"Die Spieler sind mit den Nerven am Ende"

Vincent Wuttke
·Lesedauer: 3 Min.

Ist der FC Schalke noch zu retten?

Mit nur acht Punkten nach 19 Partien droht dem Verein der Abstieg. Bis zu Arminia Bielefeld auf dem Relegationsplatz sind es schon neun Zähler Rückstand. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Dennoch glaubt Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider noch an einen glücklichen Ausgang des königsblauen Abstiegskampfes. "Wir brauchen schnell die Trendwende, dass wir das Ziel, das für viele unrealistisch erscheint, erreichen werden", sagte er im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Seit Christian Gross da ist, sieht man, dass wir uns stabilisiert haben."

Seit der Amtsübernahme des Trainers Ende Dezember gab es in sechs Bundesliga-Begegnungen aber auch nur vier Zähler. Immerhin: Das 4:0 gegen Hoffenheim bedeutete das Ende der Sieglos-Serie. (Die Tabelle der Bundesliga)

Lähmung statt Aufbruchstimmung auf Schalke

Trotzdem: Eine wirkliche Aufbruchstimmung ist auf Schalke nicht zu spüren.

Stattdessen macht sich immer mehr eine Lähmung im Verein breit.

Spielerberater Volker Struth, der einige Klienten bei den Königsblauen hat, verriet: "Wir vertreten einige Schalker Spieler, die sind mit den Nerven am Ende. Denen geht das sehr nahe. Wir können da nicht helfen, das müssen die Verantwortlichen vor Ort machen. Da sind wir nicht nah genug dran."

Auch Schneider hat längst erkannt, dass die Mannschaft mental ein großes Problem hat.

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"Das hängt ein Stück weit in den Köpfen, dass man Angst hat, wie gegen Köln und Augsburg etwas verlieren zu können. Davon müssen wir uns freimachen, auch von der Tabelle. Es bringt nichts, jeden Tag auf die Tabelle zu gucken", gab der Sportvorstand zu.

Draxler kritisiert Gross für Harit-Wechsel

Bereits Interimstrainer Huub Stevens hatte im Dezember von Kopfproblemen bei den Stars berichtet. Auch der Niederländer konnte diese offenbar nicht anpacken.

SPORT1-Experte Alfred Draxler erkannte den fehlenden Mut vor allem in der zweiten Halbzeit gegen Bremen, als Schalke ein 1:0 verspielte und fast noch verlor.

"Ich habe mich gewundert, als Gross nach dem Spiel sagte, es war ein Schritt nach vorne. Das Spiel hätte gewonnen werden müssen. Dann verstehe ich nicht, dass in der zweiten Halbzeit das Signal kommt, defensiver zu spielen", sagte Draxler.

"Werder war in der ersten Halbzeit komplett unterlegen, in der zweiten Halbzeit spielt Schalke eher nach hinten. Der Torwart bekommt in der 65. Minute eine Gelbe Karte wegen Zeitspiels, danach wird Amine Harit vom Feld genommen. Das war kein Schritt nach vorne. Schalke hat rückwärts gespielt."

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Der Experte betonte auch, dass offenbar der Kopf die Beine schwer werden lässt bei den Profis. "Schalke hat die schlechteste Bilanz aller Klubs in Sachen Laufleistung, die ist unter Gross noch schlechter geworden. Da stimmt etwas in der Mannschaft nicht."

Schneider: Schalke trägt gewaltigen Rucksack

Auch Stefan Effenberg legte den Finger beim CHECK24 Doppelpass in die Wunde.

"Wenn man nach so einem Spiel mit der Führung in die Halbzeit geht, muss man sich nicht fragen, was in der Kabine passiert ist. Dann sind die Spieler in der Verantwortung, sich zu pushen und versuchen, das, was sie in der ersten Halbzeit gebracht haben, nochmal zu bringen. Das ist eine Kopfsache", analysierte der SPORT1-Experte.

Trotz allem glaubt Schneider weiter an die Rettung - dank Gross: "Ich habe Christian Gross vor elf Jahren in einer ähnlichen Situation in Stuttgart erlebt. Er ist in der Lage, die Jungs richtig anzupacken, ihnen ein Stück weit den Druck zu nehmen. Aber der Rucksack, den wir mit uns herumschleppen, ist gewaltig."