So hat Hansi Flick Lucien Favre ausgecoacht

Constantin Eckner
Sport1

Für eine Fußballmannschaft ist es immer besonders schwierig, auf einen Gegner zu treffen, der gerade erst seinen Cheftrainer gewechselt hat.

Das musste auch Borussia Dortmund beim 0:4 gegen Bayern München am Samstagabend erleben. Der BVB hatte wenig Informationen über den taktischen Plan von Bayern-Trainer Hansi Flick und sah gegen das intensive Pressing kein Land.


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In dieser Saison verteidigte der FC Bayern zumeist recht vorsichtig. Die Münchner gehörten zu jenen Bundesliga-Teams, die im Durchschnitt selten hohes Pressing spielen und sich stattdessen lieber in die eigene Hälfte zurückziehen.

Gegen Dortmund sah das jedoch komplett anders aus.

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Flicks Plan geht auf

Flick machte schon bei seiner Personalwahl seine Absichten deutlich. Anstelle eines Philippe Coutinho zum Beispiel stellte er lieber Thomas Müller auf, der zusammen mit dem laufstarken Leon Goretzka die Dortmunder Doppelsechs aus dem Spiel nehmen sollte.

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Der Plan ging auf. Nach ausgeglichenen Anfangsminuten schnürte der FC Bayern die Gäste zunehmend ein und erzielte das 1:0 durch Robert Lewandowski. Mit dieser Führung im Rücken war der BVB an sich gezwungen, verstärkt nach vorn zu spielen, war nur dazu nicht mehr in der Lage.


Die Bayern spielten derart intensives Pressing, dass sie Dortmund oftmals schon bei Abstößen von Roman Bürki unter Druck setzten und zu unpräzisen Pässen zwangen.

Im 4-3-3 der Bayern lief die Angriffsreihe um Lewandowski direkt auf die Dortmunder Innenverteidiger zu, wenn diese am eigenen Strafraum den Ball hatten. Der Ball wurde deshalb rasch ins Mittelfeld gespielt, wo jedoch Axel Witsel und Julian Weigl von Müller, Goretzka und Joshua Kimmich empfangen wurden.


Die Bayern gingen hierbei ein wenig Risiko, weil sie beispielsweise einen Julian Brandt nicht aufmerksam bewachten. Da sie jedoch frühzeitig die Angriffe des BVB stoppten und auch häufig eine Balleroberung erzwangen, zahlte sich dieses Risiko aus.

BVB ohne Tempo und Passgenauigkeit, Favre ohne Antwort

Mit jedem weiteren Ballverlust – es waren am Ende 22 im ersten und zweiten Spielfelddrittel – war der BVB weiter verunsichert. Nach der Partie meinte BVB-Trainer Lucien Favre: "Wir waren nicht ängstlich." Stattdessen schob er die Niederlage auf andere Mängel. "Tempo, Ballannahme, Technik, Pässe, Bewegung: Wir waren nicht gut", sagte der 62-Jährige.


Allerdings wurden eben das nicht vorhandene Tempo und auch die vielen ungenauen Pässe durch eine gewisse Ängstlichkeit verursacht. Der BVB merkte, dass gegen dieses starke Pressing des FC Bayern keine Zeit blieb. Innerhalb von Sekundenbruchteilen mussten sie handeln.

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Innerhalb weniger Momente mussten sie den Ball vom eigenen Strafraum wegbekommen. Dieser Handlungsdruck machte Dortmund zu einer fehleranfälligen und damit durchschnittlichen Mannschaft.

Die oftmals fehlende körperliche Robustheit des BVB kam allenfalls deshalb zum Vorschein. Doch das war nicht der Hauptgrund für die Niederlage. Selbst der physisch starke Sechser Witsel konnte sich nicht behaupten, weil das Pressing der Bayern im Kollektiv derart intensiv war.


Favre selbst hatte darauf keine Antwort. Er nahm noch vor der Halbzeitpause Jadon Sancho vom Platz und brachte den defensivstärkeren Raphael Guerreiro, dessen Ballsicherheit allerdings auch nicht zum Tragen kam.

Später versuchte es Favre mit einer etwas offensiveren Formation, als er Brandt nach hinten schob und Marco Reus auf die Zehnerposition stellte. Aber das änderte nichts an der Überlegenheit des Bayern-Systems.

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