Skandal mit Ansage! Darum zickte Verstappen rum

Der erste Karrieresieg von Mercedes-Youngster George Russell beim GP von Sao Paulo wurde durch das Verhalten von Weltmeister Max Verstappen kurz vor der Zieldurchfahrt und vor allen Dingen danach zur Nebensache. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Was war passiert? Der niederländische Red-Bull-Pilot, der schon seit Japan als Weltmeister feststeht, erhielt kurz vor der letzten Runde einen unmissverständlichen Funkspruch von seinem Renningenieur Gianpiero Lambiase: „Max, lass Checo bitte vorbei.“ (NEWS: Dicke Luft bei Red Bull)

Verstappens Teamkollege Sergio Pérez braucht jeden Punkt, um den Vizetitel gegen Ferrari-Fahrer Charles Leclerc einzutüten. Doch Verstappen verweigerte die Bitte – man kann auch sagen, den Befehl. Er behielt seinen sechsten Platz, Pérez wurde nur Siebter und bekam zwei Punkte weniger zugesprochen als vom Red-Bull-Team geplant. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Danach eskalierte die Situation. Pérez wetterte über Funk: „Das zeigt, wer er wirklich ist!“ Verstappen schoss zurück: „Ich habe es euch schon im Sommer gesagt. Fragt mich das nicht noch einmal, okay? Ist das klar? Ich habe meine Gründe genannt. Und ich stehe dazu.“

Verstappen und Perez: Bruch in Monaco

Beim Namen nennen wollte er die Motivation hinter seinem Ungehorsam zwar nicht - aber es geht um das Qualifying beim Großen Preis von Monaco im Mai. (NEWS: Chaos-Quali in Monaco!)

Beim gnadenlosen Ritt durch die engen Häuserschluchten des Fürstentums, bei dem der Startplatz wichtiger ist als irgendwo sonst, lag Pérez hinter den beiden Ferrari-Piloten auf Platz drei - aber vor Teamkollege Verstappen. Der Mexikaner war vor dem amtierenden Champion auf der Strecke unterwegs, beide in ihrer letzten entscheidenden Runde.

Die Zwischenzeiten zeigten: Pérez drohte hinter den Niederländer zu fallen, der mit zwei Zehntelsekunden Vorsprung sogar auf Pole-Kurs lag. Dann aber drehte sich der Mexikaner ungeschickt in die Mauer vor dem Tunneleingang und blockierte die Piste. Es gab eine Rote Flagge, das Training wurde abgebrochen. Pérez blieb Dritter, Verstappen Vierter und musste hinter seinem Teamkollegen starten.

Einen Tag später gewann Pérez das Rennen. Den Grundstein hatte er mit dem dritten Platz in der Startaufstellung gelegt, während Verstappen nach verpatzten Boxenstopps nur Dritter wurde.

Deswegen sind Red Bull die Hände gebunden

Das aber regte den Niederländer nicht auf. Vielmehr war es die Tatsache, dass Pérez im Qualifying mit Absicht in die Mauer gefahren war, um eine Rote Flagge zu provozieren und um jeden Preis vor dem Teamkollegen zu bleiben.

Das, so hört man, hätten die Telemetriedaten des Mexikaners bei seinem Unfall eindeutig bewiesen. Es reicht aber schon ein Blick in die Onboard-Aufnahmen des Unfalls. Ein verräterischer Gasstoß in der Kurve vor dem Tunneleingang überführt Pérez.

Red Bull und Verstappen wussten das. Das Team aber unternahm auch intern nichts, Verstappen fühlte sich deswegen betrogen und teilte Teamchef Christian Horner mit, dass er Pérez in Zukunft unter keinen Umständen helfen würde. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Das Problem: Der Vorfall kann für Red Bull gravierende Folgen haben. Denn wenn der Automobilweltverband FIA ihn jetzt untersucht, könnte es drastische Strafen wegen eines mit Absicht herbeigeführten Unfalls geben.

Formel 1: Präzedenzfälle gibt es genug

Es gibt sogar Präzedenzfälle: 2008 musste Nelson Piquet Jr. auf Wunsch des Teams in Singapur absichtlich in die Mauer fahren, um Fernando Alonso zum Sieg zu verhelfen. Teamchef Flavio Briatore wurde damals auf unbestimmte Zeit gesperrt. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Bereits 2006 hatte Michael Schumacher seinen Ferrari in Monaco in der Rascasse bei Tempo 40 geparkt, um die Pole-Position seines WM-Rivalen Fernando Alonso zu verhindern. Er musste daraufhin von ganz hinten starten. (NEWS: Wie Witz Schumacher-Eklat auslöste)

2014 verbremste sich Nico Rosberg im Qualifying von Monaco absichtlich, verhinderte so die Pole seines Erzrivalen Lewis Hamilton. Der Deutsche konnte damals zwar nicht überführt werden, aber die Aktion hat das Tischtuch zwischen ihm und Lewis Hamilton endgültig zerschnitten. (BERICHT: Rosberg vs. Hamilton: Ziemlich beste Feinde)

Eine nachträgliche Strafe könnte auch Pérez drohen, falls die FIA dem Mexikaner aufgrund neu aufgetauchter Beweise Absicht beweisen kann. Verstappen wäre das egal.

Verstappen bevorzugt anderen Teamkollegen

Der Niederländer würde lieber den bei McLaren ausrangierten Daniel Ricciardo als alten und neuen Teamkollegen haben. Die beiden fuhren drei Jahre von 2016 bis 2018 bei Red Bull. Sie lieferten sich beinharte Duelle auf der Piste, in Baku krachte es sogar, aber - und das ist entscheidend: Beide respektieren sich.

Fast noch schlimmer für Red Bull ist: Das Tischtuch zwischen Gerechtigkeitsfanatiker Verstappen und Teamchef Horner scheint zerschnitten.

Red-Bull-Chefberater Helmut Marko, der Vertraute Verstappens im Team, muss jetzt vermitteln, sonst droht Red Bull sogar sein Wunderkind zu verlieren. Denn der steht zu seinen Werten. Das kann er auch, denn er weiß: Alle Teams, einschließlich Neueinsteiger Audi, würden das Lenkradgenie mit Kusshand nehmen. (NEWS: Audis Plan mit Schumacher)

Fest steht: Ex-RB-Leipzig-Chef Oliver Mintzlaff, der nach dem Tod von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz beim Getränkekonzern verantwortlich für das Formel-1-Projekt sein wird, muss bereits einen Flächenbrand löschen, bevor er in seinem neuen Job überhaupt richtig angefangen hat.

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