Wie Lampard Havertz das Leben schwer macht

Philip Kearney
·Lesedauer: 4 Min.

Kai Havertz hat sich seinen Start beim FC Chelsea sicherlich anders vorgestellt.

Der Rekordtransfer der Blues (80 Millionen Euro Ablöse) hatte bislang noch nicht den erhofften offensiven Einfluss auf die Mannschaft von Frank Lampard.

Klammert man seinen Hattrick gegen den Zweitligisten Barnsley im League Cup aus, erzielte der Deutsche bislang erst einen Treffer für seinen neuen Verein.

Havertz lässt Torgefahr vermissen

Dabei ist Havertz eigentlich für seine Torgefahr bekannt. Für Leverkusen traf der offensive Mittelfeldspieler in 150 Spielen starke 46 Mal.

Allein in der letzten Saison schoss er wettbewerbsübergreifend 18 Tore.

Zwar will Timo Werner die Torflaute seines Mitspielers nicht überbewerten ("Natürlich ist es für Kai wichtig, Tore zu erzielen, aber man sieht in den Spielen mit ihm, dass es bei ihm um mehr geht, als Tore zu schießen. Er spielt Schlüsselpässe, macht gute Bewegungen."), Zufall ist die aktuelle Torstatistik von Havertz jedoch nicht.

Havertz bei Bayer ohne echte Position

Denn beim FC Chelsea offenbart sich Havertz ein Problem: Seine Aufgaben und die damit verbundene realtaktische Position auf dem Platz.

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"Meine beste Position ist die zehn, aber ich kann auf der rechten Seite oder als Stürmer spielen", sagte Havertz im September.

Tatsächlich kam er in Leverkusen auf all diesen Positionen zum Einsatz. Jedoch nur nominell, wie seine Heatmap des Datendienstleisters Opta, welche die BBC veröffentlichte, zeigt.

Wirft man beispielsweise einen Blick auf seine Durchschnittsposition als rechter Flügel bei Leverkusen, sieht man, dass er eher als zweiter Stürmer agierte.

Havertz agiert bei Chelsea deutlich tiefer

Bei Chelsea agierte er auf dieser Position bislang deutlich defensiver.

So stand Havertz - als Rechtsaußen im 4-2-3-1-System aufgeboten - bei seinem Premier-League-Debüt gegen Brighton durchschnittlich tiefer als Sechser N'Golo Kanté. Die logische Konsequenz: Der Deutsche hatte keinen Ballkontakt im gegnerischen Strafraum und beendete die Partie ohne Torschuss.

Auch ein Systemwechsel änderte nichts an der tiefen Position des Offensivakteurs. Obwohl Havertz als rechter Flügel im 3-4-3-System nominell an vorderster Front agierte, stand er beim 0:0 gegen Manchester United durchschnittlich auf Höhe der eigenen Außenverteidiger.

Zudem bekam er mehr Zuspiele von den Innenverteidigern Thiago Silva und César Azpilicueta als die zentralen Mittelfeldspieler. Die Folge: Wieder blieb Havertz ohne Ballkontakt im gegnerischen Sechzehner, erneut gab er keinen Torschuss ab.

Hatte Havertz in der abgelaufenen Saison in Leverkusen noch rund 5,5 Ballkontakte pro Spiel im gegnerischen Strafraum, waren es bei Chelsea in dieser Saison bisher nur zwei. Dass sich dies zwangsläufig in der Zahl an Scorer-Punkten widerspiegelt, bestätigt ein Blick auf seine zu erwartenden Tor- (xG) und Vorlagenwerte.

Sein xG-Wert hat sich bei Chelsea im Vergleich zu seiner Zeit bei Leverkusen von 0,33 auf 0,16 halbiert, noch gravierender sieht es bei den Vorlagen aus. Dort sank der Wert von 0,23 auf 0,08.

Pulisic und Hudson-Odoi als Helfer?

Um zu verstehen, weshalb Havertz bei Leverkusen deutlich besser spielte, lohnt sich ein Blick auf die Spieler um ihn herum.

In Leverkusen brillierte der Deutsche vor allem dann, wenn er an der Seite von pfeilschnellen Flügelspielern wie Moussa Diaby, Karim Bellarabi oder Leon Bailey spielte. Das Trio legte Havertz elf seiner insgesamt 18 Tore in der letzten Saison auf. Der 21-Jährige harmonierte blendend mit den Flügelflitzern, revanchierte sich mit vier Vorlagen.

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Das sollte Chelsea-Fans Hoffnung machen. Stehen doch mit Christian Pulisic und Callum Hudson-Odoi zwei Spieler mit ähnlichen Attributen im Kader der Blues. Von Timo Werner ganz zu schweigen.

Diese Maßnahme allein dürfte jedoch nicht reichen, um Havertz' volle Offensivpower zu entfalten.

Kanté und Co. in der Pflicht

In Leverkusen profitierte der Mittelfeldspieler davon, dass die Sechser den Spielaufbau übernahmen.

Dadurch musste sich Havertz nicht so tief fallen lassen und tauchte folglich deutlich häufiger im gegnerischen Drittel auf.

Hier sind die zentralen Mittelfeldspieler der Blues Kanté, Jorginho, Kovacic und Co. gefragt.

Fazit: Gelingt es Lampard, den Spielaufbau ins Zentrum zu verlagern und Havertz mit schnellen Spielern zu umringen, dann steht einer Top-Saison des 21-Jährigen nichts mehr im Wege.