So kurios bewirbt sich Ricciardo bei Mercedes

Nein, neben Star-DJ Martin Garrix waren nicht auch die Altmeister von Daft Punk zu Gast beim Formel-1-Grand-Prix in Mexiko: Der Mann mit der ultra-stylischen Sonnenbrille und dem coolen Pfirsich-Pulli ist tatsächlich Mercedes-Boss Toto Wolff! (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Möglich gemacht hat das Daniel Ricciardo: „Ich habe George (Russell; d. Red.) einen Sweater aus meiner Kollektion geschenkt und Toto hat mir danach geschrieben, dass er ihn wirklich mag. Deswegen habe ich gesagt: ‚Du bekommst auch einen.‘ Gratisproben sozusagen“, grinst der McLaren-Pilot nach dem Mexiko-GP.

In den Sozialen Medien sorgt der Wolff-Schnappschuss umgehend für Aufsehen: „Ich promote jetzt sein Merchandise“, lacht der Wiener selbst über die Aktion und schmunzelt: „Nein, ich mag es wirklich. Aber sie haben ein Foto von mir mit einer idiotischen Sonnenbrille gemacht und es online gestellt. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es im Internet oder auf Social Media landet, denn das war wahrscheinlich nicht mein bester Moment.“

Allein: Das lustige Bild hat vor allem für Ricciardo einen ernsten wie wichtigen Hintergrund: Der Australier kämpft um seine Zukunft in der Königsklasse und soll dem Vernehmen nach kommende Saison als Ersatzpilot bei Top-Team Mercedes andocken. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Ricciardo: „Ich bin noch nicht fertig mir der Formel 1″

„Ich bin noch nicht fertig mit der Formel 1″, stellt Ricciardo am Sonntag einmal mehr klar: „Ich werde 2023 nicht in der Startaufstellung sein, zumindest nicht hinterm Lenkrad. Aber ich will weiter im Sport bleiben und mit einem Team arbeiten, mit der Ambition 2024 wieder zu fahren.“

Zu konkreten Verhandlungen hüllt sich der achtmalige Grand-Prix-Sieger in Schweigen: „Ich weiß noch nicht, wo das sein wird. Ich rede natürlich mit einigen Teams, weil ich einen Fuß in der Tür behalten möchte. Aber noch ist nichts fix“, so Ricciardo.

SPORT1 weiß: Die Tendenz des beliebten Australiers geht klar Richtung Mercedes. Wer Wolff und Ricciardo nach dem Mexiko-GP Arm in Arm scherzen sieht, merkt: Die Chemie stimmt offenbar. Die Silberpfeile würden sich mit dem 33-Jährigen nicht nur einen erfahrenen Piloten, sondern auch einen extremen Sympathieträger ins Haus holen. Die beste Bewerbung für den Posten als Mercedes-Edelersatz liefert Ricciardo am Sonntag allerdings mit Platz sieben auf der Strecke ab.

„Ich freue mich für ihn, dass er nach diesen harten letzten Jahren (mit McLaren; d. Red.) mal wieder ein kleines Erfolgserlebnis hat“, kommentiert Ex-Teamkollege Nico Hülkenberg bei ServusTV. „Ich glaube, nach den zwei turbulenten Jahren ist er erstmal froh, dass er jetzt mal ein Jahr raus kommt und sich sortieren kann. Wie ich ihn kenne und wenn ich seine Körpersprache sehe, denke ich, dass er mal weg muss aus diesem Hamsterrad Formel 1.“ (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Ricciardo macht den Rambo

Dabei fällt am Sonntag gerade in Sachen Körpersprache auf der Strecke auf, dass das nahende Saisonende Ricciardo scheinbar befreit, denn endlich fährt er mal wieder die Ellenbogen aus: Der Australier, der seit der Bekanntgabe seines McLaren-Abgangs eher in sich gekehrt und verunsichert wirkte, hält diesmal knallhart rein und befördert mit einem Rempler sogar AlphaTauris Wut-Japaner Yuki Tsunoda ins Aus: Ricciardo macht den Rambo!

Die dafür von der Rennleitung kassierten zehn Strafsekunden tun dem Vorwärtsdrang des McLaren-Stars keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Ricciardo rast bis auf Rang sieben nach vorne und fährt bis ins Ziel genügend Abstand auf die Verfolger raus, um seinen Platz als „Best of the Rest“ hinter den drei Top-Teams auch nach Abzug der Zeitstrafe zu behalten. Die Fans wählen ihn dafür sogar zum Fahrer des Tages. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Vor allem bei McLaren-Teamchef Andreas Seidl ist die Freude groß: „Super Rennen von Daniel. Zusammen mit seinem Ingenieur hat er die richtige Reifenwahl getroffen, mit dem Soft-Reifen am Ende.“ Vorbild ist dabei ausgerechnet Aston-Martin-Star Sebastian Vettel, der auf roten Reifen einen Mega-Stint über 40 Runden hinlegt. Als Ricciardos Ingenieur ihm deshalb den Vorschlag für eine darauf ausgerichtete Reifenstrategie mitteilt, funkt der Australier nur „happy“ - und macht danach sein Team glücklich.

„Daniel ist dann wirklich geflogen und hat super Überholmanöver gezeigt“, strahlt Teamchef Seidl. „Es freut mich umso mehr für ihn, weil er jetzt auch mit Selbstbewusstsein in diese zwei letzten Rennen reingehen kann.“ In denen steht für McLaren noch einiges auf dem Spiel: „In Summe haben wir heute vier Punkte mehr geholt als Alpine im Kampf um Platz vier in der Konstrukteurs-WM“, rechnet der Bayer vor. „Da ist noch alles offen. Wir brauchen einfach saubere Wochenenden und auch die Haltbarkeit spielt eine Rolle, wie wir heute gesehen haben.“

Was Seidl meint: Bei Gegner Alpine und vor allem Fernando Alonso ist der Frust groß in Mexiko. Den Spanier suchen am Sonntag wieder technische Probleme am Motor der Franzosen heim: Vom siebten Platz aus fällt er erst zurück und dann ganz aus, schimpft anschließend wie ein Rohrspatz. In der Team-Wertung ist McLaren durch die erneute Panne bis auf sieben Punkte an Alpine herangerückt - auch dank des wiedererstarkten Daniel Ricciardo.

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