Hertha suspendiert Kalou nach Skandal-Video

Lukas von Hoyer, Johannes Fischer, Robin Wigger
Sport1

Mitten in die Hoffnung auf einen baldigen Bundesliga-Neustart sorgt Salomon Kalou für einen faustdicken Skandal.

Der Profi von Hertha BSC postete am Montagmittag ein Live-Video auf Facebook, in dem der 34-Jährige die strengen Hygieneregeln der Bundesligisten der Lächerlichkeit preisgibt.

In einer ersten Reaktion verurteilte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) das Video als "absolut inakzeptabel".

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Am Abend zog der Klub nach und suspendierte Kalou.

"Salomon Kalou hat mit dem Video aus der Kabine gegen teaminterne grundlegende Regeln verstoßen und ein Verhalten gezeigt, welches weder der Situation angemessen ist noch den Verhaltensregeln des Vereins entspricht. Hertha BSC hat daher entschieden, ihn mit sofortiger Wirkung vom Trainings- und Spielbetrieb zu suspendieren."

Michael Preetz erklärte: "Salomon Kalou hat mit seinem Video nicht nur Hertha BSC einen großen Schaden zugefügt, sondern vor allem in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs und die Rolle des Profifußballs den Eindruck erweckt, dass einzelne Spieler das Thema Corona nicht ernst nehmen."

Der Manager weiter: "Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass wir alle Beteiligten intensiv auf die Hygiene- und Abstandsregeln hingewiesen haben und auf deren konsequente Einhaltung achten. Wir orientieren uns klar an den Maßgaben der für uns zuständigen Gesundheitsbehörde und den Empfehlungen des RKI. Hertha BSC bedauert das Verhalten von Salomon Kalou zutiefst. Zumal es sich um einen gleichermaßen verdienten wie erfahrenen Spieler handelt. Das Ausmaß des Fehlverhaltens erfordert jedoch konsequentes Handeln."

Was ist in dem Video zu sehen?

Zunächst zeigt sich der Ivorer gut gelaunt und singend in seinem Auto auf dem Weg zum Berliner Trainingsgelände. Als er sein Ziel erreicht, betritt er zunächst das Büro von Athletiktrainer Henrik Kuchno, dem er die Hand gibt. Die Kamera läuft ununterbrochen. 

Kalou klatscht mit Teamkollegen ab

Als Kalou dann in die Kabine kommt, sieht man vier seiner Teamkollegen auf den Bänken sitzend. Alle halten den Mindestabstand ein, Kalou gibt zweien einen "Fist Bump" klatscht dann aber herzlich mit Vedad Ibisevic ab und nimmt nahe dem Stürmer Platz. 


"Salomon Kalou hat mit seinem Video den Eindruck vermittelt, dass die Spieler von Hertha BSC die vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln seitens der Gesundheitsbehörden nicht ernst nehmen. Hertha BSC möchte festhalten, dass dies die Verfehlung eines einzelnen Spielers war", teilte der Klub mit.

Die Tatsache, "dass andere Teammitglieder ihn nicht auf diese Verfehlung aufmerksam gemacht haben und stattdessen den Gruß per Handschlag erwidert haben, verdeutlicht, dass die regelmäßigen Hinweise auf die Abstands- und Hygieneregeln noch intensiver ausfallen müssen."

Kalou nimmt einen Brief aus seinem Spind und hält ihn in die Kamera. Es handele sich um seine Gehaltsabrechnung, sagt er anschließend auf Französisch. In der Folge lässt er sich nämlich mit Teamkollege Ibisevic über die Gehaltskürzungen aus. "Es sind elf Prozent", sagt Kalou. 

"Ich verstehe es nicht", ist Ibisevic aus dem Hintergrund zu hören. "Das ist verrückt, Bro. Ich verstehe nicht, warum sie das machen. Ich werde ihn fragen: Verarscht ihr uns?" Ob Ibisevic den Livestream bemerkte, ist nicht zu erkennen.


Anschließend macht sich Kalou auf den Weg aus der Kabine - und dann kommt es noch dicker: Kalou betritt ein Behandlungszimmer, in dem sich Jordan Torunarigha wohl gerade einem Corona-Test unterzieht. David de Mel, der die Probe des Hertha-Profis nahm, appellierte an Kalou, als er sah, dass dieser das Geschehen filmte: "Sala, bitte! Lösch das bitte!"



Dem Physiotherapeut des Hauptstadtklubs war offensichtlich nicht klar, dass er in diesem Moment teil eines Live-Videos wurde. Eines Live-Videos, nach dem Ärger programmiert ist.

Kalou zweifelte an Umsetzung des DFL-Konzepts

Besonders bizarr ist Kalous Verhalten vor dem Hintergrund seiner eigenen Aussagen, die er unlängst in einem Interview mit dem englischsprachigen TV-Sender BBC Sport Africa tätigte. "Wir alle lieben den Fußball, auf dem Platz, vor dem Fernseher. Aber wir sollten niemanden einem Risiko aussetzen, nur weil wir das Spiel lieben", hatte er gesagt.

Kalou weiter: "Alle müssen geschützt und vor allem gesund sein. Wir müssen sicherstellen, dass das gegeben ist, bevor wir daran denken, wieder zu spielen. Die Gesundheit aller ist das Wichtigste." 

Allerdings zweifelte er bereits an der Umsetzung der DFL-Maßnahmen.


"Ich bin gespannt, ob sie das hinkriegen", meinte Kalou, da Fußball nun mal ein Kontaktsport sei: "Am Ende des Tages sind Berührungen unvermeidlich. Man muss Kontakt haben, man muss Kontakt herstellen, wenn man Fußball spielen will", sagte er - und hatte dabei auch das Infektionsrisiko im Sinn.

"Ich weiß nicht, wie wir das schaffen werden. Wir müssen reisen, um zu spielen, bei Auswärtsspielen in ein Hotel. Ich bin sehr neugierig, wie das alles funktionieren soll. Ich hoffe, die Maßnahmen werden alle greifen."

Zum Erfolg dieser Maßnahmen gehört allerdings auch die Disziplin der Profis.

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