Skandal-Profi zurück! Diese Personalie wirft Fragen auf

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Skandal-Profi zurück! Diese Personalie wirft Fragen auf
Skandal-Profi zurück! Diese Personalie wirft Fragen auf

Diese Radsport-Personalie wirft Fragen auf!

Die Zeit von Alexander Winokurow bei der kasachischen Astana-Mannschaft endete eigentlich mit einem Knall. Nur einen Tag vor der Tour de France wurde der frühere Radstar als Teamchef abgesetzt.

Bei der Frankreich-Rundfahrt durfte der ehemalige Skandalprofi nicht einmal anwesend sein. (NEWS: Alles Wichtige zum Radsport)

Das Team gab “persönliche Gründe” für die Entscheidung an. Der Olympiasieger von London wehrte sich aber gegen die Aussagen.

In einer selbst gedrehten Aufnahme, die er dem kasachischen Fernsehen zur Verfügung stellte, brachte er sein Unverständnis zum Ausdruck und kündigte sogar an, mit rechtlichen Schritten gegen die Entlassung vorzugehen.

Skandal-Profi Alexander Winokurow zurück

Nur zwei Monate später folgte nun die Kehrtwende: Der einst wegen Dopings gesperrte Winokurow kehrt zurück - als Teamchef.

Der 47-Jährige, der 2007 seine aktive Karriere beendet hatte, trifft fortan also alle Entscheidungen über Fahrer, Mitarbeiter und sonstige Abläufe im Sport-Segment.

“Alexander Winokurow wurde für die Saison 2022 erneut zum sportlichen Leiter des Teams ernannt und wird die Rekrutierung von Fahrern und Mitarbeitern sowie die sportlichen Aktivitäten überwachen”, hieß es in einer Erklärung des Teams.

Das Team hatte jemand gesucht, der die sportliche Zukunft sichert. Winokurow soll mit seiner Erfahrung nun einen Neuaufbau starten und mit Sponsoren sowie Fahrern verhandeln.

Jens Voigt spricht sich für Winokurow aus

Jens Voigt begrüßt im Gespräch mit SPORT1 die Entscheidung von Astana, da man nicht die Mitarbeiter des Rennstalls für frühere Verfehlungen Winokurows bestrafen solle: “Es geht immerhin um 60 bis 65 Arbeitsplätze.”

Zwar sei der ehemalige Rennfahrer wegen Dopings gesperrt gewesen, aber “ist es das wert, diesen 60 bis 65 Leuten den Job zu nehmen, nur weil man sagt, man will diesen Mann im Sport nicht mehr?”, sagte Voigt.

Dabei müsse man laut Voigt schon hinterfragen, wie weit man mit seiner politischen Korrektheit gehen wolle. “Ich denke schon, dass es deshalb weitergehen sollte mit Winokurow”, positionierte sich der 49-Jährige klar.

Dennoch dürfe man sich vor der Vergangenheit des Kasachen nicht verschließen. Der Rennstall “ist durchaus ambivalent zu sehen mit Vino. Man kann nur hoffen, dass er seine Lektion gelernt hat damals und sich alles zum Besseren gewendet hat.”

Auch finanzielle Fragen sind laut dem Astana-Team geklärt. “Die Zukunft des Astana-Teams im WorldTour-Peloton ist für 2022 gesichert, da die kasachischen Anteilseigner des Teams bestätigt haben, dass sie auch in der kommenden Saison als Teambesitzer und Titelsponsor auftreten werden”, heißt es in der Stellungnahme.

Kanadischer Sponsor löst Engagement auf

Der kanadische Co-Titelsponsor Premier Tech kündigte erst zwei Wochen zuvor an, seine Partnerschaft mit Astana zu beenden und die volle Kontrolle über die Mannschaft an die kasachischen Aktionäre zurückzugeben.

“Leider ist in unseren laufenden Diskussionen und Planungen für die Zukunft klar geworden, dass wir nicht die gleiche Vision teilen. Wir haben keine Einigung erzielen können, die für beide Seiten funktioniert”, erklärte Firmenchef Jean Bélanger.

Eine Sichtweise, die auch Voigt teilt. “Ich glaube, beide Seiten sind zu blauäugig an die Sache herangegangen”, beschrieb er die Situation und fügte gleich eine Erklärung hinzu: “Astana dachte sich, dass sie gerne das Geld nehmen wollen, aber die Geldgeber nicht mitbestimmen lassen wollen. Und die Kanadier dachten, sie machen eine gleichberechtigte Partnerschaft und dürfen mitentscheiden. Es war eine Zweckgemeinschaft statt einer Traum-Ehe.”

Eigentlich peilte der Rennstall, der aufgrund vieler Dopingfälle und seines vorbelasteten Personals sehr umstritten ist, eine westlichere Ausrichtung an. Mit dem Engagement von Premier Tech sollte ein erster großer Schritt in diese Richtung gemacht werden - auch die Entlassung Winokurows passte in den Kontext.

Astana-Entscheidung für Winokurow

Dieses Vorhaben scheint nun aber über den Haufen geworfen. Man hat sich für eine zweite Chance für Winokurow entschieden - und gegen den kanadischen Geldgeber.

“Am Ende des Tages waren sie sich nicht einig über Winokurow”, sagte eine Quelle, die Astana-Premier Tech nahe stehen soll, bei Cyclingnews: “Premier Tech wollte ihn loswerden, und sein Engagement im Team war der wichtigste Punkt, auf den sich die beiden Seiten nicht einigen konnten. Astana hat sich dafür entschieden, einen großen Geldgeber zu verlieren, um ihn zu retten.”

Ob die Zukunft - vor allem in finanzieller Hinsicht - des Teams trotz der Trennung von den Kanadiern wirklich so eindeutig gesichert ist, wie behauptet wurde, bleibt fraglich. Schließlich begannen Astanas Förderer zu Beginn der Corona-Pandemie, ihre finanziellen Zuwendungen zu reduzieren.

Spekulationen über Aus von Team Astana

Nach dem Rückzug der kanadischen Sponsoren stand sogar das Gerücht im Raum, dass die Mannschaft nicht mehr existieren könne. Dem widersprach man nun und machte deutlich: Die kasachischen Finanziers hätten die Unterstützung für die neue Saison beteuert.

Davon ist auch Voigt überzeugt - zumal Astana schon im Voraus wusste, dass der kanadische Sponsor bei einer Rückkehr Winokurows aussteigen würde. Daher habe man gehörig Vorlaufzeit gehabt, um sich auf dieses Szenario vorzubereiten und konnte “intern bereits seit drei Monaten diskutieren.”

Kasachstan würde seine inoffizielle Nationalmannschaft auch nicht einfach fallen lassen, ist sich Voigt sicher: “Im absoluten Notfall wird der Staat Kasachstan das Team retten oder alle kasachischen Sponsoren werden für ein Jahr mehr bezahlen. Ich denke, die sind relativ sicher.”

Winokurow als Baustein für zukünftigen Erfolg?

Unklar bleibt, mit welcher Mannschaft Astana in die neue Saison startet. “In naher Zukunft werden die Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen von Fahrern bekannt gegeben”, hieß es in der Team-Stellungnahme.

Voigt ist überzeugt, dass Astana aber auch in der kommenden Saison wieder eine starke Mannschaft an den Start stellen wird. “Ich denke, sie werden sehr konkurrenzfähig sein.”

Dabei könnte gerade die umstrittene Personalie Winokurow ein entscheidender Baustein des Erfolgs sein.

“Manchmal muss der Chef auch nicht Freund sein und harte Entscheidungen treffen. Vielleicht braucht es dort jemanden, der sagt: ‚So geht es nicht weiter.´ Vino ist jemand, der das kann. Er hat jahrelang schon diesen Job gemacht.”

Das Team Astana wird auf alle Fälle weiter für Schlagzeilen sorgen - allein schon wegen des umstrittenen Winokurow.

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