Stolpert Emery bei Arsenal über Özil?

Christopher Mallmann
Sport1

Machtkämpfe haben viele Facetten. Brutal und gnadenlos können sie sein. Lehrreich und bemerkenswert. Aber vor allem haben sie folgende Eigenschaft: Sie bringen einen Sieger hervor - ebenso wie einen Verlierer.

Was aktuell beim FC Arsenal passiert, kann in verschiedener Hinsicht als Machtkampf gedeutet werden. Unai Emery gegen die Fans, Emery gegen die Mannschaft, Emery gegen Granit Xhaka, Emery gegen die Medien.


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Der Trainer der Gunners kämpft nach nur zwei Siegen aus den letzten neun Premier-League-Spielen um seinen Job. Bereits sechs Punkte trennen Arsenal von Platz vier und damit der Champions League. Schon in dieser Saison müssen die Gunners mit der Europa League Vorlieb nehmen (Europa League: Vitoria Guimaraes - FC Arsenal, ab 16.50 Uhr im LIVETICKER).

Emery vs. Özil

Der wohl stillste Machtkampf wird zwischen Emery und Mesut Özil ausgetragen. Seit dem ersten Tag - seit jenem Sommer 2018, da der Spanier beim FC Arsenal angeheuert hat - sind die beiden nicht wirklich miteinander warm geworden. Differenzen und Querelen prägten das Verhältnis nachhaltig.

Das Besondere: Es war immer ruhig. Der Grund: Özil war nie der Typ für laute Konflikte und zog sich meist zurück. Ein ernsthafter Machtkampf - im oberflächlichen Sinne des Wortes - war es also nie. Und doch, subtil betrachtet, ist eine Kraftprobe zwischen den beiden kaum zu leugnen.

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Hilfreich ist ein Blick zurück. Dass Arsenal seinen Bestverdiener - Einkommen: geschätzte 20 Millionen Euro pro Jahr - loswerden wollte, ist ein offenes Geheimnis. Während im Sommer jedoch nichts geschehen war, arbeitete Emery an dem Projekt "loswerden" zuletzt mit pedantischer Sorgfalt. Sechsmal in Folge stand Özil nicht im Kader der Gunners, seit dem 22. September hatte der Deutsche keine einzige Minute auf dem Platz absolviert.

Özil in Startelf

Das änderte sich beim League Cup schlagartig, ausgerechnet beim FC Liverpool. Emery stellte Özil in die Startelf, und der zahlte zurück: Drei Tore bereitete der ehemalige deutsche Nationalspieler bei der 9:10-Niederlage nach Elfmeterschießen vor. Auch am vergangenen Wochenende durfte er gegen die Wolverhampton Wanderers ran. Die Partie endete 1:1, Özil spielte 90 Minuten.

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In England schütteln Fans und Medien verwundert den Kopf. Was geht in Emery vor? Warum lässt er Özil zunächst komplett außen vor, um ihn jetzt wieder voll einzusetzen?

Doch Emery scheint ein weiteres Problem zu haben: Neben Medien uns Fans sind es inzwischen auch die Spieler selbst, die Zweifel an den Maßnahmen des Trainers hegen. Laut der Daily Mail können sie den Umgang Emerys mit Özil nicht nachvollziehen. So seien viele vom Weltmeister und seinen Fähigkeiten überzeugt - gerade in wichtigen Spielen wie gegen Liverpool könne er die entscheidenden Akzente setzen.


Dass Emery Özil für sechs Spiele gänzlich ausgeschlossen hat, zeugt davon, dass dieser nicht sein bevorzugter Spieler ist. Ihn nun zurückzuholen und wieder voll einzusetzen, könnte jedoch bedeuten, dass er seine Meinung geändert hat - oder gewillt ist, dem immer größer werdenden Druck nachzugeben.

Fans erheben sich gegen Emery

Jener Druck äußert und manifestiert sich auch in der Reaktion der Anhänger. Im Emirates Stadium sind immer mehr Menschen mit "Emery out"-Bannern zu sehen - die Wendung der Fans gegen den Trainer war auch der Anfang vom Ende der Arsene-Wenger-Zeit.

Emery muss aufpassen. Dass er Özil spielen lässt, mag eine Art Zugeständnis an seine eigenen Spieler sein - und an den Ex-Madrilenen selbst, der damit den unterschwelligen Machtkampf gewonnen hätte.

Ganz still und leise.

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