Der (viel zu) stille Abschied des Mario Gomez

Tobias Wiltschek
Sport1

Mario Gomez zählt zu den besten Stürmern, die sich je in der Bundesliga die Kickschuhe geschnürt haben. Doch trotz aller Tore und Erfolge wurde er nie so wirklich gewürdigt - was sicherlich auch an seiner Art liegt.

Mario Gomez wird wohl nach dieser Saison seine erfolgreiche Karriere beenden. (Bild: Getty Images)
Mario Gomez wird wohl nach dieser Saison seine erfolgreiche Karriere beenden. (Bild: Getty Images)

Mario Gomez war nie ein Spieler der großen Gesten. Er fühlte sich nicht immer wohl in der Glitzerwelt des Profi-Business.

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Doch etwas mehr Spektakel hätte man ihm dann doch bei seinem Abschied von der deutschen Fußball-Bühne gewünscht.

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Es ist ein Spiel in der 2. Bundesliga zwischen "seinem" VfB Stuttgart und Darmstadt 98 vor leeren Rängen, nach dem die Schwaben zwar in die Bundesliga aufsteigen werden, aber wohl auch eine der bemerkenswertesten Karrieren der vergangenen Jahrzehnte zu Ende geht.

Dass Gomez seine Laufbahn danach woanders fortsetzt, ist unwahrscheinlich.

Gomez ein Vollblutstürmer

Mit dem 34-Jährigen tritt ein Spieler ab, der den Strafraum wie wenige seiner Kollegen beherrschte und mit allem, was er hatte, den gegnerischen Kasten ins Visier nahm.

Ob mit rechts, links oder mit dem Kopf. Es wurden viele Tore, die der heute 34-Jährige im Laufe seiner Karriere in der Bundesliga erzielt hat.

Mit insgesamt 170 Treffern in 328 Spielen steht er in der ewigen Torjägerliste der Bundesliga auf Platz elf. Von den noch aktiven Spielern haben lediglich Robert Lewandowski und Claudio Pizarro mehr Treffer auf dem Konto.

Magath: "Er gehört zu den Besten"

"Er gehört zu den Besten, die in der Bundesliga gespielt haben auf seiner Position", sagt Felix Magath, der ihn 2004 für den VfB debütieren ließ. "Damals war es schon das herausragendste Merkmal, dass Mario ein Tor machen wollte. Er hat schon einiges mitgebracht für einen Topstürmer."

Allein für die Stuttgarter hat der im schwäbischen Riedlingen geborene Sohn eines Andalusiers bis heute in den beiden höchsten deutschen Spielklassen insgesamt 84 Tore erzielt.

In der Saison 2006/07 hatte er mit seinen 14 Toren maßgeblichen Anteil daran, dass der VfB seine dritte Bundesliga-Meisterschaft feiern durfte.

"Mario hat eine große Karriere hingelegt und ist ein sympathischer Mensch mit einem tollen Charakter", erinnert sich sein damaliger Meistertrainer Armin Veh bei spox.com.

Triple-Bayern? Der Vergleich mit Heynckes' Superteam

Gomez gehörte zu den letzten Protagonisten einer Zeit, in der der FC Bayern nicht in jeder Saison den Titel holte.

Und dennoch zog es ihn zwei Jahre später zum deutschen Rekordmeister. In München hatte er seine erfolgreichste Zeit, wurde 2011 Torschützenkönig der Bundesliga und 2013 Triple-Sieger mit den Bayern.

Im Finale von London gegen Borussia Dortmund kam er allerdings erst kurz vor dem Schlusspfiff in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Einsatz.

Gomez auf Gerd Müllers Level

Nach der Saison verabschiedete er sich dann von den Bayern - mit einer beeindruckenden Marke. Mit 0,83 Toren im Schnitt pro Startelfeinsatz in der Bundesliga (87 Spiele, 72 Tore) war er sogar fast auf Gerd Müllers Level (0,85 bei 365 Toren in 427 Spielen).

Auch bei seinen folgenden Stationen in Florenz und bei Besiktas Istanbul zeigte er seine Qualitäten – in Italien wurde er nach Anlaufschwierigkeiten 2015 bester Torschütze des Pokalwettbewerbs, in der Türkei ein Jahr später Top-Torschütze der Süper Lig.

78 Mal spielte Mario Gomez für Deutschland, erzielte dabei 31 Tore. (Bild: Getty Images)
78 Mal spielte Mario Gomez für Deutschland, erzielte dabei 31 Tore. (Bild: Getty Images)

In Deutschland wurde er dennoch Zeit seiner Karriere immer ein wenig unterschätzt. Das dürfte nicht unwesentlich mit dem 16. Juni 2008 zu tun haben, als Gomez im EM-Spiel gegen Österreich das Kunststück fertig brachte, aus zwei Metern freistehend über das Tor zu schießen.

Es folgten viel Spott und Häme, die ihn praktisch durch seine gesamte Länderspiel-Karriere begleiteten - und das bei einer mehr als ordentlichen Quote von 31 Toren in 78 Spielen.

“Wund gelegen” - Scholl-Spott verfolgt ihn

Die blieben aber weniger hängen als der flapsige Spruch von TV-Experte Mehmet Scholl während der EM 2012. Der sagte damals, Gomez habe sich auf dem Platz so wenig bewegt, dass er fürchtete, Gomez habe sich "wund gelegen".

Dem Stürmer selbst mache sein Negativ-Image "nicht ganz so viel aus“, sagte er einmal in einer Medienrunde. "Ich kriege das hin." Verärgert sei er vielmehr darüber, dass auch seine Freunde und Familie in Mitleidenschaft gezogen würden.

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Bundestrainer Joachim Löw hat jedenfalls nur lobende Worte für ihn übrig. "Ich habe riesigen Respekt vor ihm, als Mensch wie als Sportler."

Ihm dürfte es deshalb sehr wehgetan haben, dass er 2014 beim WM-Triumph auf Gomez verletzungsbedingt verzichten musste.

Mit dem Titel in Brasilien wurde es also nichts. Immerhin wird er am Sonntag als Bundesliga-Aufsteiger mit den Stuttgartern die große Fußball-Bühne verlassen.

Einer wie er hätte dennoch einen würdigeren Abschied verdient. 

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