wir das nicht im Kopf und alles lief besser", sagt der Spanier. "Man weiß nie, was riskanter ist. Ob man mit 90 Prozent oder mit 70 fährt."

Lob gibt es von seinem Toyota-Teamkollegen Nasser Al-Attiyah, der um den Gesamtsieg kämpft: "Eine sehr gute Woche. Er hatte einen Tag Pech, aber seine Performance überrascht mich. Ich weiß, dass er ein harter Kerl ist. Das ist gut, denn das bedeutet, dass er auch im nächsten Jahr die Dakar fahren wird." Bestätigt ist das allerdings noch nicht.

Nasser Al-Attiyah wünscht sich Jenson Button bei der Dakar

"Wir brauchen ihn und ich bin mir sicher, er wird weitere Formel-1-Fahrer bringen", glaubt Al-Attiyah und hat einen bestimmten Namen im Kopf: "Vielleicht Jenson Button. Warum nicht? Ich habe Jenson bei der Baja 1000 in Mexiko gesehen. Er ist dort gefahren. Also warum sollte er nicht auch die Dakar machen?"

Button, Formel-1-Weltmeister 2009, bestritt die Baja 1000 im vergangenen Herbst. Sein Offroad-Abenteuer war aber nicht von Erfolg gekrönt, denn er strandete mehr als 15 Stunden in der Wüste. Von so einem Abenteuer ist Alonso bisher in Saudi-Arabien verschont geblieben. Noch steht der 38-Jährige bei Halbzeit und sein Ziel lautet, auch die zweite Woche zu überstehen.

"Wir werden sehen, wie hart die zweite Woche wird", blickt Alonso voraus. "Ich habe von Beginn an gesagt, dass das Endergebnis davon abhängt, wie hart das Rennen ist. Ich habe viele Dakars im Fernsehen verfolgt. An einem Tag kann man 40 Minuten verlieren, oder jemand hat ein technisches Problem. In dieser Dakar ist den ersten fünf, sechs Fahrern noch nichts passiert. Wenn in der zweiten Woche etwas passiert, kann man rasch zwei, drei Positionen gutmachen."

Mit Bildmaterial von Toyota.

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