Wie Steffi Graf eine Wunderkind-Karriere entgleisen ließ

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Steffi Graf eilte wahrlich nicht der Ruf voraus, sich auf dem Tennisplatz in endlosen Wortgefechten mit Schieds- und Linienrichtern zu verlieren.

Wie Steffi Graf eine Wunderkind-Karriere entgleisen ließ
Wie Steffi Graf eine Wunderkind-Karriere entgleisen ließ

Doch an diesem kühlen 5. Juni 1999 in Paris, heute vor 22 Jahren, ist ihr Nervenkostüm auf einmal ausgesprochen dünn. "Was ist jetzt, wollen wir rumdiskutieren oder einfach Tennis spielen?", fragt sie Stuhlschiedsrichterin Anne Lassere - ausgerechnet vor dem Matchball.

Eine maulende, bockige Martina Hingis hat die komplette Dramaturgie des French-Open-Finales in Paris aus den Angeln gehoben.

Hingis lässt Match gegen Graf entgleiten

Die 18-jährige Schweizerin ist als Nummer eins der Welt angetreten, um mit dem letzten noch fehlenden Titel ihren Karriere-Grand-Slam zu komplettieren. Doch dann entgleitet ihr nicht nur das Match.

Den ersten Satz hat Hingis bereits mit 6:4 gewonnen, und Graf, in den Wochen zuvor von Verletzungen und Zweifeln gebeutelt, scheint nicht viel gegen die zwölf Jahre jüngere Gegnerin einzufallen.

Auch im zweiten Satz legt die kreativ spielende Hingis ein 2:0 vor, sie ist zu diesem Zeitpunkt eindeutig die bessere Spielerin.

Es scheint sich das zu bestätigen, was die Schweizerin schon vor dem Finale sehr selbstbewusst angekündigt hatte: "Die Steffi ist zu lange raus aus den Turnieren, sie wird es nicht mehr schaffen, oben mitzuspielen. Die Zeiten haben sich geändert. Nur die Deutschen können das anscheinend nicht akzeptieren."

Doch dann bringt Hingis sich selbst zu Fall.

Hingis "zerbricht" an Schiedsrichterentscheidung

Anne Lassere gibt einen Return von Hingis "Aus", eine Entscheidung, die diese keinesfalls hinnehmen will.

Um sich zu vergewissern, bricht Hingis eine eherne Regel im Tennis: Sie spaziert auf die Seite ihrer Gegnerin, um den Abdruck des Balles selbst zu überprüfen. Doch die Schiedsrichterin lässt sich nicht umstimmen und Hingis kassiert zudem eine Verwarnung.

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Hingis setzt sich sogar auf ihren Stuhl und weigert sich weiterzuspielen. Sogar die Oberschiedsrichterin lässt sie antanzen. Die Zuschauer, die bereits von Beginn an auf Seiten von Graf waren, reagieren erbost und pfeifen die Schweizerin von da an nur noch aus.

Dennoch erholt sich Hingis schnell und spielt dann weiter, als wären ihr all die Pfiffe völlig egal. Hingis schlägt sogar zum Matchgewinn auf - und steht kurz vor dem Triumph.

Graf kämpft sich zurück

Doch Graf zeigt ihre Champion-Qualitäten und Hingis erstmals Nerven. Graf holt sich erst das Break und kurze Zeit später den Satz.

Hingis verschwindet zu Beginn des dritten Satzes lange in den Katakomben des Stadions und wird bei ihrer Rückkehr mit neuer Frisur vom Publikum erneut ausgepfiffen. Die alte Selbstsicherheit von Hingis, mit der sie anderthalb Sätze lang dominierte, ist verschwunden.

Ihre Mutter und Trainerin Melanie Molitor versucht von der Tribüne aus vergeblich, die Tochter einzufangen, die verspielt derweil das Finale und alle Sympathien.

Bei 5:2 und 40:30 für Graf kommt es dann zu einem weiteren Eklat: Hingis schlägt von unten auf - ein im Tennis als verpönt geltender Trick -, das Stadion brüllt die Schweizerin nieder. Hingis wiederholt das Spiel kurze Zeit später erneut, doch diesmal schlägt sie den Aufschlag ins Netz. Daraufhin marschiert die Schweizerin zur Schiedsrichterin, um sich über den Lärm zu beschweren und einen neuen ersten Aufschlag einzufordern.

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Nun platzt sogar Graf der Kragen, sie hat genug von den Diskussionen zwischen Hingis und der Schiedsrichterin. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt bei eigenem Matchball, doch Graf lässt sich nicht mehr aufhalten und bringt ihren sechsten French-Open-Titel nach Hause.

Es ist der 22. und letzte Grand-Slam-Titel.

Paris als Karriereknick für Hingis

Und Martina Hingis? Die verlässt von einem Weinkrampf geschüttelt den Platz, ihre Mutter kann sie kaum überreden, zur Siegerehrung zurückzukehren.

Bei dieser Zeremonie findet Steffi Graf dann versöhnliche Worte für die junge Schweizerin: "Du wirst noch viele Titel gewinnen, du hast so viel Zeit." Hingis schaut überraschenderweise, als ob sie das anders sehen würde.

Sie sollte Recht behalten. Während Graf beim letzten Grand-Slam-Turnier ihrer Karriere das Finale in Wimbledon erreicht und danach zufrieden zurücktreten und ihr zweites Leben mit Ehemann Andre Agassi beginnen kann, schlittert Wunderkind Martina Hingis eine frühe Schaffenskrise, aus der sie nie mehr ganz herausfindet.

Hingis verliert in Wimbledon in der ersten Runde gegen Jelena Dokic, wird in den Jahren darauf zunehmend von Verletzungen geplagt - und vom Aufstieg der durch ihr Power-Tennis glänzenden Rivalinnen Venus und Serena Williams, Lindsay Davenport und der wieder aufblühenden Jennifer Capriati, die am 15. Oktober 2001 die Ära Hingis an der Weltranglistenspitze beendet.

Zwei Jahre später beendet die frustrierte Hingis mit nur 22 Jahren ihre Karriere. Mehrere Comebacks folgen - aber ein Grand-Slam-Turnier gewinnt Hingis tatsächlich nie mehr.

Mit Sportinformationsdienst (SID)

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