Wieso der Name Stöger in Köln Zweifel hervorruft

Tobias Holtkamp
·Lesedauer: 3 Min.
Wieso der Name Stöger in Köln Zweifel hervorruft
Wieso der Name Stöger in Köln Zweifel hervorruft

Während die Spieler des 1. FC Köln unter "Feuerwehrmann" Friedhelm Funkel am Klassenerhalt arbeiten, schraubt Sportchef Horst Heldt an der Zukunft. Und es ist fast typisch, dass in Köln mal wieder die ganze Stadt - beinahe live - bei der Suche nach dem nächsten Trainer dabei ist.

Schon bei Funkel war es so, dass im Grunde jeder halbwegs FC-Interessierte seit Januar wusste, dass der Ex-Düsseldorfer als Nachfolger von Markus Gisdol auf Abruf steht. Gemeinsam mit seinem langjährigen Co-Trainer Peter Hermann sollte Funkel übernehmen. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Dass Hermann nicht in Köln landete, lag dann ausschließlich an Bayer Leverkusen, die dem FC ein paar Wochen zuvorkamen und Hermann als Ergänzung zu Cheftrainer Hannes Wolf verpflichteten.

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Stöger verhandelt mit Köln

Die Gespräche mit Peter Stöger finden nun auch fast öffentlich statt. Dass Heldt am Wochenende einen Termin mit dem beliebten Ex-Coach hatte, stand vorher in allen Kölner Zeitungen, ebenso, dann anschließend, worüber sie sich so unterhielten. Finanzielle Möglichkeiten, Kader, Zielsetzung. Stöger, noch bei Austria Wien an der Seitenlinie, gab bereitwillig Auskunft. Er würde, das ist zu spüren, gerne zurückkehren nach Köln, in welche Liga, ist nicht entscheidend.

Emotional wäre die Rückkehr des erfolgreichen Ex-Trainers auch sicher ein Trumpf - fachlich dagegen bestehen FC-intern Zweifel. Hinter vorgehaltener Hand wird seit etwa zwei Wochen rege darüber diskutiert, wie sich die Führungsriege denn "ernsthaft" mit einem Stöger-Comeback befassen könne.

Schon unter Achim Beierlorzer, aber gerade unter Gisdol habe der FC im spieltaktischen Bereich große Schritte gemacht, sei deutlich moderner und variantenreicher aufgetreten als zu Zeiten unter Stöger. Auch die Passgeschwindigkeit habe sich, heißt es im Funktionsteam, unter Gisdol noch einmal deutlich verbessert.

Höhepunkt Europa-League-Quali

Stögers große Stärke, davon schwärmen nach wie vor viele beim FC, war die menschliche Art. Die Gabe, zuzuhören, aber auch vermitteln und überzeugen zu können. Seine Spieler waren ihm heilig, auf sie ließ er nichts kommen. Als Gegenleistung zerrissen sie sich für ihn auf dem Spielfeld.

Nach der Sensations-Qualifikation für die Europa League, im Sommer 2017, schien die Luft aber raus, der nächste sportliche Schritt unmöglich. Im Dezember musste Stöger gehen, nach zuletzt drei Punkten aus 14 Spielen. (Tabelle der Bundesliga)

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Jetzt umtreibt einige, die jeden Tag am Geißbockheim arbeiten, die Sorge, dass sich der vermeintliche Schritt nach vorne, aus einer unruhigen Saison zum Sympathieträger Peter Stöger, als Rückschritt entpuppen könnte. "Die Zeiten", sagt einer, der schon 2017 dabei war, "haben sich geändert. Alles ist noch mal schneller geworden. Es bringt dem Verein nichts, in der schönen Vergangenheit zu leben."

Der Klassenerhalt ist nicht die einzige schwierige Aufgabe, die die Kölner Verantwortlichen lösen müssen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".