Stroll-Poker: Racing Point hatte "nichts zu verlieren"

Norman Fischer
motorsport.com

Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer sagt, dass sein Team "nichts zu verlieren" hatte, als man Lance Stroll in der Schlussphase des Deutschland-Grand-Prix als ersten Piloten auf Slickreifen setzte. Der Kanadier kam dadurch von Rang 14 nach vorne und lag sogar kurzzeitig in Führung, bevor er in den letzten Runden noch auf Rang vier gereicht wurde.

Bis zu der Entscheidung erlebte Stroll eigentlich ein schlechtes Rennen. Das Team ließ ihn in der Anfangsphase auf Regenreifen draußen, als die meisten anderen auf Intermediates setzten, wodurch er eine Menge Zeit verlor. Das Safety-Car brachte ihn wieder in Schlagdistanz, sodass sein Poker erst aufgehen konnte.

"Zu Beginn haben wir falsch gepokert, weil wir dachten, dass mehr Regen kommen würde", sagt Szafnauer zu 'Motorsport.com'. "Daher waren wir dann im Hintertreffen, konnten es aber zum richtigen Zeitpunkt wieder gutmachen."

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"Wir mussten abschätzen, wann das Safety-Car wieder reinkommen würde, und lagen richtig", erklärt er weiter. "Wir haben die Entscheidung getroffen, bevor angekündigt wurde, dass das Safety-Car reinkommt. Aber wenn man 14. ist, hat man eh nichts zu verlieren. Und das sind dann die Entscheidungen, die man treffen muss."

Vor allem für den oftmals kritisierten Lance Stroll freut ihn der vierte Platz. "Es war ein großartiger Tag für Lance", betont Szafnauer. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas hätten am Schluss gezeigt, dass man sich drehen kann, wenn man von der Linie abkommt, "aber das hat er unter Druck nicht getan", lobt der Teamchef.

Für Performance-Ingenieur Tom McCullough war das Resultat eine Lektion in Sachen Hartnäckigkeit. Denn obwohl man zu Beginn eine schlechte Entscheidung getroffen habe, habe man sich davon nicht beirren lassen: "Man sollte niemals aufgeben, selbst wenn eine Entscheidung mal gegen dich lief", sagt er.

Racing Point feiert den vierten Platz wie einen Sieg

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Racing Point feiert den vierten Platz wie einen Sieg LAT

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Auch er hat Lob für Stroll übrig, der sich in den vergangenen Wochen stark verbessert habe, auch wenn man das durch das zahlreiche Scheitern in Q1 nicht unbedingt habe sehen können. "In den vergangenen vier oder fünf Rennen war er im Qualifying auf eine Zehntelsekunde an Sergio (Perez) dran", sagt er.

Zudem befinde sich der Kanadier noch in einem Lernprozess mit dem Auto und dem Team. "Wir bekommen es nicht immer richtig hin, aber er arbeitet hart - und das ist der Schlüssel", so McCullough. "Es gibt für ihn nur eine Richtung. Wir verbessern das Auto, und das sollte ihm etwas mehr Selbstvertrauen geben. Ich sehe, dass er nur stärker werden kann."

Racing Point hat das Auto in Hockenheim verbessert, nachdem es in Sachen Updates lange ruhig war. Das Upgrade soll nur Stufe eins von vier gewesen sein. Weitere Stufen sollen in Budapest, Spa und Singapur folgen.

Mit Bildmaterial von LAT.

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