Darum steckt Frenzel in der Krise

Thomas Walz, Christopher Mallmann
Sport1

Der Name Eric Frenzel steht für Erfolg.

Drei Olympia-Goldmedaillen, sieben WM-Goldmedaillen und fünf Triumphe im Gesamtweltcup - die Errungenschaften und Auszeichnungen des 31-Jährigen lesen sich wie eine endlose Erfolgsgeschichte. Doch was Frenzel aktuell abliefert, ist weit davon entfernt.

Frenzel schwach im Springen

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Zuletzt nominierte ihn Bundestrainer Hermann Weinbuch nicht einmal für den Team-Wettbewerb beim Heimweltcup in Oberstdorf. Grund: Frenzel ist nicht konkurrenzfähig, schon gar nicht im Duell mit Norwegen. Während das Springen noch nie seine Paradedisziplin war, fällt es in dieser Saison besonders schwach aus.


"Ich würde gerne anders performen, aber auf der Schanze tue ich mich schwer", erklärte Frenzel vor dem Nordic Combined Tripe in Seefeld, einem Format mit drei Wettbewerben an einem Wochenende, bei SPORT1. "Wir sind auf der Suche, was genau das Grundübel ist."

Das bisherige Ergebnis jener Suche: wenig - wie der zweimalige Einzel-Olympiasieger selbst gesteht: "Wir sind ratlos. Es fehlt die Zuversicht." Dennoch wolle er nicht aufgeben: "Wir haben bewiesen, dass wir das Ruder wieder rumreißen können. Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und betrübt rumzulaufen. Es gibt immer mal Phasen, in denen es nicht so gut läuft."

2020 keine große Meisterschaft

Diese Phase ist zweifellos erreicht. Das einzig Gute: 2020 ist weder ein Olympia- noch ein WM-Jahr. Und trotz aller Ratlosigkeit glaubt Frenzel, genau dort einen Grund für sein miserables Abschneiden zu finden.

Das Wintersport-Wochenende im TV: SPORT1 hat alle Veranstaltungen im Überblick

Er habe gewusst, dass 2020 keine große Meisterschaft stattfinden würde, und deshalb die Zeit genutzt, an ein paar Techniken zu arbeiten.

"Ich wollte mich im Springen verbessern", sagte Frenzel. "Das sah im Herbst gut aus und ich hatte das Gefühl, konkurrenzfähig zu sein. Aber dann habe ich gemerkt, dass die ganzen Abläufe noch nicht genug verinnerlicht waren. Dass es unter Wettkampfbedingungen nicht optimal läuft."

Ebenjene Abläufe, "die im Hintergrund funktionieren müssen, die waren einfach noch nicht da. Der Sommer war einfach zu kurz."


Liegt Frenzels Misere also nur an den Umstellungen, die er vor der Saison vorgenommen hat? An der veränderten Trainingsarbeit? Und noch wichtiger: Sind diese Prozesse, die jetzt noch nicht funktionieren, in der Zukunft eine starke Waffe?

Frenzel: "Kommt in Teufelskreis"

Fragen, die Frenzel selbst nicht gänzlich klären kann. Zumindest weiß der dreifache Familienvater, dass die Negativserie viel mit seinem Kopf zu tun habe.

"Technik und Kopf spielen gleichermaßen eine Rolle", erläuterte er. "Wenn man zuversichtlich in eine Saison geht, aber schnell merkt, dass es doch an verschiedenen Stellen hakt, dann kommt man ins Grübeln und vom Hundertsten ins Tausendste. So kommt man in einen Teufelskreis."

Es sei wichtig, geduldig zu bleiben.

Genau diese Tugend muss Frenzel nun beweisen. Sowohl in der verbleibenden Saison - als auch mit Blick auf die WM 2021 und Olympia 2022. Denn noch hat er nicht genug.

"Körperlich fühle ich mit fit", sagte Frenzel. "Es ist für mich ein wichtiges Zeichen, dass ich gut über die Saison komme. Das war dieses Jahr so gut wie lange nicht mehr. Das zeigt mir, dass mein Körper noch stark genug ist."

Starker Körper und klarer Geist - so kann es auch für Frenzel wieder bergauf gehen.

Lesen Sie auch