Streitfall Bale: Der kuriose Kontrast zwischen Real und Wales

Lukas von Hoyer
Sport1

"Wales, Golf, Madrid."

Diese drei Worte sangen die Fans der walisischen Nationalmannschaft nach dem 2:0-Sieg ihrer Mannschaft in Aserbaidschan. Der Adressat: Gareth Bale, der bis zu seiner Auswechslung in der 60. Spielminute für Wales auf dem Feld stand.


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Die drei Worte beschreiben auf ironische Art und Weise drei Eckpfeiler in Bales Leben und sind gleichzeitig als Hohn und Spott in Richtung Real Madrid zu verstehen. 

In seiner Freizeit spielt er leidenschaftlich Golf, immer wieder kommt sein Hobby in die Schlagzeilen. Das liegt daran, dass einige Fans und Journalisten längst den Eindruck haben, dass Bale lieber auf dem Golfplatz steht, als auf einem Fußballfeld.

Bale spielt lieber für Wales

Auf jeden Fall für seinen Arbeitgeber, der seit Sommer 2013 Real Madrid ist. Viel mehr Spaß macht es dem 30-Jährigen allerdings für sein Heimatland Wales aufzulaufen, wie er am Freitag bei einer Pressekonferenz klarmachte: "Ich habe deutlich mehr Motivation für Wales zu spielen. Es fühlt sich an, wie wenn du mit deinen Freunden an einem Sonntag im Park kickst."

Wenn Bale für Wales spielt, dann hat er das Lächeln wieder, dass er in Madrid zumeist vermissen lässt. Zuletzt hatte man es am 13. Oktober bewundern können, als Bale die Waliser gegen Kroatien als Kapitän aufs Feld geführt hatte. Fast einen Monat ist das nun her. Einen Monat, in dem Bale keine einzige Minute für Real spielte.

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Nach der letzten Länderspielpause war der Offensivspieler nämlich verletzt in die spanische Hauptstadt zurückgekehrt.

Es war von Wadenproblemen die Rede. Bale gab zwar schnell Entwarnung, er reiste aber trotzdem nicht mit seinen Teamkollegen zum Auswärtsspiel auf Mallorca und stand auch in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul nicht im Kader.

Kein Training mit Real

In der Folge trainierte Bale individuell im Fitnessraum und nicht mit dem Team. Zudem stand er auch in den letzten drei Ligaspielen nicht im Kader, was wegen einer Aussage seines Trainers für einige Verwirrung sorgte.

"Bale ist nicht verletzt, er steht aber nicht zur Verfügung", hatte Zinedine Zidane vor der Partie bei Eibar gesagt. Wenige Tage später reiste sein Spieler trotzdem zur Nationalmannschaft, obwohl er an keinem der vergangenen 27 Tage an Zidanes Training teilgenommen hatte.

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Am Samstag hatte ihn Wales-Coach Ryan Giggs dann auch noch in die Startformation berufen, was bei den Königlichen für eine Menge erstaunen und Verärgerung gesorgt haben dürfte.

Die momentane Entwicklung scheint zu bestätigen, was ohnehin längst zu vermuten war: Bale hat bei Real wohl keine Zukunft. Das zeigt seine unterschiedliche Einstellung bei Klub und Nationalmannschaft. Schon im Sommer wollte Bale weg und Real hatte auch gehofft, ein passendes Angebot einholen zu können. Daraus wurde aber nichts.

Ein Abschied als einzige Lösung?

Das Problem war der finanzielle Aspekt. Bale war 2013 für die astronomische Summe von 101 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zu Real gewechselt und zum teuersten Spieler der Welt geworden. Zudem bezieht er ein königliches Gehalt. In der momentanen Situation war kein Klub bereit, dieses zu zahlen.


Da Bale aber auch nicht auf Geld verzichten will, berichtet die spanische Zeitung AS, dass im Winter nur ein Wechsel nach China in Frage kommt. Von dieser Option war der Außenstürmer aber noch nie begeistert.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass er während seiner Abwesenheit im Real-Training auch einen Trip nach London unternommen hatte. Wegen "privater Angelegenheiten", kommunizierte der Klub.

Möglich ist, dass sich Bale mit seinem Berater Jonathan Barnett getroffen hat. Vielleicht ist also doch ein Ende der wöchentlichen Eklats und Schlagzeilen um den Waliser in Sicht. Ein Abschied ist längst für alle Parteien die beste und womöglich einzige Lösung.  

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