So heftig ist das einstige Überteam der NBA gebeutelt

Robin Wigger
·Lesedauer: 3 Min.

Die Golden State Warriors hatten große Pläne.

Nach einem verlorenen Jahr mit dem Abgang von Kevin Durant und den Verletzungen von Stephen Curry und Klay Thompson wollte das einstige Superteam in der Saison 2020/21 wieder angreifen und den Zweiflern beweisen, dass die Dynastie (fünf Finalteilnahmen und drei Titel zwischen 2015 und 2019) noch lange nicht am Ende ist.

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Ein fitter Curry (nach Handbruch), ein ebenso genesener Thompson (nach Kreuzbandriss), dazu ein motivierter Draymond Green, ein Scorer wie Andrew Wiggins und ein vielversprechender Rookie mit James Wiseman?

Das klingt nach einem Team, das sich vor niemandem verstecken muss. Zur Erinnerung: 2015 gewann Golden State mit den zwei Splash Brothers und Green die Meisterschaft, bevor Durant kam.

Thompson fällt mit Achillessehnenriss aus

Doch dann fand ein verhängnisvolles Freizeitspiel statt, an dem neben Thompson weitere aktuelle und ehemalige NBA-Stars teilnahmen. Ein Spiel, das eine NBA-Dynastie womöglich endgültig zerstörte. Denn Thompson zog sich einen Achillessehnenriss zu und fällt erneut für die komplette Saison aus.

Aus einem potenziellen Anwärter auf den Heimvorteil in den Playoffs, wenn nicht sogar auf die Meisterschaft, wird endgültig ein Team mit großen Fragezeichen. Denn mit Thompson fällt nicht nur ein verlässlicher 20-Punkte-Scorer und erstklassiger Shooter weg, sondern auch ein starker Verteidiger.

Zwar ist ein fitter Curry weiterhin einer der besten Spieler der Liga, auch bei Green ist davon auszugehen, dass er sich wieder steigern kann und seine Rolle als emotionaler und defensiver MVP erfüllt. Doch was kommt dahinter? Wiggins galt einst als Supertalent, kam über die Rolle als (ineffizienter) Scorer aber bislang selten heraus.

Der Forward muss sowohl in der Offensive Curry entlasten, als auch am anderen Ende des Feldes einen Schritt nach vorne machen. Rookie Wiseman gilt als hochtalentiert, absolvierte am College aber nur drei Spiele. Kann der Center wirklich eine sofortige Hilfe sein, zumal die Warriors in den vergangenen Jahren meist ohne echten Fünfer am erfolgreichsten waren?

Warriors holen Gasol und Wanamaker

Immerhin reagierten die Dubs klug auf Thompsons Ausfall und schnappten sich Kelly Oubre, der in der vergangenen Saison bei den Phoenix Suns einen großen Sprung machte und im Schnitt 18,7 und 6,4 Rebounds bei einer Dreierquote von 35,2 Prozent erzielte.

Außerdem sollen die Warriors in der Poleposition im Poker um Marc Gasol sein, wie Quellen The Athletic mitteilten. Der 35-Jährige spielte zwar für die Raptors eine eher durchwachsene Saison, besitzt aber weiter einen guten Ruf innerhalb der Liga und wäre sicher eine Verstärkung. Auch die Verpflichtung von Brad Wanamaker als Curry-Backup war ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere kleine Verstärkungen sollten trotzdem noch folgen.

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Und zukünftig? Die Genesungsprognose bei Thompson ist immerhin vielversprechend, der Shooting Guard soll zur Saison 2021/22 wieder komplett fit sein. Zwar basiert sein Spiel nicht unbedingt auf Athletik, dass sein Leistungsniveau nach zwei Horror-Verletzungen und dementsprechend zwei verpassten Saisons in Folge aber stabil bleibt, ist zu bezweifeln - zumal er im Februar bereits 31 Jahre alt wird.

Heißt: Mit seinem Shooting wird er weiterhin eine Gefahr bleiben, Thompsons Zeiten als All-Star sind aber vorbei. Auch Green hat die 30er-Grenze schon überschritten, Curry wäre bei einer Playoff-Teilnahme an Thompsons Seite 2022 bereits 34!

Abgeschrieben werden sollten die Warriors trotz des Thompson-Schocks nicht. Die glorreichen Zeiten sind aber wohl vorerst vorbei.