Wiedersehen mit Alaba - aber geht das bei Real gut?

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Wiedersehen mit Alaba - aber geht das bei Real gut?
Wiedersehen mit Alaba - aber geht das bei Real gut?

Zinédine Zidane geht und Carlo Ancelotti kommt. So richtig bahnbrechend, neu und innovativ klingt das nicht - und trotzdem soll der erfahrene Coach bei Real Madrid eine Art Neuanfang beginnen. Zurück in die Zukunft also.

Er trage "Real im Herzen", sagte der Italiener nach der Bekanntgabe - inklusive jeder Menge Lob an den FC Everton, der ihm die Freigabe erteilt. Ihn erwartet bei seiner Rückkehr in die spanische Hauptstadt eine schwierige Aufgabe. Bei seiner ersten Amtszeit bei den Königlichen (2013 bis 2015) konnte er auf eine eingespielte und mit Stars gespickte Truppe setzen, die um Superstar Cristiano Ronaldo aufgebaut war - und funktionierte.

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Damals holte er die Champions League und den spanischen Pokal, allerdings nicht die Meisterschaft. Seine zweite Station in Madrid steht nun im Zeichen eines großen Umbaus. Der Klub hat einiges an Glanz eingebüßt, seitdem Ancelotti das letzte Mal da war. Dieser soll nun Stück für Stück wiederhergestellt werden.

Ancelotti findet viele Bekannte vor

Ancelotti kommt nie alleine, sondern bringt einen Stab an Menschen mit, denen er vertraut. Einen Platz lässt er im Trainerteam aber immer frei - für einen klubnahen Mitstreiter. In diesem Bezug fällt nun der Name Álvaro Arbeloa, der für diese Beschreibung zugeschnitten ist.

Egal wer an der Seite von Ancelotti stehen wird, er wird mit ihm in Madrid wohl fast jeden Stein umdrehen müssen, bei null fängt der Coach aber nicht an. Ganze zehn Spieler kennt er noch aus den knapp zwei Jahren seiner ersten Amtszeit. Neuzugang David Alaba trainierte er außerdem beim FC Bayern.

Ob diese Tatsache einen radikalen Umbruch gut stützt, das ist zumindest zweifelhaft. Der ein oder andere ambitionierte Spieler hat sich wohl Hoffnungen auf einen Coach ohne große Real-Vergangenheit gemacht, der seine Aufgabe komplett neutral und nicht auf vielen gemeinsamen Erlebnissen mit Mitspielern beruhenden Beziehung angeht.

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Ancelotti hat sich in seiner langen Karriere nicht unbedingt einen Namen als der allergrößte Jugendförderer gemacht. Auch das birgt durchaus Zündstoff, da bei Real einige ambitionierte Talente wie Martin Odegaard auf eine gute Rolle im Team drängen. Finden sie in dem 61-Jährigen einen Förderer und Vertrauten, oder wird der Trainer sich auf seine alten Bekannten verlassen?

Fakt ist, dass die Fans auf eine Verjüngung und einen Umbruch hoffen. Die Entscheidung pro Ancelotti können daher längst nicht alle Anhänger nachvollziehen.

Kann Ancelotti bei Real Brandherde löschen?

Die andere Seite der Medaille ist, dass Ancelotti eine gute Verbindung zu einigen Stars pflegte, die derzeit Sorgen machen. Das größte Sorgenkind: Sergio Ramos.

Der Kapitän von Real könnte den Klub nach 16 Jahren verlassen, sein Vertrag läuft zum 30. Juni aus. Bislang gibt es keine Unterschrift unter einem Folgevertrag, die Zeichen stehen auf einen leisen und vielleicht auch unwürdigen Abschied.

Ancelotti wird mit dem 35-Jährigen mit Sicherheit noch einmal sprechen. Vielleicht kann der Italiener als Versöhner zwischen dem Abwehrboss und den Klubbossen agieren - und doch noch einen Verbleib anregen.

Ähnliche Fähigkeiten könnten auch bei anderen erfahrenen Stars wie Karim Benzema und Isco von Nöten sein. Benzema hat über 500 Spiele für die Galaktischen auf dem Buckel, Isco über 300. Die Verträge beider laufen im Sommer 2022 aus. Wenn es in den nächsten Monaten nicht zu einer Verlängerung kommt, dann droht ein Abgang zur Nullsumme.

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Ancelotti und Pérez - kann das Harmonie bedeuten?

Als Ancelotti im Jahr 2015 bei Real entlassen wurde, war er alles andere als begeistert.

"Wenn man mich über meine Entlassung von Real Madrid fragt, sage ich, dass das nicht richtig war. Ich war sehr, sehr unglücklich", sagte "Carletto" danach: "Wenn der Trainer bei Real Madrid nicht gewinnt, wird er entlassen. Hätte ich la Décima nicht gewonnen, wäre ich ein Jahr eher entlassen worden." Ende 2014 hatte Ancelotti noch gesagt: "Wenn es nach mir geht, dann verlängere ich bis 2030".

Das Verhältnis zwischen ihm und Real-Präsident Florentino Pérez beruht also von Beginn an nicht nur auf Harmonie. Und unendliches Vertrauen irgendwie auch. Das zeigt sich auch bei dem Vertrag des alten und neuen Coaches.

Interessante Klausel in Ancelottis Vertrag

Über drei Jahre läuft der Vertrag von Ancelotti. Das ist durchaus ein Signal, dass man ihm den Umbruch zutraut. Das Arbeitspapier enthält aber auch eine Klausel, die sich mit einem Scheitern des Trainers befasst.

Falls Real Ancelotti feuern sollte, dann müsste der Klub dem Trainer nicht die komplette Vertragslaufzeit bezahlen, sondern nur die laufende und die darauf folgende. Wird Ancelotti also nach einem Jahr entlassen, dann müssen die Königlichen ihm lediglich das Gehalt des nächsten Jahres bezahlen. Aus einem Dreijahresvertrag würde also ein Zweijahresvertrag. Das deckte die spanische Zeitung as auf.

Eines ist für Ancelotti bei Vertragsantritt nun klar: Er muss sofort liefern und auch Titel gewinnen. Eine Saison Zeit, um den Umbruch nach und nach voranzutreiben, hat er nicht. Die Fans und Verantwortlichen sind nach einem titellosen Jahr ungeduldig, die Stimmung ist hitzig.

Der Kader besteht aus vielen Spielern über 30 Jahren, bei einigen ist die Zukunft noch nicht geklärt. Ancelotti wird schnell eine gute Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Stars finden müssen - und nebenbei noch den ein oder anderen Brandherd löschen. Es dürfte derzeit entspanntere Jobs in der Fußball-Welt geben als den auf der Trainerbank von Real Madrid.