Spielberg-Kritiker über Formel-1-Pläne: "Wir sind die Versuchskaninchen"

Gerald Dirnbeck
motorsport.com

Die Formel 1 arbeitet mit Hochdruck auf einen Saisonstart am 5. und 12. Juli in Österreich hin. Für das Fahrerlager wurde ein Sicherheitskonzept erstellt. Der ganze Formel-1-Tross soll sich quasi in einer Blase befinden und so wenig wie möglich mit der Außenwelt in Kontakt kommen. Zweifel bleiben. Die Pläne rufen auch Kritiker auf den Plan.

"Die Blase klingt natürlich sehr gut, aber ob das wirklich alles so handhabbar ist, wissen wir nicht", sagt Karl Arbesser, ein langjähriger Kritiker der Rennveranstaltungen in Spielberg, in 'ORF Sport+'. "Hier besteht meiner Meinung nach ein erhebliches, zusätzliches Potenzial, dass sich wieder Leute aus der Umgebung anstecken können."

"Diese Sorge wird in der Zwischenzeit von unheimlich vielen Leuten geteilt. Ich habe sehr viele Anrufe und Mails erhalten. Auch wenn man sagt, dass man diese 1.500 bis 2.000 Leute separiert von den Bewohnern. Es ist völlig ausgeschlossen, dass diese Leute nicht in Kontakt mit der Bevölkerung kommen." Damit spricht Arbesser zum Beispiel die Hotellerie an.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Kritiker will Parteistellung beantragen

Um Klarheit zu erlangen, will Arbesser Parteienstellung beantragen, also beim Bewilligungsverfahren mitsprechen können. "Das sollte in einem Rechtsstaat grundsätzlich eine Selbstverständlichkeit sein, damit betroffene Nachbarn bei einem Vorhaben ihre Anliegen vorbringen können, die dann auch angehört werden müssen."

Er kann das Interesse der Gastronomie und der Politik an der Formel 1 nachvollziehen. Trotzdem sagt Arbesser: "Es geht allerdings um den Preis, dass wir die Versuchskaninchen sind. Geht es gut oder geht es nicht gut? Das stört doch sehr. Wir versuchen Informationen zu bekommen, um ein besseres Gefühl zu erhalten, wie sehr wirklich auf unsere Gesundheit geschaut wird."

Viele Details sind für die Durchführung der beiden Rennen noch zu klären. Es bleibt auch abzuwarten, welche Lockerungen bis Ende Juni noch in Kraft treten werden und wie sich die Corona-Situation in anderen Ländern bis dahin darstellen wird. Denn die meisten Personen würden von Großbritannien und Italien nach Österreich reisen.

Sportlandesrat sieht positives Signal des Rennens

"Der Respekt vor dem Virus ist bei den Teams mindestens so groß wie unter der Bevölkerung", sagt Christopher Drexler, der Sportlandesrat der Steiermark im Gespräch mit 'ORF Sport+'. "Im Vordergrund steht natürlich die Gesundheit. Deswegen geschieht alles in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und der Bundesregierung. Das ist gar keine Frage."

"Wir brauchen Signale der Öffnung und der Zuversicht, denn wir müssen aus dieser Krise herausfinden", glaubt der ÖVP-Politiker mit dem Rennen an ein Aufbruchssignal für die gesamte Sportwelt. "Und ich glaube, dass sich genau die Formel 1 dafür exzellent eignen würde, weil wir professionelle Partner haben."

"Man kann zum heutigen Tag nicht sagen, dass es fix gelingen wird. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Signal des Aufbruchs Anfang Juli in der Steiermark setzen werden. Ich gehe davon aus, dass wir Mitte Mai wissen werden, wie ein Grand Prix im Juli stattfinden kann. Wenn es gesundheitspolitisch verantwortbar ist, würde ich mich unheimlich freuen, wenn es gelingt", so Drexler, der zu 80 Prozent an die Machbarkeit glaubt.

Mit Bildmaterial von Sutton.

Lesen Sie auch