"Reißen uns den Arsch auf" - Köln nach Endspiel am Boden

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.
"Reißen uns den Arsch auf" - Köln nach Endspiel am Boden
"Reißen uns den Arsch auf" - Köln nach Endspiel am Boden

Markus Gisdol drehte unmittelbar nach dem Abpfiff eine kleine Ehrenrunde im Kölner Stadion.

Der Trainer des 1. FC Köln klatschte nach der bitteren 2:3 (1:1)-Last-Minute-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten FSV Mainz 05 mit seinen niedergeschlagenen Spielern Timo Horn und Jonas Hector ab. Es herrschte eine Stimmung wie nach einem Abstieg. Das Aus des zuletzt mehrfach angezählten FC-Trainers Gisdol ist nach SPORT1-Informationen besiegelt. Auch wenn er selbst davon kurz nach dem Spiel noch nichts wissen wollte. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Gisdol droht nach Köln-Pleite das Aus - Heldt sagt Interview ab

"Ich rechne ehrlichgesagt mit gar nichts jetzt. Ich versuche meine Jungs zu trösten. Sie sind sehr betrübt und hätten gerne das Spiel gewonnen", sagte Gisdol nach dem Spiel bei Sky. "Es geht nicht darum, mit was ich rechne und was mit mir ist, sondern um den 1. FC Köln und um meine Mannschaft."

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Auch bei einem Unentschieden gegen Mainz wären Gisdols Tage in Köln gezählt gewesen. Kölns Sportdirektor Horst Heldt hatte unter der Woche einen Sieg gefordert. Nach der Niederlage sagte Heldt ein Sky-Interview kurzfristig ab.

Barreiro trifft in der Nachspielzeit - Hector ist bedient

Nachfolger wird nach SPORT1-Informationen Friedhelm Funkel, der den Daumen am Abend gehoben hat. Ein anderer Kandidat war Thorsten Fink, dem der FC aber absagte.

Bei den seit neun Spielen sieglosen Kölnern saß der Schock unmittelbar nach dem Abpfiff tief. Hector hockte minutenlang hinter dem Tor an der Bande, sogar der Mainzer Danny da Costa spendete Trost. "Wir reißen uns jede Woche den Arsch auf und bringen uns selbst um den Lohn, das ist extrem bitter und ich muss jetzt nicht die Trainerfrage beantworten", sagte Hector.

Jean-Paul Boetius (11.) schockte die Kölner in der Anfangspphase mit einem Traumtor. Ondrej Duda (43./Handelfmeter) und Ellyes Skhiri (61.) drehten zwischenzeitlich die Partie. Mainz glich durch Karim Onisiwo (65.) wieder aus. Leandro Barreiro traf in der Nachspielzeit für die Gäste (90.+2). (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

Nach der Niederlage bleiben die Kölner mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang auf Platz 17 hängen. Mainz kletterte mit jetzt 28 Zählern auf Rang 14. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Mainzer Traumtor schockt Köln

Die Kölner begannen zunächst engagiert, Duda setzte ein erstes Zeichen (2.), verzog aber deutlich. Doch die Mainzer trafen mit dem ersten Torschuss - und wie! Boetius (11.) schlenzte den Ball zur frühen Führung unter die Latte. Für die Kölner war das ein Wirkungstreffer.

Mit einer Doppelchance von Sebastian Andersson meldeten sich die Kölner zurück, der Stürmer schoss allerdings erst links (19.), dann rechts vorbei (20.). Auf der anderen Seite hatte Moussa Niakhaté mit dem zweiten Mainzer Torschuss das 2:0 auf dem Fuß, Timo Horn parierte aber glänzend mit dem linken Fuß (33.).

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Gegen Ende der ersten Hälfte herrschte nochmals Aufregung im Mainzer Strafraum. Einen Schuss von Kölns Kingsley Ehizibue blockte Phillipp Mwene im Strafraum mit der Hand, nach einem Hinweis des VAR schaute sich Schiedsrichter Brych die Szene noch mal an und entschied auf Strafstoß. Duda verwandelte ins linke untere Eck (43.), Keeper Robin Zentner war zwar noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern.

Ehizibue und Burkardt müssen verletzt raus

Mainz hatte postwendend die Großchance zur erneuten Führung, Horn rettete in höchster Not gegen Leandro Barreiro (45.). Kölns Rechtsverteidiger Ehizibue wurde nach Zusammenprall mit Jonathan Burkardt (45.+2) länger behandelt und blieb zur Pause in der Kabine. Gisdol ging später "mindestens von einer Gehirnerschütterung" bei Ehizibue aus.

Auch Burkhardt musste kurz nach Wiederbeginn mit einer Kopfverletzung ausgewechselt werden. Der Mainzer Angreifer wurde in einem Luftduell von Jorge Meré unabsichtlich mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen. Nach längerer Behandlungspause verließ Burkhardt von Betreuern gestützt den Rasen.

Anschließend entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Vor allem die Kölner drängten. Marius Wolf scheiterte aus kurzer Distanz an Zentner, respektive der Latte (58.). Nach einem Freistoß drückte Skhiri den Ball per Kopf über die Linie (61.). Die Mainzer Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Onisiwo musste nach starker Vorarbeit von Boetius aus kurzer Distanz nur noch einschieben (65.).

In der Nachspielzeit versetzte Barreiro den Kölnern (90.+2) den endgültigen Tiefschlag.