Steht die Ära Zidane vor dem Ende?

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Zinédine Zidane bemühte sich um die üblichen Durchhalteparolen.

"Wir müssen diese Situation durchstehen, denn es ist eine Pechsträhne, und es ist wahr, dass unsere Ergebnisse nicht gut sind. Aber wir werden weiterhin hart arbeiten und an das glauben, was wir tun", erklärte der Trainer von Real Madrid nach der 0:2-Niederlage bei Schachtjor Donezk in der Champions League. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

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Eine Pechsträhne? Was die Königlichen vor allem in der zweiten Hälfte gegen die Ukrainer abliefern, war erschreckend schwach. In der ersten Hälfte erarbeitete sich Real die eine oder andere gute Gelegenheit, nach dem Führungstreffer von Donezk in der 57. Minute durch Dentinho enttäuschte Real allerdings auf ganzer Linie. "Es ist schwer für uns, wenn unsere Gegner den ersten Treffer erzielen. Wir kämpfen, wir spielen und kassieren ein Tor. Im Angriff haben wir Pech", gab Toni Kroos zu Protokoll.

Real Madrid droht Vorrundenaus

Nach der zweiten Niederlage in der Gruppenphase steht Real vor dem Entscheidungsspiel enorm unter Druck. In der kommenden Woche muss gegen Borussia Mönchengladbach zwingend ein Sieg her, sonst droht das Ende einer Rekordserie. In den vergangenen 23 Saisons hatten es die Königlichen immer geschafft, die Gruppenphase zu überstehen. Selbst ein Remis könnte das Aus bedeuten, falls Donezk im Parallelspiel gegen Inter Mailand mindestens einen Punkt holt.

Gegen Gladbach soll also das gelingen, was in zwei Spielen gegen Donezk nicht gelang? Zur Einordnung: Die Fohlen haben die Ukrainer in den beiden Aufeinandertreffen mit 6:0 und 4:0 aus dem Stadion geschossen, Real dagegen beide Duelle mit Donezk verloren. Auch im Hinspiel in Gladbach machte Madrid nur mit viel Dusel in der Schlussphase aus einem 0:2 ein 2:2.

Reals Zahlen sind alarmierend. Neun Gegentore nach fünf Gruppenspielen kassierten die Königlichen überhaupt noch nicht, mit zwei Niederlagen haben sie bereits jetzt schon so viele, wie in den anderen drei Gruppenphasen unter Zidane zusammen.

Auch in La Liga mit Problemen

Auch in La Liga gibt Real aktuell kein gutes Bild ab. Von den vergangenen drei Spielen wurde keins gewonnen, zwei dieser Spiele gingen verloren. Beim FC Valencia kassierte Real Anfang November eine 1:4-Klatsche. Bereits sieben Punkte liegt Real hinter Tabellenführer Real Sociedad zurück (bei einem Spiel weniger).

Die Probleme ziehen sich dabei durch alle Mannschaftsteile. Torhüter Thibaut Courtois leistete sich in letzter Zeit den einen oder anderen Patzer, gleiches gilt für Verteidiger Raphael Varane. Kapitän Sergio Ramos fehlt aktuell verletzt.

Im Angriff gibt Karim Benzema den Alleinunterhalter. Youngsters wie Rodrygo und Vinicius Junior brauchen noch Zeit. Und Superstar Eden Hazard hat seine 115 Millionen Euro Ablöse, die 2019 für ihn gezahlt wurden, noch nicht ansatzweise gerechtfertigt, fehlt – mal wieder – verletzt.

Kein Wunder, dass bei so einer Situation auch über den Trainer diskutiert wird. Doch Zidane ist nicht irgendein Trainer. Der 48-Jährige hat sich in seiner ersten Amtszeit von 2016 bis 2018 mit drei CL-Titeln ein Denkmal in Madrid gesetzt.

Zidane denkt nicht an Rücktritt

Ein Dreivierteljahr nach seinem Abschied übernahm er den damals krisengeplagten Klub erneut. In der vergangenen Saison führte er Real etwas überraschend zur Meisterschaft, in der Königsklasse war allerdings bereits im Achtelfinale Schluss.

"Ich werde nicht zurücktreten, ganz und gar nicht. Wir werden weitermachen", erklärte Zidane nach der Niederlage gegen Donezk, die bereits die 5. im 15. Pflichtspiel war. Doch laut der klubnahen Marca schwindet nach der erneuten Pleite das Vertrauen der Real-Bosse in Zidane. Das Spiel habe den Trainer in eine "heikle" Situation gebracht.

Pochettino als Nachfolger?

Zugleich bringt das Blatt auch einen möglichen prominenten Nachfolger ins Spiel – Mauricio Pochettino. Der 48-Jährige ist nach seinem Aus bei Tottenham Hotspur seit rund einem Jahr vereinslos. Er machte des Öfteren keinen Hehl daraus, eines Tages die Königlichen trainieren zu wollen.

Schon 2016 wäre er demnach um ein Haar als Nachfolger von Rafa Benitez in Madrid gelandet, doch Tottenham-Boss Daniel Levy beharrte auf einer Klausel im Vertrag des Argentiniers. Nun könnte es zur ersehnten Zusammenarbeit kommen.

Auch Vereinslegende Raul ist laut Marca ein möglicher Kandidat für die Zidane-Nachfolge. Der 43-Jährige trainiert aktuell die zweite Mannschaft der Königlichen, soll eines Tages Cheftrainer werden. Aktuell werde ihm der Sprung allerdings eher noch nicht zugetraut.

Gegen Gladbach dürfte Zidane aller Voraussicht nach die Chance bekommen, doch noch die Achtelfinalqualifikation zu sichern. (Service: Tabelle der Champions League)

Falls das nicht gelingt, könnte die Ära Zidane bei Real ein unschönes Ende finden.