Sieben Jahre bewegungslos: Olme sind die Könige unter den Faul-Tieren

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Ein Grottenolm im slowenischen Gebirge. Die Salamanderart lebt in feuchten Höhlen und ist sehr bewegungsunlustig. (Bild: Getty)
Ein Grottenolm im slowenischen Gebirge. Die Salamanderart lebt in feuchten Höhlen und ist sehr bewegungsunlustig. (Bild: Getty)

Der faulste Salamander der Welt wohnt tief im Dinarischen Gebirge. Forscher fanden heraus, dass er sich sieben Jahre lang nicht bewegt hat.

Nun haben Salamander ohnehin nicht den Ruf wie etwa Bienen oder Ameisen, dass sie besonders fleißig und geschäftig wären. Dafür haben viele Arten im Gegensatz zu den eben erwähnten Krabblern erstaunlich lange Lebensspannen. Möglicherweise gibt es da einen Zusammenhang. Doch eine besondere Grottenolmart treibt es mit der ruhigen Kugel auf die Spitze.

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In den Höhlen des Dinarischen Gebirges wohnt ein Salamander, der sich so gut wie überhaupt nicht bewegt und sich nur alle zwölfeinhalb Jahre fortpflanzt. Der kleine weiße Olm, wissenschaftlich als Proteus klassifiziert, wird von den Slowenen “Menschenfisch” oder “Baby Drachen” genannt. Er ist inzwischen so etwas wie ihr geheimes Wappentier. Einige Exemplare können weit über hundert Jahre alt werden. Das Leben der Amphibien ist gar nicht so leicht zu dokumentieren, da sie ausschließlich in den feuchten, tiefen Höhlen des Gebirges vorkommen. Doch eine neue Studie von Tauchern dokumentiert zeigt jetzt, dass sich manche der Olme in einer Dekade weniger als insgesamt zehn Meter bewegt haben. Ein Salamander ist dabei der König unter den Couchpotatoes. Er hat sich in sieben Jahren kein einziges Mal bewegt.

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Hier wurde ein Olm in einer kurzen aktiven Phase erwischt. Vermutlich war gerade Paarungszeit in den Grotten. (Bild: Getty)
Hier wurde ein Olm in einer kurzen aktiven Phase erwischt. Vermutlich war gerade Paarungszeit in den Grotten. (Bild: Getty)

Faule “Baby Drachen”als Bio-Indikator

Im Ökosystem der Höhlen haben die blinden Olme wenig zu befürchten. Natürliche Feinde gibt es in den Tiefen für sie nicht. Sehr gesellig sind die Amphibien von Natur aus ebenfalls nicht und sie können mehrere Jahre ohne Nahrungsaufnahme überleben. Die kleinen Krabben und Schnecken, die sie fressen, sind auch nicht gerade fix unterwegs. Eigentlich haben sie also nur einen Anlass, sich zu bewegen: Wenn die Paarungszeit gekommen ist - und das passiert eben nur alle zwölfeinhalb Jahre. Acht Jahre lang begleitete das Forscherteam aus Ungarn die Olmpopulation im Osten von Bosnien-Herzegovina. Mittels der “Capture-mark-recapture” Technik gelang es ihnen, die Bewegungsmuster der Olme zu verfolgen. Dabei werden die Tiere eingefangen, markiert und dann bis zur nächsten Messung wieder freigelassen.

Der ungarische Wissenschaftler Gergely Balázs, der das Projekt leitete, wusste in der Fachzeitschrift The New Scientist zu berichten: “Meistens hängen sie einfach herum und machen eigentlich fast gar nichts.” Doch so faul die Olme auch sein mögen, die Ergebnisse der Studie können dennoch aufschlussreich für die Entschlüsselung des Ökosystems sein. Sowohl der Einfluss der Amphibien auf die Wassersysteme des Gebirges, das viele Menschen mit Trinkwasser versorgt, als auch umgekehrt der menschliche Einfluss auf das Ökosystem lassen sich an ihrem Verhalten ablesen. Durch ihr langsames Reproduktionsverhalten und die geringe Aktivität seien die Olme besonders gut geeignet, um als sensibler Bio-Indikator Veränderungen im Ökosystem der Höhlen anzuzeigen, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

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