Spielberg: Red Bull legt Sicherheitskonzept zur Prüfung vor

Maria Reyer
motorsport.com

Der Grand Prix von Österreich soll am 5. Juli die neue Formel-1-Saison einleiten - unter ungewöhnlichen Umständen. Um eine Durchführung der Veranstaltung zu ermöglichen, folgt am Donnerstag der nächste Schritt: Red Bull hat das notwendige Sicherheitskonzept dem österreichischen Gesundheitsministerium vorgelegt.

Wie die österreichische Nachrichtenagentur 'APA' berichtet, wurde das Konzept in der Red-Bull-Firmenzentrale in Salzburg ausgearbeitet und über Helmut Marko in Graz mit der steirischen Landesregierung koordiniert. "Das Sicherheitskonzept ist fertig", bestätigt der Motorsportkonsulent.

"Es sollte alle Anforderungen, die die Regierung stellt, beinhalten. Wir haben alle soweit bekannten Auflagen berücksichtigt und warten jetzt auf die Reaktion", so Marko. Um ein (oder gar zwei) Rennen auf dem Red-Bull-Ring austragen zu können, mussten aufgrund der Coronakrise Sicherheitsvorkehrungen geplant werden.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Gesundheitsminister: Werden Konzept "seriös" prüfen

Über den genauen Inhalt des Konzepts ist zwar noch nichts bekannt, jedoch gehe es laut dem Bericht der Nachrichtenagentur darum, die Sicherheitvorkehrungen überprüfen zu können. Auch diverse Checkpunkte an der Rennstrecke seien angedacht.

Zuvor hatte bereits Formel-1-Sportchef Ross Brawn angekündigt, dass der Formel-1-Tross in Österreich in einer Art "Blase" leben würde - um das Risiko von Neuinfektionen möglichst niedrig zu halten und gleichzeitig auch die lokale Bevölkerung zu schützen. Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner sprach von "drakonischen Sicherheitsmaßnahmen".

Nun liegt der Ball beim österreichischen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Die Grünen). Am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag wurde er bereits darauf angesprochen, zu jenem Zeitpunkt hatte der Minister aber noch keine Kenntnis vom Konzept. Er rechne aber "zeitnah" mit dem Erhalt.

Das Konzept von Red Bull werde man anschließend "seriös und korrekt" überprüfen und bewerten, ob ein Risiko vorhanden ist oder nicht. "Auf dieser Basis wird faktenorientiert entschieden, und dabei spielt es keine Rolle, ob ich ein großer Fan der Formel 1 bin oder nicht", merkt Anschober mit einem Lächeln an. Zuvor hatte er sich bereits als kein großer Freund des Motorsports ausgesprochen.

"Ich gehe aber davon aus, weil es ja auch um sehr viel wirtschaftliches Potenzial geht, dass das sehr seriös gemacht wird. Dann machen wir denselben seriösen Prozess bei der Überprüfung." Bekannt ist schon jetzt, dass das gesamte Personal vor der Einreise auf das Coronavirus getestet werden wird.

Auch in Spielberg wurde probehalber bereits die gesamte Belegschaft auf COVID-19 getestet, alle Ergebnisse sind negativ ausgefallen. Die Durchführung hat einwandfrei funktioniert. Brawn kündigte an, dass jede Person im Fahrerlager alle zwei Tage getestet werden soll.

Haas-Teamchef: Werden nur 60 Personen mitnehmen

Fraglich bleibt, wie viel Personal tatsächlich nach Österreich einreisen und auf dem Flughafen Zeltweg-Hinterstoisser mit Chartermaschinen landen wird. Höchstens 2.000 Personen sollen bei der Veranstaltung im Murtal mitwirken. "Wie viele Personen letztendlich nötig sind, wird gerade evaluiert", meint Alexander Wurz im 'ORF'-Interview.

"Ganz klar: Die Fahrer, die Mechaniker und Teams müssen bei jedem Rennen dabei sein, um die Autos auch sicher an den Start zu stellen. Wir haben dann alle Offiziellen und freiwilligen Helfer, die Streckenposten und die Rennleitung, die müssen da sein." Allein letztere Gruppe macht in Spielberg rund 500 Personen aus.

Auf Marketing-Mitarbeiter, VIP-Gäste oder auch Medienvertreter wird man hingegen verzichten. "Man hat sich schon akribisch vorbereitet, um die Anzahl der Leute auf das absolute Minimum zu reduzieren."

Er hat vorgeschlagen, eine Corona-App im Fahrerlager zu verwenden, um im Falle einer Infektion die Kontaktpersonen einfacher aufspüren zu können. "Es wurde festgelegt, dass wir maximal 80 Personen pro Team mitnehmen dürfen", erklärt Haas-Teamchef Günther Steiner im 'ORF'-Gespräch.

Er möchte seine Truppe aber auf nur rund 60 Mitarbeiter vor Ort begrenzen. "Umso weniger Personen, umso geringer die Gefahr, das ist meine Meinung dazu. Deswegen sind 80 maximal erlaubt. Ich glaube, so im Ganzen werden wir zwischen 1.000 und 1.500 Personen sein."

Rechnet man mit 80 Personen pro Team, kommt man bereits auf eine Anzahl von 800 Personen vor Ort. Hinzu kommt das Personal an der Rennstrecke, samt Streckenposten (normalerweise rund 250), Rettungskräften (rund 100 Personen), Sicherheitsbedienstete oder auch Offizielle.

Sicherheitsabstand in Spielberg "kein Problem"

Auf Anfrage von 'Motorsport.com' bei der österreichischen Motorsportbehörde AMF, mit wie vielen Personen vor Ort gerechnet wird, heißt es: "Der Veranstalter arbeitet im Austausch mit der österreichischen Bundesregierung und in Abstimmung mit der Formel 1 und der FIA an Lösungen, um allen Anforderungen gerecht zu werden und um alle Vorgaben der Behörden zu erfüllen."

Eine konkrete Aufschlüsselung sei derzeit nicht möglich. Ein Insider spricht davon, dass die Situation in Spielberg im Juli wohl eher einem größeren Test ähneln werde als einem Grand Prix wie in den vergangenen Jahren.

"Wir sind gerade dabei, das Einsatzpersonal zu reduzieren", erklärt der lokale Rennleiter Andreas Meklau im 'ORF'-Gespräch. "Die Aufgabe meines Teams ist derzeit, zu schauen, ob die Abstände eingehalten werden können betreffend der Sicherheit. Das ist machbar im Gelände auf einer 4,3 Kilometer langen Rennstrecke, da sehe ich überhaupt kein Problem."

Die sportliche Durchführung sei auch unter den aktuellen Umständen "kein Problem". Doch was passiert, sollte sich etwa ein Streckenposten infizieren? "Dann wird er nicht reinkommen", betont Meklau. "Die Vorgaben sind ganz klar."

Die Vorgaben sehen auch auf dem Gelände des Red-Bull-Ring vor, dass der Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter und die Maskenpflicht in Innenräumen eingehalten werden. "Der Red-Bull-Ring ist ideal dafür, weil man dort so eine große Anlage hat", weiß auch Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger.

"Die Boxen sind so weitläufig, dass man die Trennung der Leute ganz gut hinkriegen kann. Was ich bisher mitbekommen habe, unterstützt das auch die österreichische Regierung. Zumindest sieht die auch kein Problem." In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das Sicherheitskonzept der offiziellen Prüfung standhält.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

Lesen Sie auch