Spieler im Fokus: 28. Spieltag: Hunt - Reinkarnation des stillen Anführers

Aaron Hunt befindet sich seit dem Weggang von Werder Bremen im Jahr 2013 auf der Suche nach sich selbst. Nach einem verkorksten Jahr in Wolfsburg trieb es ihn weiter nach Hamburg , wo er schon als gescheitert galt, nun aber seine Wiedergeburt feiert. Für seine Leistung gegen Hoffenheim bekam er die Note 1,5.

Aaron Hunt befindet sich seit dem Weggang von Werder Bremen im Jahr 2013 auf der Suche nach sich selbst. Nach einem verkorksten Jahr in Wolfsburg trieb es ihn weiter nach Hamburg, wo er schon als gescheitert galt, nun aber seine Wiedergeburt feiert. Für seine Leistung gegen Hoffenheim bekam er die Note 1,5.

Aaron Hunt ist 30 Jahre alt, Ex-Nationalspieler, zweifacher Pokalsieger, mehrmaliger Champions-League-Teilnehmer und blickt auf eine bewegte Bundesligakarriere zurück. Kurzum: Er hat im Fußball eigentlich alles erlebt. Eigentlich, denn die Sprechchöre und stehenden Ovationen nach dem HSV-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim am vergangenen Bundesliga-Spieltag hatte Hunt in der Form noch nicht erlebt.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in diesem Stadion schon mal so von den Zuschauern gefeiert wurde. Ein sehr schönes Gefühl. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte." Aaron Hunts Reaktion kurz nach Abpfiff der Partie seines HSV gegen Hoffenheim spricht Bände. Hunt hatte die Rothosen mit zwei Toren quasi im Alleingang zum Sieg über den Tabellendritten geschossen und scheint nach langer Anlaufzeit nun endlich angekommen zu sein. Viel mehr noch: Er ist so wichtig wie nie für die Hansestädter.

Vor ein paar Monaten war eine Entwicklung in diese Richtung kaum vorstellbar. Im Sommer 2015 kam Hunt nach einem verkorksten Jahr in Wolfsburg nach Hamburg. Dort sollte er eine zentrale Rolle im Mittelfeld spielen, ließ sich vom ganz normalen Chaos im Verein jedoch anstecken und fand nie zu seiner Form. In seiner ersten Saison an der Alster gelangen ihm vier Scorerpunkte (1 Tor, 3 Assists) in 23 Bundesligaspielen. Muskuläre Probleme zwangen ihn immer wieder zu Pausen.

Fast schon in der Türkei

Zu Beginn der aktuellen Spielzeit wurde es nicht besser - im Gegenteil. Die ersten vier Spiele stand er noch in der Startelf, doch mit Bruno Labbadias Entlassung und der Übernahme durch Markus Gisdol schwanden auch die Spielminuten des einstigen Nationalspielers. In der Hinrunde stand er unter Gisdol nur 122 Minuten auf dem Feld.

In der Winterpause schien dann alles seinen gewohnten Weg zu gehen. Ein hoch dotiertes Angebot des türkischen Erstligisten Trapzonspor lag auf dem Schreibtisch. Für Hunt, der nach Spielzeit lechzte, eigentlich eine klare Angelegenheit: unterschreiben, abkassieren und mit Mitte 30 in der Sonne Anatoliens die Karriere ausklingen lassen. Doch der Transfer scheiterte - Hunt blieb.

Ein klärendes Gespräch

Voraussetzung dafür war ein klärendes Gespräch mit dem Trainer: "Wir haben einen Strich unter die Vergangenheit gesetzt und beschlossen, gemeinsam vorwärts zu kommen", wird Gisdol im Weser-Kurier zitiert und auch Sportchef Jens Todt lobt Hunts Einstellung: "Aarons Verhalten ist vorbildlich. Er hat zu keiner Zeit negative Stimmung ausgestrahlt. In seiner jetzigen Verfassung ist er Gold wert für uns."

Das neue Vertrauen der Führungsetage nutzte Hunt in der Rückrunde eindrucksvoll. Der 30-Jährige ist kaum mehr wegzudenken aus seiner neuen alten Rolle im zentralen offensiven Mittelfeld. Mit ihm auf dem Platz gelangen den Hanseaten fünf Siege und zwei Unentschieden. Verloren gingen nur die Duelle in München (0:8) und in Dortmund (0:3).

Schlitzohriger Leader

Besonders der Konkurrenzkampf im Mittelfeld scheint Hunt zu beflügeln. Mit Nicolai Müller, Luca Waldschmidt, Lewis Holtby, Filip Kostic und ihm selbst gibt es derzeit fünf offensive Mittelfeldspieler, die "so richtig in die Mannschaft drängen", wie Gisdol bestätigt. Der ehemalige Bremer setzt sich dabei derzeit durch - und das zurecht.

Gegen Hoffenheim wurden seine Qualitäten mal wieder sichtbar. Hunt ist spielintelligent, überzeugt durch Übersicht und Ruhe am Ball. Beim 1:0 zeigte er sich zudem schlitzohrig wie eh und je, als er einen direkten Freistoß in Baumanns Torwarteck schlenzte, als der Keeper einen Schritt in die falsche Richtung machte.

Hunt ist, wenn in Topform, ein Leader. Einer, der seinem Team mit Erfahrung und einer daraus resultierenden Gelassenheit Sicherheit gibt. Sicherheit, die sich der in den letzten Jahren vogelwilde HSV von Beginn an von der Verpflichtung Hunts versprochen hatte.

Zudem weiß der Sohn einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters genau, wann er das Tempo anziehen und in die freien Räume stechen muss. Gegen Hoffenheim zeigte er die meisten Sprints (35) und war auch bei den intensiven Läufen ganz vorne mit dabei (81 - nur Lewis Holtby hatte mit 83 mehr). Das Spiel ohne Ball ist eine Stärke Hunts.

"Ich weiß, dass ich Fußball spielen kann"

So überraschend die Wiederauferstehung für Außenstehende sein mag, so normal ist sie für den Protagonisten selber: "Ich weiß, dass ich Fußball spielen kann. Das habe ich nicht verlernt, nur weil die eine oder andere Sache in der Vergangenheit nicht so optimal gelaufen ist", so Hunt.

Seine Teamkollegen sehen das ähnlich. Mittelfeldkollege Holtby war sich der Klasse seines Mitspielers stets bewusst gewesen.

"Er war für mich immer ein Top-Fußballer. Das war schon die letzten zehn Jahre so. Jeder hat mal eine schwere Phase, aber diese ist bei ihm vorbei", so der ehemalige Mainzer. Auch Dennis Diekmeier ist voll des Lobes: "Er ist ein überragender Spieler. Was der am Ball kann, können nur wenige."

Ende der Saison läuft Hunts Vertrag in Hamburg aus, dann wird es wieder Spekulationen über seine Zukunft geben. Allerdings verändert sich dann die Verhandlungsposition des Ex-Bremers. Einen Aaron Hunt in Topform wird der HSV nämlich höchst ungern abgeben wollen.

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