Eiszeit beendet: Das neue beste Team der Liga

Franziska Wendler
·Lesedauer: 4 Min.
Eiszeit beendet: Das neue beste Team der Liga
Eiszeit beendet: Das neue beste Team der Liga

Fast ein Jahr ist es inzwischen her, dass Rudy Gobert auf einer NBA-Pressekonferenz für einen Skandal sorgte.

Weil er den zu Beginn der Coronapandemie von der Liga vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu den Journalisten für Blödsinn hielt, berührte er extra alle Mikrofone und Aufnahmegeräte der Pressevertreter, um sich über die Maßnahmen lustig zu machen.

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Auch in der Kabine ging der Franzose allzu sorglos mit der Gefahr um, klatsche Mitspieler ab und missachtete Regeln.

Dass Gobert im Anschluss als erster NBA-Profi positiv getestet - und nach Bekanntwerden der Erkrankung die NBA-Saison bis auf weiteres unterbrochen wurde, sorgte vor allem bei einem für richtig Ärger: Donovan Mitchell.

Der Shooting Guard der Jazz zeigte sich mächtig sauer auf seinen Teamkollegen, nicht nur, weil er später selbst positiv getestet wurde.

Eiszeit zwischen Gobert und Mitchell beendet

Die Stimmung zwischen den beiden Basketball-Profis war am Tiefpunkt, wochenlang redeten beide kein Wort miteinander. Dass sich das Verhältnis noch einmal normalisieren würde, war lange Zeit nicht abzusehen. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Ein knappes Jahr später ist aus den beiden Streithähnen ein - zumindest auf dem Feld - harmonisches und glückliches Duo geworden. Beide haben langfristige Verträge unterzeichnet und sind Teil einer ganz besonderen Mannschaft. Denn mit einer bärenstarken Bilanz von 26 Siegen bei nur sechs Niederlagen thronen die Utah Jazz auf Rang eins der Western Conference – noch vor Teams wie den Lakers und Clippers.

Eben jene Lakers mussten in der Nacht gegen die Jazz eine bittere 89:114-Niederlage einstecken. Auch wenn mit Anthony Davis und Dennis Schröder zwei wichtige Lakers-Spieler fehlten, der deutliche Sieg gegen das Team um Superstar LeBron James war ein deutliches Statement.

Wie so viele Partien in den vergangenen Wochen. Mit den Bucks, Celtics, 76ers und den Clippers mussten diverse Playoff-Kandidaten deftige Niederlagen hinnehmen.

Kerr glaubt an Stärke der Jazz

Dass sich in Utah ein wahrer Playoff-Contender entwickelt, wusste Erfolgscoach Steve Kerr schon Ende Januar. Da hatten seine Warriors bereits nach dem dritten Viertel gegen die Jazz mit 36 Punkten in Rückstand gelegen.

"Sie versuchen gerade, eine Meisterschaft zu gewinnen, und ich denke, sie sind dazu in der Lage. Sie sind da, wo wir vor drei, vier Jahren waren", erläuterte Kerr.

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2017 und 2018 schafften es die Warriors in die Finals und ließen dort den Cleveland Cavaliers nicht den Hauch einer Chance.

Chance auf den NBA-Titel?

22 der vergangenen 24 Spiele konnten sie gewinnen, 20 davon mit einem zweistelligen Punkte-Vorsprung. Neben der besten Bilanz der Liga sind die Jazz zudem das einzige Team, das sowohl in der Effizienz der Offense als auch der Defense unter den Top 5 liegt.

In Sachen Star-Power kommt Utah zwar nicht ganz an die Lakers mit LeBron James und Anthony Davis oder die Nets mit Kevin Durant, James Harden und Kyrie Irving heran – Gobert und Mitchell präsentieren ihre Qualitäten aber dennoch eindrucksvoll und werden von starken Akteuren wie Mike Conley, Joe Ingles oder Bank-Waffe Jordan Clarkson unterstützt.

Der französische Center agiert als dominante Defensivkraft, der einen Rebound nach dem anderen holt, Mitchell zeigt sich als dynamischer Scorer und sich entwickelnder Spielmacher, der in den vergangenen Playoffs mit 36,3 Punkte, 5,0 Rebounds und 4,9 Assists brillierte.

Wer weiß, wie weit es in der Bubble für die Jazz gegangen wäre, hätte Mike Conleys Versuch in letzter Sekunde in der dramatischen Erstrundenserie gegen Denver den Weg durchs Netz gefunden.

Utah-Profis wollen fokussiert bleiben

Die anderen NBA-Teams haben Utah längst als ernsthafte Gefahr erkannt. So erklärte MVP Giannis Antetokounmpo, die Jazz seien "das beste Team im Westen" - und ihre Spielweise sähe "einfach nach Spaß aus."

Ein Eindruck, an dem Head Coach Quin Snyder großen Anteil hat. Gelang es ihm doch, dass der Corona-Streit weder das Star-Duo noch das Team auseinanderriss, sondern es weiter zusammen schweißte.

Die Spieler selbst wollen vom Lob der Konkurrenz allerdings nicht wissen. Noch habe man nichts erreicht, was es zu feiern gäbe, erklärte Mitchell kürzlich nach dem Sieg gegen die Milwaukee Bucks: "Wir wollen nicht im Februar das beste Team sein, sondern im Juli."

Utah ist auf dem besten Weg dahin.