"Sie halten sich für überlegen und unverzichtbar"

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"Sie halten sich für überlegen und unverzichtbar"
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Jean-Pierre Papin spielte von 1986 bis 1992 bei Olympique Marseille und hatte dort die "beste Zeit" seiner Karriere. Mit dem Klub wurde der Franzose vier Mal französischer Meister. In der Spielzeit 1990/1991 hieß sein Trainer in Marseille Franz Beckenbauer, dessen Lieblingsspieler er wurde. 1991 gewann er den Ballon d'Or als weltbester Spieler des Jahres.

Zwischen 1994 und 1996 spielte Papin beim FC Bayern und wieder war Beckenbauer zeitweise sein Coach. Mit dem Rekordmeister holten beide 1996 den UEFA-Cup nach München. Vor dem EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (EM 2021: Frankreich - Deutschland, Dienstag ab 21 Uhr im LIVETICKER) spricht Papin im SPORT1-Interview über das Duell und kritisiert die Spieler des Weltmeisters.

SPORT1: Monsieur Papin, wie sehr freuen Sie sich auf das Spiel der französischen Auswahl gegen die Deutschen?

Jean-Pierre Papin: Ich persönlich fiebere jetzt nicht ganz ungeduldig auf dieses eine Spiel hin, sondern bin schon glücklich, dass wir überhaupt ein solches internationales Turnier auf diesem Niveau erleben dürfen. Morgen wird dann aber vielleicht auch die Vorfreude auf dieses Spiel noch mal ganz besonders aufkommen.

SPORT1: Worauf müssen die Franzosen aufpassen?

Papin: Dieses Spiel ist wie eine Falle für uns. Ich habe großen Respekt vor der deutschen Mannschaft. Sie ist nie gefährlicher, als wenn sie verwundet ist - und das ist aktuell der Fall. Außerdem spielen wir in München, das ist ganz sicher kein Geschenk.

Papin: Löws Abschied ein zusätzlicher Anreiz für deutsche Mannschaft

SPORT1: Es ist das letzte Turnier von Joachim Löw. Glauben Sie, dass die DFB-Elf noch motivierter in das Turnier gehen wird?

Papin: Das brauchen sie grundsätzlich nicht, sie haben eine großartige Mannschaft. Wie viele andere Teams haben sie einige vorübergehende Probleme und dazu einen Generationswechsel, das kommt gerade alles zusammen. Aber der Abschied von Joachim Löw wird ein zusätzlicher Anreiz sein, eine großartige Europameisterschaft zu spielen.

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SPORT1: Wie schätzen Sie die französische Auswahl ein?

Papin: Les Bleus (die Blauen, Anm.d.Red.) sind stark, sehr stark sogar. Sie werden daher schwer zu schlagen sein. Die Deutschen müssen aufpassen. Aber der Fußball hat uns schon so viele Überraschungen und Emotionen beschert, dass am Dienstag alles möglich ist.

SPORT1: Frankreich gilt als Titelfavorit. Für Sie auch?

Papin: Frankreich ist der Favorit, ganz klar, aber Italien, Deutschland, Spanien, Belgien, die Niederlande und Portugal sind sicher auch zu nennen. Viele können es schaffen, und deshalb wird es ein sehr spannendes Turnier werden.

Papin: Löw wird geeignete Lösungen finden

SPORT1: Wovor müssen die Deutschen am Dienstag aufpassen?

Papin: Bei High-Level-Spielen muss man vieles berücksichtigen, alles wird wichtig sein, vor allem die Details. Und dann muss man noch dazu mit dem Unvorhersehbaren rechnen und damit auch umgehen können. Eine Karte, eine Verletzung, eine Schiedsrichter-Entscheidung ... Joachim Löw ist erfahren genug und hat bereits alles erlebt und gewonnen. Er wird geeignete Antworten und Lösungen finden. Da bin ich mir sicher.

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SPORT1: Ihr Landsmann Johan Micoud hat schon Alarm geschlagen. "So langsam wird es peinlich", fällte er ein vernichtendes Urteil über die französische Nationalmannschaft. "Du hast gerade erst zwei Vorbereitungsspiele absolviert, die gut gelaufen sind, und wenn du vom Platz gehst, macht es nach außen den Eindruck, als hättest du 0:4 verloren". Wie bewerten Sie seine Aussagen?

Papin: Schwierig. Die Franzosen haben ein wenig das Problem, dass sie sich für überlegen und unverzichtbar halten. Diese neue Generation von Les Bleus ist super talentiert, aber sie muss noch Demut lernen. Unser Nationaltrainer (Didier Deschamps, Anm.d.Red.) hat ähnlich wie Löw auch schon alles erlebt und gewonnen. Bei ihm mache ich mir gar keine Sorgen. Er wird die richtigen Antworten und Strategien finden.

Papin: Vor einem großen Turnier wird der Ton rauer

SPORT1: Deschamps ist derzeit aber besorgt um die Stimmung in seiner Mannschaft, dass er alle Spieler zusammentrommelte, um die Wogen zu glätten. Keine guten Voraussetzungen vor dem Auftaktspiel gegen die Deutschen, oder?

Papin: Es ist völlig normal, dass im Vorfeld eines großen Turniers der Ton rauer wird, aber die Stimmung im allgemeinen muss unbedingt positiv bleiben. Doch in der Tat ist diese gerade in der Mannschaft nicht gut. Dies muss verbessert werden. Wenn nicht, kann es schwierig werden.

SPORT1: Der Stein des Anstoßes beim Zoff bei den Franzosen: Eine Aussage des erfahrenen Stürmers Olivier Giroud nach dem 3:0-Sieg im Test gegen Bulgarien. Er hatte nach Einwechslung zwei Treffer in nur zehn Minuten erzielt - seine Laune klang aber eher nach Eigentor in letzter Minute. Gegenüber Reportern machte er seinem Ärger darüber Luft, dass er von seinen Mitspielern einfach nicht genügend Zuspiele bekomme. Eine Breitseite gegen Kylian Mbappé, der im Team offenbar durch übertriebenen Eigensinn auffällt. Der Superstar fühlte sich daraufhin persönlich angegriffen.

Papin: Eine Gruppe, die im Wettbewerb steht, macht Fortschritte. Die Erklärungen und Beschwerden des einen oder anderen im Team zeigen doch nur, dass sie alle spielen wollen. Der Ehrgeiz ist groß. Das ist positiv, auch wenn es etwas ungeschickt wirkt in der momentanen Situation und - ganz ehrlich - auch tatsächlich ungeschickt ist.

"Mbappé hat seinen Platz noch nicht gefunden"

SPORT1: In den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass aus dem genialen Fußballer Mbappé ein beleidigter Unruhestifter werden kann...

Papin: Kylian Mbappé ist ein Phänomen. Auf dem Platz hat er es schon so oft bewiesen. Für mich ist er während des Spiels zu oft zerstreut und hat seinen Platz noch nicht wirklich gefunden. Aber er ist jung, und man muss ihm das verzeihen können. Fast alle haben es auf die gleiche Weise erlebt.

SPORT1: Wo sehen Sie die Stärken der deutschen Mannschaft? Wo Schwächen?

Papin: Dazu kann ich nur eines sagen: Diese Mannschaft ist auf allen Positionen gut aufgestellt und es wird sehr schwer, sie zu schlagen.

SPORT1: Sie waren der Lieblingsspieler von Franz Beckenbauer. Warum eigentlich und haben Sie noch Kontakt?

Papin: Ich war vielleicht der Lieblingsspieler von Franz Beckenbauer in Marseille, und es war die beste Zeit meiner Karriere. Ich war dort in der besten Verfassung. Zu meinem Bedauern war ich während meiner zwei Jahre beim FC Bayern leider oft verletzt und konnte nicht dieselbe Leistung zeigen wie zu unserer erfolgreichen Zeit in Marseille. Wir haben uns manchmal in der Champions League in den Stadien gesehen, aber wir haben leider keinen Kontakt mehr. Ich wünsche ihm nur Gutes.

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