Die Neymar-Posse

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 5 Min.
Die Neymar-Posse
Die Neymar-Posse

Am Samstagabend wurde es einmal mehr überdeutlich: Oftmals ist es nicht einfach, Neymar zu sein.

Im Spitzenspiel der Ligue 1 zwischen Paris Saint-Germain und OSC Lille zeigte sich der Brasilianer von der Seite, die ihn in letzter Zeit immer öfter zu überkommen scheint. Der Superstar offenbarte nacheinander die komplette Palette seiner unbedachten und teilweise aufbrausenden Reflexe - und die unterschiedlichen Eigenschaften seiner launenhaften Persönlichkeit. (Champions League: FC Bayern - PSG, Mi. 21 Uhr im LIVETICKER)

"Ich wurde geboren und glücklich zu sein, nicht um perfekt zu sein", sagte Neymar einmal. Auf dem Rasen lebt er diesen Spruch oftmals, am Samstagabend dürfte er aber beides nicht gewesen sein.

Man hätte die Uhr danach stellen können und tatsächlich: Noch vor dem Abpfiff explodierte die tickende Zeitbombe und der nächste Tiefpunkt in der Karriere eines Ausnahmetalents war erreicht. (Service: SPIELPLAN der Ligue 1)

Der Fantalk begleitet den Viertelfinal-Kracher in der Königsklasse zwischen Bayern und PSG am Mittwoch live im TV und Stream ab 21 Uhr

Das Fußballgenie und der Exzentriker

Neymar begann in dem so wichtigen Spiel gegen Lille motiviert, ihm gelang das ein oder andere - wenn auch nichts Bahnbrechendes. Im einigen Momenten schien auch das Fußballgenie Neymar aufzublitzen, das in den letzten Jahren das Herz vieler Fußballfans durch schnelle Dribblings, spektakuläre Tricks und wunderschöne Tore erobert hat. (Spielplan und Ergebnisse der Champions League)

Es steht außer Frage, dass Neymar einer der talentiertesten Fußballer der Welt ist. Außerdem ist er nach dem 222-Millionen-Deal im Sommer 2017 immer noch der teuerste Fußballer aller Zeiten.

In Laufe der 0:1-Pleite lief es für den 29-Jährigen aber immer weniger. Schwache Pässe, misslungene Dribblings - mit der Zeit schien der Offensiv-Star zunehmend genervt zu sein. 77 Ballkontakte wies er auf und ganze 22 Mal verlor er die Kugel - die erste Zahl ist für seine Verhältnisse enttäuschend, die zweite erschreckend hoch.

Daher wunderte es nicht, dass mit zunehmender Spielzeit immer mehr der Exzentriker Neymar zum Vorschein kam. So ist das oftmals.

Der eigenwillige Brasilianer legte sich mit seinen Gegenspielern an, spielte den Ball kaum mehr ab und verbrachte die ein oder andere Minute auf dem Boden liegend.

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Neymar fliegt vom Platz - und will sich schlägern

In der 48. Spielminute entlud sich zum ersten Mal die volle Ladung seines Frusts. Neymar schien gegen Gegenspieler Benjamin André bereit zum Kopfstoß als sich beide sehr nahe gekommen waren. Der PSG-Start sah Gelb - lernwillig zeigte er sich an diesem Samstagabend aber nicht. Mal wieder.

In der 91. Spielminute war es dann so weit: Nach einem Stoß gegen Lilles Tiago Djaló kam es zum Gerangel. Beide Spieler sahen die Gelb-Rote Karte. Auf dem Weg in der Kabine mussten dann Betreuer dazwischengehen - denn sonst hätten sich die beiden eine handfeste Schlägerei geliefert.

Neymar könnte daher eine noch längere Sperre in der Ligue 1 drohen als nur ein Spiel. Das Sportgericht ermittelt - am Mittwoch soll eine Entscheidung fallen. Le Parisien glaubt, dass die Sperre drei Spiele betragen könnte.

Zwei Ligaspiele hat er bereits verpasst, da er in seinem ersten Ligaspiel der Saison die Rote Karte gesehen hatte. Zwei Platzverweise in 13 Ligaspielen. Ein neues Level an Kontrollverlust für den Brasilianer.

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Mitspieler sind von Neymar genervt

Kein Wunder, dass mittlerweile auch seine Mitspieler genervt sein sollen, das berichtet L'Equipe. Der neuerliche Ausraster schwächt sein Team im Meisterrennen, das tatsächlich ohne Titel für den Dauerchampion ausgehen könnte. Immerhin ist Lille nun drei Punkte vorn. (Service: TABELLE der Ligue 1)

Außerdem wird Neymar zunehmend zum Einzelgänger. In dieser Saison verpasst er 20 Partien aufgrund von Verletzungen. Kaum ist er wieder fit, fällt er nun mit einer Sperre aus. Auch so ein Ereignis, dass sich in immer kürzeren Abständen wiederholt.

Die Verletzungsanfälligkeit des 103-maligen Nationalspielers der Selecao ist beängstigend. Hinzukommt, dass zu dieser nach andere Abwesenheiten kommen - seltsamerweise fast immer während des Karnevals oder des Geburtstags seiner Schwester in Brasilien. Seine Mitspieler dürften zumindest nicht immer das Gefühl haben, dass Neymar alles für sie gibt.

Klar, sie wissen, dass mit einem Neymar in Topform alles möglich ist - sogar der Henkelpott. Aber mit dem momentanen Neymar stellt sich die Frage, wie es überhaupt weitergehen soll.

Wie lange geht das noch gut?

"Wenn du mir sagst, dass ich etwas nicht kann, dann wirst zu mich doppelt so hart daran arbeiten sehen". Auch dieser Satz stammt von Neymar. Derzeit scheint er aber weit von dieser Einstellung entfernt zu sein.

Auf Kritik reagiert der Superstar in der Regel beleidigt und fast schon kindisch. Das bemängeln wohl auch seine Mitspieler, wenn davon die Rede ist, dass sie von ihrem Superstar genervt sind. Gleiches gilt für die Verantwortlichen von PSG. Die katarischen Besitzer haben über die Jahre eine Menge Geld für Neymar ausgegeben und mussten sich doch viel von ihm gefallen lassen.

Das war auch im Sommer 2019 der Fall, als sich Neymar zurück zu seinem Ex-Klub FC Barcelona streiken wollte. Er blieb lange Zeit in Brasilien, ehe er dann schließlich doch einlenkte, da eine Einigung zwischen PSG und Barca in weiter Ferne lag.

Eine ähnliche Posse könnte Paris nun erneut drohen. Eigentlich wollte Neymar seinen Vertrag in der französischen Hauptstadt - der noch bis Sommer 2022 läuft - verlängern, doch diese Verhandlungen soll er nun doch wieder auf Eis gelegt haben.

Wieder Gerüchte um Neymar und Barca

Grund soll einmal mehr Barca sein, das berichtet auf jeden Fall die katalanische Zeitung ara. Neymars alter Kumpel Lionel Messi scheint auch über den Sommer hinaus in Katalonien zu bleiben - und daher wird ein Wechsel für Neymar wieder interessant.

Ruhe und positive Schlagzeilen rund um Neymar und PSG? Die gab es schon lange nicht mehr.

Die Vorzeichen vor dem großen Viertelfinal-Duell in der Champions League beim FC Bayern könnten daher besser sein. Um Revanche für die Final-Pleite vom letzten Jahr zu nehmen, braucht PSG ein Team, welches zusammenhält. Und der Klub braucht Neymar.

Und zwar das Fußballgenie Neymar, nicht den aufbrausenden und launenhaften Exzentriker.