Soli-Aktion für Berg-Karabach: System Of A Down veröffentlichen erstmals seit 15 Jahren neue Musik

Konstantin Delles
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System Of A Down bei einem US-Konzert im Oktober 2018 (Bild: Kevin Winter/Getty Images for ABA)
System Of A Down bei einem US-Konzert im Oktober 2018 (Bild: Kevin Winter/Getty Images for ABA)

15 Jahre ist es her, als System Of A Down mit “Mezmerize” und “Hypnotize” gleich zwei Nummer-eins-Alben in einem Jahr veröffentlichten. Wenig später kriselte es bei den Alternative-Metallern und die Band wurde 2006 auf Eis gelegt. Seit zehn Jahren spielen System Of A Down wieder Konzerte, doch auf neue Musik warteten die Fans bisher vergeblich - die Musiker räumten unumwunden kreative Differenzen beim Songwriting ein.

Die wurden nun zumindest vorübergehend beiseite gelegt - aus einem traurigen Anlass: Mit ihren ersten neuen Songs seit 2005 wollen die armenisch-amerikanischen Musiker Aufmerksamkeit für den Krieg in Berg-Karabach schaffen und Spenden zur Unterstützung der armenischen Seite sammeln. Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt um die von Armeniern bewohnte Republik Arzach, die von Aserbaidschan als Teil seines Staatsgebiets beansprucht wird, ist Ende September wieder in einen offenen Krieg eskaliert.

Auf armenischer Seite sind seitdem bereits über 1100 Soldaten gefallen. Aserbaidschan hält seine Verluste unter Verschluss, auf beiden Seiten gab es zudem Dutzende getötet Zivilisten. Drei Waffenruhen sind bereits gescheitert, das vom NATO-Staat Türkei unterstützte Aserbaidschan rückt immer weiter vor, 90.000 Menschen - die Hälfte der Bevölkerung Berg-Karabachs - sind auf der Flucht.

SOAD betrachteten es in dieser Lage als Notwendigkeit, ihre Stimme zu erheben. “Wenn wir es nicht tun, gibt es keine andere große armenische Rockband, die es tun würde. Es gibt überhaupt nicht so viele armenische Stars, die es tun würden. Es ist eine Art Pflicht”, sagt Gitarrist Daron Malakian dem “Rolling Stone”. “Ich tue das nicht als Künstler, für mich selbst oder System Of A Down oder irgendwen in der Band; wir alle tun es für unser Volk”, erklärt Frontmann Serj Tankian. “Es ist keine kreative Entscheidung, keine Business-Entscheidung. Es ist eine aktivistische Entscheidung, und das hat Vorrang.”

Zwei Songs umfasst die neue digitale Single: Das hymnische “Protect the Land” ist den Soldaten Armeniens und der Republik Arzach gewidmet, in deren Reihen derzeit auch zahlreiche Freiwillige aus der Bevölkerung kämpfen. Der aggressive Track “Genocidal Humanoidz” verweist auf die Ängste vieler Armenier vor einer Neuauflage des Völkermords von 1915, die durch die türkische Beteiligung und eine Reihe bereits dokumentierter Kriegsgräuel geschürt werden.

Die beiden Songs sind auf Bandcamp erhältlich, die Einnahmen sollen an den Armenia Fund gespendet werden, der vor Ort humanitäre Hilfe leistet. Armenien verfügt nicht annähernd über die Mittel des ölreichen Aserbaidschan und ist seit jeher auf die Unterstützung der armenischen Diaspora und andere Spenden angewiesen - sogar Verbandskästen und Schutzwesten für die Soldaten müssen auf diese Weise beschafft werden.

Tankian ruft die Fans der Band zudem auf, Druck auf ihre Regierungen machen. “Werdet laut, sprecht über diese Ungerechtigkeit und fordert Sanktionen gegen die Türkei und Aserbaidschan”, sagt er dem “Rolling Stone”. “Fordert ihre Bestrafung. Es braucht kein Geld oder Streitkräfte, nur wirtschaftlichen Druck, damit diese beiden Länder sich zurückziehen, denn sie sind die Aggressoren.”

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