Spygate 2007: Pedro da le Rosa versteht 100-Millionen-Strafe bis heute nicht

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Es ist einer der größten Formel-1-Skandale des neuen Jahrtausends. Im Jahr 2007 gelangten vertrauliche Ferrari-Informationen über den damaligen Mitarbeiter Nigel Stepney in die Hände von McLaren. Das Team aus Woking wurde deswegen später zu einer Rekordstrafe in Höhe von 100 Millionen US-Dollar verurteilt und zudem aus der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft 2007 ausgeschlossen.

Pedro de la Rosa war damals Testpilot bei McLaren und wusste nachweislich von den geheimen Dokumenten. Im Podcast 'Beyond the Grid' erklärt er, dass er die Strafe bis heute für deutlich überzogen hält. "Manchmal wache ich nachts noch immer schweißgebadet auf", erklärt er mit einem Lachen und ergänzt: "Ich verstehe noch immer nicht, warum wir 100 Millionen zahlen mussten."

"Wir haben dadurch nicht einmal eine Hundertstelsekunde gewonnen. Daher waren 100 Millionen etwas zu viel", stellt er klar und erklärt, dass die Sache eigentlich viel kleiner gewesen sei, als sie später gemacht wurde. Es sei keinesfalls schwere Spionage gewesen. "Wir haben versucht, Informationen von ihnen zu bekommen. Das macht jeder in der Formel 1 so", erklärt der mittlerweile 49-Jährige.

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"Die Informationen, die wir über Ferrari hatten, waren solche, die man an der Kaffeemaschine austauscht, wenn man mit [anderen] Ingenieuren spricht. 'Weißt du, welche Gewichtsverteilung Ferrari hat?' Solche Fragen eben", rechtfertigt er sich. Die Informationen hätten damals überhaupt keinen Einfluss auf das eigene Entwicklungs- oder Testprogramm bei McLaren gehabt.

"Es hat sich nichts verändert. Wir haben [die Informationen] gar nicht verwendet", beteuert der Spanier. Klar ist aber auch, dass es nicht nur verbale Informationen waren, über die McLaren verfügte. Insgesamt hatte Chefdesigner Mike Coughlan ein 780-seitiges Ferrari-Dossier in seinem Besitz. "Ich habe das nie gesehen. Es ging nie im Team rum", versichert de la Rosa.

Kurios: Die Sache flog damals auf, weil Coughlans Frau die Unterlagen in einem Copyshop kopierte. "Warum sie es gemacht hat? Weil Mike gar nicht wusste, was er mit den Informationen machen soll. Er nahm das gar nicht ernst", erklärt de la Rosa. "Ich sage nicht, dass wir alles richtig gemacht haben. Aber war das 100 Millionen wert?", so der Spanier, für den der Vorgang damals nicht ungewöhnlich war.

"Ich war in der Formel 1 bei vielen Teams", erinnert er. In der Königsklasse fuhr er neben McLaren für Arrows, Jaguar, Sauber und HRT, zudem war er Testpilot bei Jordan, Prost und später auch Ferrari. "Es fliegen immer Informationen von anderen Teams herum", versichert er. Meistens passiere das, "weil man Ingenieure von anderen Teams holt", die dann automatisch Wissen mitbringen.

Das sei dann aber keine Spionage sondern in der Formel 1 an der Tagesordnung. Viel schlimmer sei Spygate 2007 auch nicht gewesen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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